Null Emissionen bis 2050: Nur bei fundamentalem Wandel bei Energie und Verkehr

Die Internationalen Energieagentur sieht Chancen für die langfristigen Emissionsziele, doch dafür müsse ein radikaler Wandel im Energiesektor her.

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Spätestens ab 2035 sollen keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden, so die Verfasser der Studie.

(Bild: BMW)

Von
  • Martin Franz
  • mit Material der dpa

Um das Netto-Nullemissionsziel bis 2050 zu erreichen, ist eine beispiellose Transformation im Energiesektor notwendig. Die bisherigen Klimazusagen der Regierungen reichten nicht aus, heißt es in einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris. Es gebe einen Weg, das Nullemissionsziel bis zum Jahr 2050 zu erreichen, dieser sei aber schmal. Die Art und Weise, wie Energie weltweit produziert, transportiert und genutzt wird, müsse sich fundamental ändern, heißt es weiter.

Es dürfe etwa ab heute keine Investitionen in neue Projekte zur Versorgung mit fossilen Brennstoffen mehr geben. Es dürften keine weiteren endgültigen Investitionsentscheidungen für neue Kohlekraftwerke getroffen werden. Der Bericht sieht vor, dass die am wenigsten effizienten Kohlekraftwerke bis zum Jahr 2030 abgeschaltet, und die verbleibenden Kohlekraftwerke, die bis 2040 noch in Betrieb sind, nachgerüstet werden. Es brauche außerdem eine Politik, die den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor bis 2035 beende, schreiben die Fachleute.

Die Politik müsse auf einen massiven Einsatz aller verfügbaren sauberen und effizienten Energietechnologien setzen und gleichzeitig Innovation global beschleunigen. Es handele sich bei dieser Transformation um die vielleicht größte Herausforderung, der sich die Menschheit jemals gestellt habe, meint Fatih Birol, der Direktor der IEA. Die Regierungen müssten ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung sauberer Energietechnologien schnell erhöhen und diese in den Mittelpunkt der Energie- und Klimapolitik stellen. Der Übergang müsse auch fair und inklusiv sein.

2020 gingen die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zurück. Hauptsächlich dürfte das auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sein.

(Bild: Martin Franz)

Im Jahr 2050 müsse der Energiesektor weitgehend auf erneuerbaren Energien statt fossilen Brennstoffen beruhen. Zwei Drittel der gesamten Energieversorgung im Jahr 2050 würden aus Sonne, Wind, Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft stammen, schreiben die Expertinnen und Experten. Autos würden hauptsächlich mit Strom betrieben, die Luftfahrt setze weitgehend auf Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe. Das Ziel: "Im Jahr 2050 stammen fast 90 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen (...). Der Rest kommt größtenteils aus der Kernenergie."

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Die aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes gehen für das Jahr 2019 von 401 Gramm CO2 je erzeugter Kilowattstunde im deutschen Strommix aus. Für das Jahr 2020 gibt es noch keine Einschätzung dazu, doch es ist mit einer weiteren Reduzierung zu rechnen. Dafür sprechen, dass der Anteil von Braun- und Steinkohle bei der Stromerzeugung 2020 stark zurückgegangen ist. Die Emissionen durch die Braunkohleverstromung gingen um 23 Millionen Tonnen zurück, die durch Steinkohle um 13 Millionen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit legte dazu im März 2021 Zahlen vor.

Gleichzeitig steigt der Anteil der erneuerbaren Energien im Strommix weiter an. 488,7 TWh wurden netto im vergangenen Jahr laut Fraunhofer-Institut in Deutschland erzeugt. 247,01 TWh davon kamen aus erneuerbaren Quellen. Deutschland hat 2020 wieder mehr Strom exportiert als importiert, wobei der Überschuss geringer ausfiel als in den Jahren zuvor – statt 34 (2019) waren es nur noch 18 TWh (2020). 10,3 TWh bezog Deutschland von Frankreich, die größten Abnehmer deutschen Stroms waren Polen (11,3 TWh), Österreich (8,4 TWh) und Tschechien (6 TWh).

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(mfz)