Pflanz' Dir einen Stuhl!

Es muss nicht immer Ikea sein: Deutsche Designer haben einen Gartenstuhl präsentiert, der direkt aus der Erde gewachsen ist.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 4 Beiträge
Von
  • Jens Lubbadeh

Es muss nicht immer Ikea sein: Deutsche Designer haben einen Gartenstuhl präsentiert, der direkt aus der Erde gewachsen ist.

Achtung Hobbygärtner: Jetzt kann man nicht mehr nur Tomaten und Basilikum ernten, sondern auch Möbelstücke. Alles, was man dafür braucht: ein Weidenstrauch, ein Stahlkorsett und... Geduld.

Das deutsche Designstudio Aisslinger hat auf der Mailander Möbelmesse einen Gartenstuhl präsentiert, der ohne äußere Verarbeitung aus der Erde gewachsen ist. Sechs Monate lang ließ Produktdesigner Julian Lechner die Weidenpflanze in einem Stahlkorsett wachsen.

Die Pflanzen wurden auf eine Größe von rund 20 Zentimeter vorgezogen, bis sie in das mit Löchern durchzogene, eiserne Korsett gesteckt wurden. Innerhalb eines halben Jahres füllten sie dieses aus und das Stahlgerüst wurde entfernt.

In einem Stahlkorsett wuchs das Holz in Stuhlform heran

(Bild: Julian Lechner)

Bei Aisslinger verfolgt man die Vision von Produktplantagen als gewollte Provokation im Kontrast zu Massenmöbelhäusern wie Ikea. Lechner und Aisslinger wollen ihre Idee mit anderen, alternativen Konzepten wie "Urban Farming" kombinieren. Dafür suchen sie nach Unterstützung, um auf städtischen Grünflächen den Anbau von Gemüse und Möbeln zu demonstrieren, die Wirkung auf die Öffentlichkeit auszuloten und Aufmerksamkeit zu schaffen.

Die Idee ist eigentlich nicht neu: Bereits 1903 zog Bankier und Naturfreund John Krubsack einen Sessel aus 32 Holundersträuchern hoch. Allerdings musste er sich elf Jahre gedulden, bis er seinen Sessel "ernten" konnte. Auch andere Personen haben sich zwischenzeitlich mit der Formung wachsender Pflanzen beschäftigt.

Das Konzept lässt sich mit weiteren Formen und Materialien erweitern. "Es gibt zum Beispiel schnell wachsende Pilzarten, die nach dem Aushärten eine hohe Festigkeit aufweisen", erklärt Lechner. Neben der Herstellung von Einrichtungsgegenständen ist es auch denkbar, ganze Strukturen für leichte Konstruktionen wie Gartenhäuser wachsen zu lassen.

(jlu)