Ohrringe lasern und drucken für den Muttertag

Zum Muttertag an diesem Sonntag bereiten wir Hänge- und Steckohrringe vor. Als Verzierung lasern und 3D-drucken wir kleine Low-Poly-Elemente.

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Alle Ohrringe zusammen

Von
  • Stella Risch
Inhaltsverzeichnis

Was schenkt man einer Mutter am Besten zum Muttertag? Das ist sicher für jede Mutter individuell, die Klassiker sind aber bestimmt Blumen und Schmuck. Darum möchte ich mich dieses Jahr an selbst gemachten Ohrringen versuchen.

Der Arbeitsprozess beginnt natürlich mit der Recherche, in meinem Fall auf Thingiverse. Dort gibt es sehr viele 3D-Druck-Projekte. In diesem Fall war ich aber wählerisch, denn es sollte bloß nicht kitschig werden. Also habe ich mir einige Modelle markiert und damit weiter gearbeitet. Zunächst habe ich zuhause meine Druck- und Laserdatein vorbereitet. Da ich leider noch keinen kleinen Makerspace zu Hause eingerichtet habe, habe ich mir Räume in meinem Makerspace des Vertrauens gemietet, um Corona-konform arbeiten zu können. Weiter zusammengebaut wird dann zu Hause, wo bereits die Ohrringrohlinge auf mich warten.

Es will einfach nicht passen. Woran liegt's?

Zuerst wollte ich eine Schmuckschachtel zum Überreichen bauen. Dafür habe ich schon länger die Seite boxes.py von Florian Festi im Auge, die ich unbedingt auch mal ausprobieren wollte. In dieser Meldung haben wir sie bereits vorgestellt. Die Seite bietet viele verschiedene Vorlagen für coole Boxen mit interessanten Mechanismen und witzigen Verschlüssen. Dort kann man sogar Parameter ändern – wie zum Beispiel die Maße oder die Materialstärke, mit der man arbeiten möchte. Zum Schluss exportiert man eine svg-Datei zum Lasern.

Dabei habe ich allerdings einen Denkfehler gemacht, der mir leider erst zu Hause aufgefallen ist: Für meine Laserei habe ich eine übrig gebliebene Sperrholzreste verwendet, die wir im Materiallager für diesen Zweck aufbewahren. Ich habe mich für ihn entschieden, weil es kein günstiges MDF war, sondern ein schönes, hartes und unbeschriftetes Holz. Deswegen wusste ich nicht genau, womit ich es hier zu tun habe und was für Lasereinstellungen für unseren Laser empfohlen werden.

Das Problem: Ich bin von 3mm Materialstärke ausgegangen. Leider waren es 3,5mm. Schon passten meine vorbereiteten Holzstücke mit Fingerverbindungen nicht mehr ineinander. Das habe ich natürlich erst zu Hause gemerkt. Schade! Also beim nächsten Mal merken: Lieber nochmal nachmessen und am Besten direkt testen, bevor man das ganze Material verschwendet.

Auf Thingiverse habe ich eine Reihe low poly Tiere/ Elemente gefunden. Diesen Stil liebe ich! Die Dateien gab es im stl und scad-Format. Leider nichts für meine Zwecke, denn ich wollte sie lasern. Dafür benötige ich entweder eine Pixelgrafik, oder – wesentlich besser – eine Vektorgrafik, weil sie beim skalieren nicht pixelig wird. Vektoren zeichne ich am liebsten in Affinity Designer. Als Design-Studentin bevorzuge die Affinity-Programme, weil sie nur einmalig einen relativ kleinen Preis kosten und mir dann dauerhaft gehören, während die Adobe-Suite monatlich genau so viel kostet, nur das man mehrmals dafür zahlt. In der aktuellen Make 2/21 wird außerdem das kostenlose Vektorprogramm Inkscape im Artikel "Grafik für Maker" vorgestellt, mit dem man auch gut Laservorlagen erstellen kann.

Affinity Foto mit rotem Vektor-Schmetterling

Die Vektorwerkzeuge finde ich in Affinity Foto selbsterklärender als in Designer, darum habe ich dorthin die downgeloadete Bilddatei importiert. Ich habe drei Projekte von Dennis H./ mightynozzle verwendet. Hier geht es zu seiner Thingiverse-Seite, auf der ihr seine Projekte auch herunterladen könnt. Mit dem kleinen Füllerwerkzeug habe ich die Vektoren gezeichnet, mit dem weißen Anfasser im Untermenü kann man die Punkte im Nachhinein nochmal anpassen und genauer platzieren. Weil low poly mit Kanten arbeitet, habe ich die Funktion, um aus den Punkten Kurven zu machen, nicht genutzt. Das Hintergrundbild habe ich in seiner Deckkraft um circa die Hälfte verringert, um meine eigenen Vektoren besser sehen zu können. Die habe ich sie zum Zeichnen mit einer Farbe belegt. So konnte ich besser unterscheiden, welche Striche bereits gezeichnet waren. Hier gibt es die svg's zum downloaden.

In unserem Space steht ein 100W CO2-Laser zur Verfügung. Die Umrisse der Tiere sollten geschnitten werden und innen eine Gravur zu sehen sein. Da ich für mein spezielles Material keine Dokumentation mit Werten gefunden habe, habe ich einfach experimentiert und geguckt, welche die hübschesten Ergebnisse bringen. Die Umrisse und die innere Gravur habe ich separat in svg's abgespeichert, um ihnen im Programm Lightburn, mit dem wir den Laser ansprechen, gesondert Werte zuweisen zu können. Die habe ich dann übereinander so platziert, dass sie möglichst akkurat und mittig aufeinander liegen. Da ich zierliche Stecker für kleine Ohren basteln wollte, habe ich die Vektoren in Lightburn so skaliert, dass sie ungefähr ein Kästchen groß sind. An diesen Kästchen konnte ich mich leicht visuell orientiert, denn sie entsprechen 1cm.

Screenshot aus Lightburn. Die Zeichnungen liegen bereit und können losgeschickt werden.

Begonnen habe ich mit einer kleinen Rose. Die Vorlage habe ich zuerst einfach nachgezeichnet und ausprobiert. Dabei ist mir aufgefallen das es wichtig ist, dass die Gravur hübsch mittig sitzt und – viel wichtiger – dass sie für die Größe des Ohrrings nicht zu detailliert sein darf. Also habe ich die Vektoren nochmal angepasst und die Anzahl der Striche deutlich reduziert. Nachdem mir das klar war, ging das weitere Zeichnen und Lasern deutlich schneller. Worauf ihr noch achten könnt, wenn ihr Objekte mit einer klaren Orientierung lasert: Die Holzmaserung. Das vergesse ich immer, hier ging es aber glücklicherweise gut.

Gelasertes Sperrholz