Noch eine Premiere: Erster Großserien-Diesel-Hybrid Peugeot 3008 HYbrid4

Peugeot produzierte ab dem Jahr 2011 mit dem 3008 HYbrid4 den ersten Diesel-Hybrid in Großserie überhaupt. Es blieb ein kurzes Vergnügen.

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Jedem seinen Rekord: Peugeot produzierte ab 2011 mit dem 3008 HYbrid4 den ersten Diesel-Hybrid in Großserie.

(Bild: Peugeot)

Von
  • Christian Domke Seidel

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der es um spannende automobile Vorkämpfer geht, die drohen in Vergessenheit zu geraten. Denn meist war ihr Mut nicht von Erfolg gekrönt.

Teil 1: Der Blitz, den niemand wollte: Audi duo, erster Hybrid auf dem Markt

Teil 2: Nichts war Roger: General Motors erstes Elektroauto EV1

Teil 3: Das Gegenteil von Diesel: Volvo V60 Diesel-Plug-In-Hybrid

Teil 4: Applaus den Gründervätern: Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iOn & Citroën C-Zero

Teil 5: Bastlerhit für Liebhaber: Tesla Roadster

Teil 6: Vergaloppiert: BMW Hydrogen 7

Teil 7: Das Blatt, das wendet: Nissan Leaf

Im Wettrennen der alternativen Antriebe konnte sich auch Peugeot einen Goldrang erlaufen und sich so einen Platz in den Geschichtsbüchern der Mobilität sichern. Ob jemand ausgerechnet dieses Kapitel noch einmal anschauen wird, ist aber ungewiss. Denn die Franzosen haben mit dem 3008 HYbrid4 den ersten Diesel-Hybrid in Großserie auf den Markt gebracht.

Dabei ist wichtiger, was Peugeot nicht schreibt. "Plug-in-Hybrid” zum Beispiel. Hier war nämlich bekanntermaßen der Audi duo schneller. Ein Selbstzünder samt Elektromotor – und das schon 1997. Wenn auch nur in Kleinserie. Den Titel "erster Diesel-Plug-in-Hybrid in Großserie" geht dann im Jahr 2012 an den Volvo V60. Ein jeder nimmt sich die Premieren und Superlative, wo er sie kriegen kann.

Der Peugeot 3008 HYbrid4 macht alles so, wie man das von einem Hybridauto erwartet. 163 PS feuert ein Zweiliter-Diesel an die Vorderachse, 27 kW kommen zusätzlich aus einem Elektromotor gen Hinterachse. Deswegen auch "HYbrid4", weil der Wagen alle vier Räder antreibt. Der Akku hat 1,1 kWh Kapazität, was immerhin für vier Kilometer rein elektrischen Betrieb reichen soll.

Vor allem aber hat der Peugeot 3008 HYbrid4 ein automatisiertes Schaltgetriebe – EGS6 genannt. Dabei handelt es sich um eine Technik, die (ganz subjektiv betrachtet) in einem normalen Pkw oberhalb der Kleinstwagenklasse nichts verloren hat. Zu groß ist selbst in modernen Varianten der Komfortverlust durch die Zugkraftunterbrechung. Das Nicken der Insassen bedeutet keine Zustimmung zur Technik. Im Peugeot 3008 HYbrid4 ergibt diese Technik erstmals Sinn, weil der Elektromotor per Kraftschub die Schaltvorgänge einfach ausgleicht. Ein später Ritterschlag.

Peugeot 3008 HYbrid4 (4 Bilder)

Der Peugeot 3008 HYbrid4 ist im Jahr 2011 das erste Diesel-Hybrid-Fahrzeug, das in Großserie produziert wird.
(Bild: Peugeot)

Auch das Gesamtkonzept kann ein Problem lösen. Weil andere Hybridmodelle mit Benzinmotoren unterwegs und oft eine Klasse tiefer positioniert sind, geht ihnen vor allem auf der Autobahn schnell mal der Saft aus. Denn dann helfen die Elektromotoren nicht mehr und das Drehmoment reicht nicht mehr für die schwere Fuhre.

Beim Peugeot 3008 HYbrid4 ist das anders. Der Dieselmotor alleine hat 300 Nm maximales Drehmoment. In Kombination mit dem Elektromotor sind es sogar 450. Auf der deutschen Autobahn bringt das dem Fahrer wenig, schließlich stellt der kleine Hilfsmotor ab 120 km/h die Arbeit ein. Womit zumindest auf der Autobahn der Verbrauchsvorteil nicht nur dahin ist, sondern regelrecht torpediert wird. Denn das Zusatzgewicht bleibt. Der Peugeot 3008 HYbrid4 ist fast 200 Kilogramm schwerer als die konventionelle HDi 150 Variante.

Zwei Aufgaben haben die Ingenieure des Peugeot 3008 HYbrid4 dem Elektromotor übertragen: Verbrauch senken und das automatisierte Schaltgetriebe erträglich machen. Sportliche Ambitionen sucht man trotz üppiger Leistungsdaten vergeblich. An der Tankstelle macht sich dieser Fokus allerdings bemerkbar. Gerade einmal 4,0 Liter auf hundert Kilometer will das Fahrzeug laut Werksangaben. Der ADAC kommt bei einem Test auf 4,8 Liter – was immer noch ein guter Wert ist. Der niedrige Verbrauch im Stadtverkehr (3,5 Liter auf 100 Kilometer) drückt den Schnitt.

Weil so ein Diesel-Hybrid sehr teuer ist, versucht Peugeot – wie jeder Hersteller, der versucht hat, diese Kombination zu verkaufen – die Kosten durch eine üppige Ausstattung zu kaschieren. Head-up-Display, Tempomat und Navigationssystem sind standardmäßig enthalten. Deswegen kostet der Peugeot 3008 Hybrid4 auch mindestens 36.150 Euro. Üppig für ein Auto, dessen Konkurrenz Ford Kuga und Škoda Yeti heißt. Auch der Peugeot 508 konnte die Technik ein Jahr später nicht retten.

Natürlich ereilt auch den Peugeot 3008 Hybrid4 das gleiche Schicksal, dass auch Audi duo und den Volvo V60 ereilt hat. Einstellung wegen Erfolglosigkeit. Die Fahrzeuge sind zu teuer und die Einsparung zu gering, als dass sich für den Kunden die Anschaffung lohnen würde. Im Jahr 2015 war für den Peugeot schon wieder Schluss. Aktuell versucht sich nur Mercedes mit dem GLE 350de (Test) an der Kombination.

(fpi)