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Ökosystem Meer: Wie das Meer Nahrungsmittelquelle und CO₂-Senke bleiben kann

Wolfgang Stieler
Das US-Unternehmen Ocean Era hat einen kugelförmigen Netzkäfig entwickelt, der frei in den Meereswirbeln bei Hawaii treibt. In den

Das US-Unternehmen Ocean Era hat einen kugelförmigen Netzkäfig entwickelt, der frei in den Meereswirbeln bei Hawaii treibt. In den "Floating Pods" genannten Käfigen zieht Ocean Era den Raubfisch Kona kampachi auf.

(Bild: Rick Decker)

Damit die Ozeane lebensfähig bleiben, CO₂ aufnehmen und Fisch liefern, müssen wir große Teile der Meere unter Schutz stellen. Wie kann das funktionieren?

Würde eine Spezies intelligenter Aliens die Menschheit aus dem All beobachten, würde sie stark an unserem Verstand zweifeln müssen. Denn die Ozeane speichern riesige Mengen an CO₂ und puffern so den Klimawandel ab. Ein Teil des Kohlendioxids wird schlicht chemisch im Wasser gelöst. Ein großer Teil wird aber auch von der "biologischen Pumpe" in die Tiefe verfrachtet: Pflanzliches Plankton nimmt CO₂ aus den obersten Wasserschichten auf, baut damit Biomasse auf, die von tierischem Plankton gefressen wird, das wiederum als Fischfutter dient. Ein Teil dieser Biomasse landet in Form von Fischkot, Kadavern oder abgestorbenen Pflanzenresten auf dem Meeresboden – mehrere Gigatonnen CO₂ pro Jahr werden so der Atmosphäre entzogen.

Warum schützen wir die Weltmeere dann nicht viel stärker, würden die Außerirdischen sich vermutlich fragen – denn die Ozeane können uns als Nahrungsquelle und CO₂-Senke nur dienen, wenn die marinen Ökosysteme funktionieren. Aber die Ozeane der Welt leiden nicht nur unter Versauerung, Überdüngung und Vermüllung, sondern auch unter einem bereits Jahrzehnte andauernden Raubbau. Rund 90 Millionen Tonnen "aquatische Lebensformen" – vor allem Fisch – holt die Menschheit pro Jahr aus den Meeren. Doch die Welternährungsorganisation FAO geht davon aus, dass nur 60 Prozent der weltweiten Fischbestände "nachhaltig" befischt werden. Dabei kommt zur legalen Überfischung noch die illegale Fischerei obendrauf: Die FAO schätzt, dass jeder fünfte gefangene Fisch illegal gefischt worden ist – insgesamt hat der illegale Fang einen geschätzten Wert von bis zu 23,5 Milliarden Dollar pro Jahr.

Das Resultat ist wenig überraschend: Studien haben ergeben, dass sich die Biomasse der weltweit gefangenen Fische in der Zeit von der industriellen Revolution bis in die 1990er-Jahre etwa halbiert hat [1] [1] (heise.de/s/pzNw). Kein Wunder also, dass der Weltklimarat IPCC fordert, dass auch 30 bis 50 Prozent der Wasserflächen dieses Planeten schnellstmöglich geschützt werden müssen. Nur ein Teil dieser Schutzzone darf bewirtschaftet werden – und zwar nachhaltig. Doch wie soll das gehen? Schließlich geht es nicht allein um wirtschaftliche Interessen – Fisch ist auch eine wesentliche Proteinquelle für rund drei Milliarden Menschen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-7159803

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0272771419307644