Photovoltaik oder Solarthermie: Wann sich was anbietet

Strom oder Wärme? Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen buhlen um den Platz auf Ihrem Dach, bieten aber ganz eigene Vor- und Nachteile.

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Photovoltaik und Solarthermie – es geht beides. Wenn man denn will.

(Bild: Heinz Wraneschitz)

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  • Heinz Wraneschitz
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Sonnenenergie ist neben Windkraft der wichtigste Baustein der Energiewende. Einmal installiert, wandeln die entsprechenden Anlagen jahrzehntelang das Sonnenlicht um und verringern somit die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Gas, Kohle und Öl. Doch die meisten Menschen verbinden mit Sonnenenergie inzwischen lediglich die Stromproduktion und vernachlässigen damit einen anderen wichtigen Faktor der Energiewende: eine alternative Wärmeerzeugung abseits von Wärmepumpen.

Dabei können schon kleine Anlagen den Brenner im Keller oder Technikraum über einen längeren Zeitraum im Jahr überflüssig machen. Installationen im einstelligen Quadratmeter-Bereich reichen, um das Brauchwasser auf die benötigte Temperatur zu bringen. Die etwas größeren Anlagen sammeln zusätzlich genug Wärme, damit die Menschen im Frühjahr und Herbst einige Tage ohne Haus-Heizung auskommen – oder an kühlen Mai-Tagen nachts nicht frieren müssen.

Die Dachausrichtung wird überbewertet

"Mein Dach zeigt nicht genau nach Süden": In einem solchen Fall denken viele Hausbesitzende gar nicht erst über Solarthermie oder Photovoltaik nach. Doch hier liegt ein Missverständnis vor: Selbst auf einer senkrechten Gebäudenordseite kommen noch 35 Prozent der Sonneneinstrahlung an. Dort eine Solarthermie- oder Photovoltaik-Anlage zu installieren, ist nicht wirklich sinnvoll. Aber mit einer Einstrahlungsscheibe können Sie grob berechnen, was bei Ihrem Hausdach über das Jahr betrachtet "herauskommen" könnte.

So produziert eine Photovoltaik-Anlage auf einem 45 Grad geneigten Ostdach immerhin um die 80 Prozent dessen, was eine optimal mit 30 Grad Neigung nach Süden ausgerichtete Anlage erzeugt. Für Solarthermie-Anlagen empfiehlt sich die nach Westen zeigende Dachseite, falls es in Richtung Süden nicht möglich ist. Nachmittags und abends ist es dort wärmer als am Morgen. Deshalb ist das Ostdach wiederum besser für Photovoltaik als das Westdach. Solarzellen arbeiten bei geringeren Temperaturen effektiver als bei hohen.

Solarenergie für Zuhause

Doch obwohl allseits anerkannt ist, dass sich die Technik der solaren Wärmeerzeugung mit Solarkollektoren in der Praxis bestens bewährt hat: Warum nehmen die Installationen von Photovoltaik-Systemen für die Produktion von Strom immer mehr zu, während von Solarthermie kaum mehr öffentlich Notiz genommen wird? Experten verweisen dabei vorwiegend auf finanzielle Aspekte.