Opel Rocks-e: Kleinst-Elektroauto für Fahranfänger

Opel zeigt einen knuffigen Kleinstwagen mit Elektromotor, den schon Jugendliche ab 15 fahren dürfen. Den Sargnagel liefert die Politik.

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Opel Rocks-e

Die eine Tür ist vorn angeschlagen, eine hinten. Warum? Bis auf minimale Änderungen braucht man so nur eine Tür-Version zu produzieren - das spart Geld.

(Bild: Opel)

Von
  • Martin Franz

Wendet sich die Jugend ab von der individuellen Mobilität? Bei manch einer Straßenveranstaltung könnte man – womöglich etwas vorschnell – zu dieser Ansicht tendieren. Aus Sicht der Hersteller scheint es also naheliegend, hier ganz gezielt gegenläufige Akzente zu setzen.

Der Gesetzgeber hat sich nach einigem Ringen gerade zu einer entgegenkommenden Lösung durchgerungen: Ende Juli 2021 wurde beschlossen, dass der Führerschein "AM" schon ab einem Alter von 15 Jahren erworben werden darf. Leider hat man mit dem Beschließen dann auch gleich wieder aufgehört, was für Opel, die den Vorstoß mutig nutzen wollen, das Risiko eines Rohrkrepierers ziemlich erhöht. Denn die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h für diese Fahrzeugklasse wurde nicht angetastet.

Sie haben es bei Opel sicher gut gemeint. Den Rocks-e dürfen Jugendliche schon ab einem Alter von 15 fahren. Er ist klein und elektrisch angetrieben, seine Ausstattung spartanisch, aber durchdacht. Eine Reduzierung auf das, von dem Opel denkt, dass es der jungen Zielgruppe wichtig ist, bringt einen niedrigen Preis mit. Der soll als Öffner in den Bereich der knappen Budgets dienen, das Jugendlichen in der Regel zur Verfügung stehen. Opel selbst spricht von einem Preis unterhalb eines Kleinwagens.

Viel näher ins Bild gerückt ist vermutlich die Ansage, eine Leasingrate im Bereich dessen zu halten, was eine Monatskarte für den ÖPNV kostet. Der Unterhalt eines Autos ist damit freilich keineswegs abgehakt. Allein die Versicherungskosten dürften für jugendliche Fahranfänger nicht zu vernachlässigen sein. Vielleicht geht die Sehnsucht nach einer heranwachsenden Zielgruppe am Ende aber auch so weit, dass der Hersteller das Fahrzeug intern quersubventioniert.

Im Innenraum gibt es nur zwei Sitzplätze, sonst könnte man den Rocks-e nicht mit dem Führerschein AM fahren. Instrumente und Tasten sind auf ein absolutes Minimum reduziert. Schon auf den Pressebildern vermitteln die Materialien den Eindruck, dass eine Verbesserung zu einem "richtigen" Auto einmal sehr einfach möglich sein wird. Gespart hat Opel sich Kurbelfenster, dafür lassen sich die Seitenscheiben aufklappen. Ungewöhnlich scheint auch die Idee eines richtigen Zündschlosses, in dem ein Schlüssel bewegt werden muss. Der Nachwuchs, so die unausgesprochene Hoffnung, wird es als coole Nostalgie ansehen.

Opel Rocks-e (10 Bilder)

Ein Kleinstwagen mit batterieelektrischem Antrieb, der sich an Autofahrer ...

Die Sitze sind leicht versetzt angeordnet. Die Kopffreiheit reiche auch für Menschen, die mehr als 1,9 Meter messen, verspricht Opel. Etwas Raum für Einkaufstüten bleibt hinter den Sesseln und im Beifahrerfußraum. Opel hat die Räder so weit wie möglich nach an die Enden der kleinen Karosse geschoben, um Platz im Innenraum zu schaffen. Doch bei einer Länge von 2,41 m und einer Breite von 1,39 m, was jeden Smart Fortwo unterbietet, sollte klar sein, dass die Grenzen eng gesteckt sind. Dafür verspricht Opel einen Wendekreis von gerade einmal 7,2 Metern.

Die Gesetzgebung schreibt für die Führerscheinklasse AM eine Nenndauerleistung von maximal 6 kW vor. Opel äußert sich dazu nicht, doch vermutlich wird die vom Gesetzgeber zugestandene Höchstleistung komplett zur Verfügung stehen. Inklusive Batterie wiegt der Rocks-e 471 kg. Der Speicher fasst 5,5 kWh, was unter den Bedingungen des WLTP für bis zu 75 km reichen soll. Diese Größe ist nicht nur dem angestrebten Preis geschuldet, sondern auch dem angedachten Einsatzgebiet in der Stadt. Aufgeladen ist die zuvor komplett entladene Batterie nach 3,5 Stunden.

Opel hat sich sicher ein paar richtige Gedanken um ein Jugend-Mobil gemacht. Es wird in der Zielgruppe sicherlich auch einige geben, die das Rocks-e-Design irgendwie knuffig und vielleicht sogar anziehend finden. Doch die Politik hängt dem beschwingten Ansinnen schwere Ketten um die Schultern. Noch immer konnte sie sich nicht dazu durchringen, die 45-km/h-Regelung in eine Vorschrift zu verwandeln, die diesen Modellen wenigstens 50 km/h zugesteht. Praxisgerecht wären 55 oder 60 km/h, denn damit ließe sich im Großstadtgewühl locker-lässig mitschwimmen. So aber wird die erste Teilnahme am motorisierten Verkehr mit dem Gefühl verbunden, ein Hindernis zu sein. Vermutlich ist das eher nicht das, was Menschen gerade in diesem Lebensabschnitt für erstrebenswert erachten.

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(mfz)