Pornhub bereitet historische Pornofilme mit KI auf

Die Online-Plattform Pornhub hat mit Hilfe von Deep Learning historische Erotikfilme nachkoloriert und hochskaliert.

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(Bild: Charles Deluvio / Unsplash)

Von
  • Wolfgang Stieler

Pornhub, nach eigenen Angaben eine führende „Plattform für Erwachsenenunterhaltung“ will offenbar am eigenen Image arbeiten. In einem „innovativen Projekt“ hat die Firma historische Erotikfilme mithilfe von KI nachgeschärft, von Rauschen und Flimmern befreit, auf 60 Bilder pro Sekunde hochskaliert und auf 4K Auflösung hochgerechnet. Pornhub setzt damit auf eine technische Entwicklung auf, die seit Kurzem für Aufsehen, aber auch Diskussionen unter Filmkennern und Historikern sorgt: die automatisierte Aufbereitung historischer Fotos und Videos.

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Maschinelles Lernen dazu zu nutzen, alte Bilder und Filme automatisch zu kolorieren, scheint zunächst technisch recht einfach: Trainiert man ein neuronales Netz mit Farbbildern und Schwarz-Weiß-Bildern, die aus diesen Farbbildern erzeugt wurden, lernt es, welche Merkmale in den beiden Datensätzen einander entsprechen und wie man den einen Datensatz verändern muss, um den anderen zu erzeugen.

Weil die Software aber die Farbdifferenz zwischen den einzelnen Bildern minimiert, kommen dabei oft nur großflächig braun eingefärbte Bilder heraus. Als Durchbruch auch in diesem Feld hat sich daher die Verwendung von GANs zur Hochskalierung und Kolorierung erwiesen – generative neuronale Netze, wie sie auch für Deepfakes verwendet werden.

Auch wenn auf diesem Gebiet erste Startups erfolgreich unterwegs sind, ist für die Aufbereitung von historischem Material noch immer viel Handarbeit nötig, denn die Software neigt dazu, bisweilen irritierende Artefakte zu erzeugen. Diverse Forschungsgruppen arbeiten daher aktiv an verbesserten Methoden zur Bildrestauration.

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Das Projekt könnte ein wenig von den negativen Schlagzeilen um Pornhub ablenken. Hinter der 2007 gegründete Plattform, die von Content lebt, der von Usern hochgeladen wurde, steht das eher diskret operierenden Unternehmen Mindgeek. Dessen Führungspersonal steht mittlerweile unter erheblichem öffentlichem Druck: Die Plattform hatte Ende 2020 massive Probleme bekommen, weil ihr vorgeworfen wurde, auch illegales Material zu verbreiten. Daraufhin blockierte das Unternehmen den Upload aus "nicht verifizierten Quellen". (wst)