Plastikrecycling: Der missbrauchte Wandel

Obwohl die Verbraucher mitziehen und ihr Verhalten verändert haben, steckt die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoff in der Sackgasse.

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(Bild: Shutterstock)

Von
  • Susanne Donner
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Eine gute und eine schlechte Nachricht sieht die Umweltingenieurin Kerstin Kuchta von der Technischen Universität Hamburg, nachdem sie jüngst den Weg des Plastikmülls verfolgt hat. Die gute: Die Bürger werfen mittlerweile rund 70 Prozent der Kunststoffverpackungen korrekt in die Gelbe Tonne, befand sie. Nur bei Glas und Papier liegen die Trennquoten noch höher.

„Trotzdem“, fährt sie luftholend für die schlechte Nachricht fort, „wird nur ein kleiner Anteil des Plastikmülls tatsächlich stofflich recycelt.“ 20 bis 25 Prozent sind es allenfalls: In den Sortieranlagen lässt sich ungefähr die Hälfte der Verpackungen nicht richtig zuordnen. Und von dem Teil, der schließlich in den Recyclingfabriken landet, kann noch einmal rund die Hälfte nicht verarbeitet werden. Fazit: Es gibt mehr Ausschuss als wiederverwertbaren Müll, die Kreislaufwirtschaft hat beim Plastik bislang versagt. Doch was kann man dagegen tun?

Recycling scheitert also am wenigsten an den Konsumenten – und auch nicht an den technischen Prozessen. Denn die gibt es längt für alle Kunststoffsorten von Polystyrol bis zu Polypropylen und Polyamid. „Der Knackpunkt ist: Verpackungen sind bisher nie für das Recycling designt worden“, sagt Hans-Josef Endres, Leiter des Instituts für Kunststoff- und Kreislauftechnik der Leibniz Universität Hannover. „Sie wurden Jahrzehnte auf eine sagenhafte Gebrauchsperformance hin optimiert.“ Deshalb gibt es Zigtausende Varianten von Kunststoffen. Plastik ist kein Reinstoff, sondern eine Mischung des Polymers mit zahlreichen Additiven. Dazu gehören etwa Weichmacher, Stabilisatoren, Farb-, Verstärkungs- und Füllstoffe oder Flammhemmer. Sie machen manchmal mehr als die Hälfte des Gewichts aus. Und sogar das Polymer selbst, etwa Polypropylen, besteht oft aus verschiedenen Grundbausteinen und variiert in Kettenlänge und im Grad der Verzweigungen. Diese unermessliche Sortenvielfalt begründet den Erfolg der Kunststoffe, behindert aber auch entscheidend das Recycling.

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