Patent-Rennen ums Telefon: Vor 100 Jahren starb Alexander Graham Bell

Mit dem ersten Telefon leitete der vor 100 Jahren gestorbene Alexander Graham Bell eine neue Ära der Kommunikation ein. Damals waren nicht alle glücklich damit.

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Technische Zeichnung

Ausschnitt aus Bells Patentantrag zu seinem Telefonapparat

(Bild: Alexander Graham Bell, Public domain, via Wikimedia Commons)

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Von
  • Christina Horsten
  • dpa

Wenn er Elektrizität wirklich verstanden hätte, soll Alexander Graham Bell einmal gesagt haben, hätte er sich wohl nie ans Tüfteln gesetzt. Der Lehrer für Gehörlose wusste jedoch viel über Akustik. So machte sich der Erfinder, der an diesem Dienstag (2. August) vor 100 Jahren starb, ans Werk – und reichte am 14. Februar 1876 in den USA den Antrag auf das Patent mit der Nummer 174.465 ein.

Der Antrag lautet etwas unspezifisch: "eine Methode und der Apparat für die telegrafische Übermittlung von gesprochenen und anderen Geräuschen, durch das Hervorrufen elektronischer Wellenbewegungen, ähnlich den Vibrationen geräuschbegleitender Luft". Mit anderen Worten: das Telefon.

Posthumes Bildnis Alexander Graham Bills, gefertigt von einem jungen Künstler

(Bild: Unbekannter Urheber - Sammlung der Alexander Graham Bell National Historic Site in Baddeck, Neuschottland)

Dabei kam Bell seinem Konkurrenten Elisha Gray nur knapp zuvor, der ebenfalls an einem Telefonapparat getüftelt hatte. Und dessen Patentantrag beschrieb die Erfindung deutlich präziser als der Antrag Bells, doch Grays Antrag kam zwei Stunden später beim Patentamt an. Und zu dem Zeitpunkt, an dem Bell den Patentantrag einreichte, funktionierte seine Erfindung noch nicht, im Gegensatz zu der von Gray. Am 7. März 1876 erhielt Bell das Patent zugesprochen, drei Tage später funktionierte sein Apparat erstmals wie gedacht.

Vorarbeit hatte unter anderem der hessische Physiker und Erfinder Johann Philipp Reis geleistet, der schon 1861 der Physikalischen Gesellschaft in Frankfurt am Main einen Fernsprecher präsentierte. Reis soll bei der Demonstration einige spontan ausgedachte Fantasie-Sätze in den Apparat gesprochen haben wie "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" und "Die Sonne ist von Kupfer" – die der 'Hörer' am anderen Ende nicht kennen konnte. Allerdings funktionierte das Gerät nur in eine Richtung, antworten ging nicht. Dennoch bereitete Reis mit seiner Erfindung dem Telefon den Weg.

Bell und sein Mitarbeiter Thomas Watson versuchten einen anderen Weg: Mittels einer Membran verwandelten sie Schallwellen in elektrische Spannungsschwankungen und schickten diese durch eine elektrische Leitung, an deren Ende sie wieder in Schall umgewandelt wurden. Am 2. Juni 1875 gelang es ihnen erstmals, einen Ton elektrisch zu übertragen. Fast ein Jahr später soll Watson dann in seinem Arbeitszimmer den ersten Satz gehört haben, der mittels eines Telefons übertragen wurde: "Watson, kommen Sie hierher, ich brauche Sie."

Mit Sprache und Kommunikation hatte sich der am 3. März 1847 im schottischen Edinburgh geborene Bell schon zuvor viel beschäftigt. Sein Vater war Spracherzieher und Lehrer für Gehörlose, und auch der Sohn nahm schon als 16-Jähriger eine Stelle als Sprachlehrer an einem Internat an. Einige Jahre zuvor war die Familie in die USA ausgewandert.

Zwei Brüder Bells waren an Tuberkulose gestorben, und die Familie hoffte, auf der anderen Seite des Atlantiks ein gesünderes Klima vorzufinden. Bell eröffnete bald eine eigene Sprachschule und wurde dann Professor für Sprachphysiologie und Sprachlehre an der Universität Boston.

Alexander Graham Bell (7 Bilder)

Plakat für eine Publikumsvorführung des Telefons mit Alexander Graham Bell himself
(Bild: Daniel AJ Sokolov/A.G. Bell National Historic Site, Baddeck, Neuschottland, Kanada)

Die bahnbrechende Erfindung des Pioniers der modernen Kommunikation fand erst einmal wenig Beachtung. Selbst auf der Weltausstellung in Philadelphia blieb der Apparat, den man abwechselnd an Mund und Ohr halten musste, weitgehend unbemerkt. Aber Bell arbeitete immer weiter an der Verbesserung seines Telefons. Mit Hilfe gemieteter Telegrafenleitungen konnte er Ende 1876 schon über eine Entfernung von mehr als 200 Kilometer mit seinem Assistenten Watson sprechen.

Das Interesse folgte. Im April 1877 ließ sich ein Geschäftsmann in der US-Ostküstenmetropole Boston eine ständige Telefonverbindung zwischen seinem Haus und seinem Geschäft einrichten. Im Juli 1877 gründete Bell gemeinsam mit Unterstützern eine nach ihm benannte Telefongesellschaft – die "Bell Telephone Company", die lange Zeit die größte Telefonfirma der Welt war und in veränderter Form noch heute als Telekommunikationskonzern "American Telephone and Telegraph Company" (AT&T) existiert. Nach nur drei Wochen vermietete das Unternehmen bereits 25 neue Telefone pro Tag.

Eines der ersten öffentlichen Fernsprechnetze entstand 1881 in Berlin mit 48 Teilnehmern. Mittels Kurbel wurde die Verbindung zur Vermittlungsstelle hergestellt. Das Telefon ließ Raum und Zeit vermeintlich zusammenschmelzen, brachte Stimmen der Menschen zusammen, die weit voneinander getrennt waren, hielt Einzug in Film, Theater und Musik und wurde immer mehr zu einem kulturhistorischen Gut.

Es blieb aber zunächst auch ein Luxusgut – und stieß auf Skepsis. In Berlin erschien 1881 ein frühes Telefonverzeichnis, das auch das "Buch der Narren" genannt wurde. "Jetzt versuchen wir seit Ewigkeiten, unsere Nachbarn zum Schweigen zu bringen, und jetzt kommt ihr und macht alles noch viel schwieriger", soll der US-Schriftsteller Mark Twain, einer der ersten Telefonbesitzer der Stadt Hartford, kommentiert haben.

Die Erfindung des Telefons (6 Bilder)

Die erste Entwurfsskizze von Alexander Graham Bell für das Telephon
(Bild: US-Library of Congress, Public Domain)

Bell forschte, finanziert von den Erlösen seiner Telefon-Firma, unterdessen weiter – unter anderem an Flugzeugen. Er heiratete eine ehemalige Schülerin, Mabel Hubbard (die Tochter seines Geschäftspartners), und zog mit ihr in die kanadische Atlantikprovinz Nova Scotia, wo er am 1. August 1922 im Alter von 75 Jahren starb. Ihm zu Ehren wurde in den USA damals eine Minute lang jeglicher Telefonbetrieb unterbrochen.

Update 12 Uhr: Der Artikel wurde um Bildmaterial erweitert.

(tiw)