Open-Source-Projekt für autonome Autos

Der Mann hinter einem der ersten überzeugenden autonomen Fahrzeuge und frühere Leiter des Google-Projekts dafür hat ein neues Projekt gestartet. Dieses Mal will Sebastian Thrun die Entwicklung mit Open Source beschleunigen.

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  • Tom Simonite

Wenn Sebastian Thruns neues Projekt für autonome Autos so erfolgreich ist wie die ersten zwei, können wir unsere Führerscheine vielleicht früher wegwerfen als erwartet.

Als Robotik-Professor an der Stanford University gewann Thrun den Pentagon-Wettbewerb für autonome Fahrzeuge im Jahr 2005, der zum Startschuss für das Rennen um die Kommerzialisierung der Technologie wurde. Als Nächstes begann und leitete er das Projekt für autonome Autos bei Google, das schon mehr Kilometer auf Straßen hinter sich gebracht hat als jedes andere, verabschiedete sich aber vor einigen Jahren davon.

Jetzt meldet sich Thrun mit seinem dritten Projekt zurück, das etwas überraschend an seinem Start-up für Online-Bildung Udacity angesiedelt ist. Gewisse Ähnlichkeiten mit den früheren Projekten sind nicht zu übersehen – ein Lincoln mit Udacity-Logos, Kameras und rotierendem Laser rollt derzeit durch die Bay Area in Kalifornien. Doch die Software, die das Auto steuert, soll kostenlos und als Open Source zur Verfügung gestellt werden. Und auch die bei Tests gesammelten Daten will Thrun zur freien Nutzung veröffentlichen.

Zur Erklärung nutzt Thrun eine Analogie zum Smartphone-Markt: Ähnlich wie dort werde die ungewöhnliche Open-Source-Taktik dazu beitragen, die Entwicklung von autonomen Autos zu beschleunigen. "Man könnte sagen, dass Google das iPhone der autonomen Autos gebaut hat, während wir es mit dem Android-Weg versuchen", sagt er. "Indem wir die Software frei verfügbar machen, wird es für jeden Newcomer einfacher, ein eigenes Fahrzeug zu bauen. Genau so hat auch Android die Entwicklung von Smartphones beschleunigt."

Das Auto-Projekt von Udacity begann parallel zu einem neuen Kurs über die Entwicklung autonomer Fahrzeuge in diesem Januar. Ingenieure des Unternehmens schrieben die Software, die für erste Tests erforderlich ist. Jetzt sind Preise für die besten externen Vorschläge zu einer Reihe von technischen Problemen ausgeschrieben; unter anderem geht es dabei darum, die Verarbeitung der Daten von den Kameras zu verbessern. Auch Teilnehmer an dem neunmonatigen Kurs, der 2400 Dollar kostet, sollen Code-Beiträge liefern.

Ironisch dabei: Das Udacity-Projekt wird unter anderem von genau den Unternehmen unterstützt, denen Thrun damit Konkurrenz macht. Die Online-Universität bietet Kurse mit so genannten "Nano-Abschlüssen" in Bereichen an, in denen die Wirtschaft Schwierigkeiten hat, geeignete Mitarbeiter zu finden. Unternehmen können sich in einer Partnerschaft mit Udacity an der Entwicklung des Studienmaterials beteiligen und bekommen dafür bevorzugten Zugang zu Absolventen, die einen Job suchen.

Insgesamt listet Udacity 14 solcher "Hiring Partners" für das Projekt zum autonomen Fahren auf, darunter BMW, Mercedes und Otto, die Uber-Division für selbstfahrende Lastwagen.

Alain Kornhauser, Leiter der Transportforschung an der Princeton University, begrüßt den offenen Ansatz von Udacity: Wenn die Branche Mechanismen entwickle, um die Daten von Testfahrten zu teilen, werde die Technologie schneller einen Punkt erreichen, ab dem sie die Zahl der Verkehrstoten verringern könne. Dieses Ziel wird von den beteiligten Unternehmen häufig als Vorteil von autonomen Autos genannt.

Doch weil Unfälle relativ selten sind und die Straßen- und Verkehrsbedingungen stark variieren, muss ein autonomes Auto sehr viele Kilometer fahren, bis es all die "Grenzfälle" kennengelernt hat, mit denen es zurechtkommen soll. "Wir müssen Möglichkeiten finden, um wichtige Informationen auszutauschen, damit nicht jeder dieselben Fehler macht", sagt deshalb Kornhauser.

Auch vom US-Verkehrsministerium im September veröffentlichte Leitlinien für autonome Autos gehen in diese Richtung: Sie fordern die Unternehmen auf, Pläne für das Teilen bestimmter Daten zu entwickeln. Bislang hat das jedoch noch keine konkreten Ergebnisse gebracht. Dazu Thrun: "Derzeit sehe ich am Markt eine Menge Unternehmen, die Silos mit Software und Daten für sich selbst bauen, und nur sehr wenig Austausch."

(sma)