Handys beim Nachwuchs: Nur für große Hände

Forscher arbeiten an einer automatischen Alterserkennung für Smartphones. Sie soll Kinder anhand ihrer Wischbewegungen am Touchscreen identifizieren und von ungeeigneten Apps und Webseiten fernhalten.

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Von
  • Rachel Metz

Bald könnte Ihr Telefon selbstständig herausfinden, ob gerade Ihr fünf Jahre altes Kind auf dem Bildschirm herumtippt – und dann Apps sperren, die für Kinder nicht geeignet sind.

Das ist die Vision von Forschern an der University of South Carolina und der Zhejiang University in China. Sie haben einen Algorithmus entwickelt, der erkennen kann, ob Ihr Kind zum Beispiel gerade dabei ist, ohne Ihr Wissen etwas im Internet zu bestellen.

Bereits heute gibt es eine Reihe von Apps zum Aktivitäten-Monitoring, um Kinder am Telefon zu kontrollieren, doch die müssen von den Eltern eigens installiert und aktiviert werden, und technisch geschickte Kinder können sie wieder ausschalten. Also fanden die Forscher, dass eine automatisierte Erkennung der Altersspanne es einfacher für Eltern machen würde, ihre Telefone neugierigen Kindern zu überlassen, ohne fürchten zu müssen, dass sie auf unangemessene Websites stoßen oder berufliche E-Mails zu sehen bekommen.

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Xiaopeng Li, Doktorand an der University of South Carolina, ist einer der Autoren eines Fachaufsatzes über diese Arbeit, die in dieser Woche bei einer Konferenz über Mobiltechnik vorgestellt wurde. Wie er erklärt, ließen sich zwei große Unterschiede bei der Art und Weise feststellen, wie Kinder und Erwachsene Touchscreens nutzen.

Weil Kinder kleinere Hände und kürzere Fingerkuppen haben als Erwachsene, berühren sie oft einen kleineren Bereich des Bildschirms und machen kürzere Wischbewegungen. Außerdem wischen sie tendenziell langsamer über den Bildschirm, und sie wechseln langsamer zwischen Wischen und Tippen.

Um harte Daten über diese Unterschiede zu bekommen, schrieben die Forscher eine einfache App und baten eine Gruppe von Kindern im Alter von drei bis elf Jahren sowie Erwachsene von 22 bis 60 Jahren, sie zu benutzen. Bei der App sollten die Teilnehmer ein Android-Telefon entsperren und dann ein Zahlen-Spiel darauf spielen, damit die Forscher verschiedene Tipp- und Wisch-Bewegungen aufzeichnen konnten. Außerdem beobachteten sie Faktoren wie die Stärke des Drucks, den der Finger eines Nutzers ausübte, und den Bereich, den er abdeckte.

Anhand der so gesammelten Daten trainierten die Forscher dann einen Algorithmus zur Alterserkennung, der nach ihren Angaben bei nur einmal über den Bildschirm wischen auf eine Genauigkeit von 84 Prozent kommt; bei achtmal wischen steigt dieser Wert auf 97 Prozent.

Um diesen Ansatz weiter zu optimieren, erklärt Li, will das Team Indikatoren wie die Bewegungen des Nutzers (erfassbar über den Beschleunigungsmesser in Smartphones) integrieren, weil es Anzeichen dafür gab, dass die Hände von Kindern beim Halten eines Telefons stärker zittern. Noch wurde der Algorithmus nicht in ein Telefon eingebaut, aber er sieht aus wie eine wirklich viel versprechende Methode, um zu verhindern, dass kleine Finger auf die falschen Apps tippen.

(sma)