Polizei: Wem die zunehmende Überwachung nutzt

Polizeidienststellen versuchen in Städten mit immer ausgefeilterer Technologie gerade so viel zu erfahren, wie das Gesetz erlaubt. Hilft das der Öffentlichkeit?

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Im Schichtdienst beobachten Analysten das Geschehen in Ogden im „Real Time Crime Center“.

(Bild: Niki Chan Wylie)

Von
  • Rowan Moore Gerety
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Auf einer Konferenz in New Orleans im Jahr 2007 hörte Jon Greiner, damals Polizeichef der amerikanischen Kleinstadt Ogden in Utah, von einem neuen Daten-Hub namens "Real Time Crime Center": Unzählige rote und grüne Flecken, gepunktete Linien und winzige gelbe Symbole überlagerten sich auf einer interaktiven Karte von New York City. Sie standen für Morde, Schießereien, Straßensperrungen. Man konnte die Routen von Flugzeugen sehen, die in LaGuardia landeten, und die Fahrpläne von Containerschiffen, die an der Mündung des Hudson River ankamen.

Greiner wurde auf den Daten-Hub aufmerksam, weil er in Ogden, einer Stadt mit 82.702 Einwohnern, ein hartnäckiges Problem mit Fahrzeugdiebstählen hatte. Der einzige Kriminalitätsanalytiker der Abteilung suchte manuell nach Mustern, indem er Adressen auf Papierkarten aufzeichnete oder die durchschnittliche Zeit zwischen ähnlichen Verbrechen in einem bestimmten Gebiet mit dem Taschenrechner ausrechnete. Die Stadt hatte zwar gerade erst Nummernschild-Lesegeräte gekauft, aber es gab keine Möglichkeit, die Bilder in die übrigen Ermittlungen der Abteilung zu integrieren.

"Wir sind nicht New York City", dachte Greiner, "aber mit der richtigen Software könnten wir das auf unsere Bedürfnisse herunterskalieren." Greiner rief einen ehemaligen Kollegen an, der für das Mapping-Unternehmen Esri arbeitete, und fragte ihn, welche Art von unterschiedlichen Informationen er in eine Karte einfügen könnte. Seine Antwort war: Alles, was man in eine Tabellenkalkulation einfügen kann. Die Adresshistorie von Personen, die auf Bewährung entlassen wurden – um nach früheren Verurteilungen wegen Drogen, Einbrüchen oder Waffen zu suchen. Oder die Orte von Autodiebstählen und Autoverwertungen – sprich: Schrottplätzen, um zu sehen, ob Spritztouren in der Nähe des Wohnorts enden. Man könnte beobachten, wie sich Polizeiautos und Feuerwehrfahrzeuge durch die Stadt bewegen, oder Handyaufzeichnungen über die Zeit aufzeichnen, um den Aufenthaltsort eines Verdächtigen in den Stunden vor und nach einem Verbrechen zu ermitteln.

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