Porsche Panamera auf Probefahrt: Dritter Hybrid zur Modellpflege

Die Kreuzung aus Reiselimousine und Sportwagen bekommt eine Modellpflege, die Plug-In-Hybrid-Modelle werden aufgewertet. Fahreindrücke aus der finalen Erprobung

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(Bild: Porsche)

Von
  • Stefan Grundhoff

Porsches erfolgreiche Kreuzung aus Reiselimousine und Sportwagen kommt nach den Sommerferien in überarbeiteter Form, die Plug-In-Hybrid-Modelle werden aufgewertet. Formal tut sich nur wenig, doch soll der Komfort steigen. Das bestätigen die ersten Fahreindrücke auf den abschließenden Erprobungsfahrten.

Mitarbeiter werden ins Home Office gebeten, Erprobungsfahrten, die normalerweise in fernen Ländern gemacht werden, verlegt Porsche nach Deutschland. Die Covid-19-Pandemie ändert so einiges. Entwicklungsleiter Thomas Friemuth und seine Leute drehen wegen der eingeschränkten Reisemöglichkeiten die letzten Abstimmungsrunden für den Panamera ein bis zwei Stunden südlich des Technologiestandorts Weissach im Schwarzwald.

Modellpflege für den Porsche Panamera (9 Bilder)

Die Ingenieure entpacken die Vorserienmodelle, die über Nacht geparkt niemand sehen sollte.
(Bild: Porsche)

Die Autos sind nur noch an den Scheinwerfern und Rückleuchten mit Folien getarnt. Mehr ist unnötig, optisch tut sich wenig abgesehen von kleinen Retuschen an Front und Heck. Die Kunden sind zufrieden und die Porsche-Verantwortlichen sind es augenscheinlich auch. Selbst im Innenraum gibt es abseits von Detailarbeiten am zentralen Bildschirmsystem und dem vom 911 der Generation 992 entliehenen Lenkrad wenig, was unter den Tarnmatten auffällt. Wichtiger sind die technischen Fortschritte.

Um die weltweite Nachfrage zu decken und die immer strenger werdenden Umweltvorgaben auch in den nächsten Jahren einhalten zu können, wird Porsche Herbst drei Plug-In-Hybrid-Versionen (PHEV) anbieten statt wie bisher zwei. "Wir schließen damit die Lücke zwischen dem Panamera 4 E-Hybrid und dem Turbo S E-Hybrid mit einem dritten Modell, mit dem vergrößerten Akku kommt man mit einer Ladung rund 30 Prozent weiter als bisher" erklärt Entwicklungsleiter Thomas Friemuth.

Dicke grüne Hose: Der noch aktuelle Porsche Panamera im Test bei uns als 4 E-hybrid Sport Turismo mit Kombiheck und Plug-in-Hybridantrieb mit 462 PS Systemleistung.

(Bild: Florian Pillau)

Der neue Porsche Panamera 4S Hybrid bringt eine Systemleistung von 560 PS an beide Achsen. Die Akkutechnik ist bei allen drei Hybridmodellen identisch. Die neue Batterie mit einer erhöhten Kapazität von 17,9 statt der bisherigen 14,1 kWh ermöglicht Reichweiten von über 50 Kilometern. Somit kommen alle PHEV-Modelle in den Genuss der steuerlichen Vergünstigungen, ein wichtiges Verkaufsargument.

Sehr zugute kommt den üppig motorisierten PHEVS eine Verbrauchsermittlung jenseits aller Wirklichkeit, die dem Porsche Panamera Hybrid bislang einen Verbrauch von 2,5 Litern auf 100 km zuschrieb. Lassen Sie es beim kommenden Panamera bei einigen Modellen ein Zehntelliter mehr sein, es bleibt auch dann ein industriefreundliches Schlupfloch für die komfortable Flucht aus den Verbrauchsvorgaben zum Klimaschutz. Im Detail nachzulesen in einem eigenen Hintergrundartikel.

Kaum etwas tut sich dagegen bei 330 PS starken Basismodell und dem beliebten Sportmodell Panamera GTS, der eine leichte Leistungsspritze auf 480 PS bekommt. Die stattlichen 550 PS des Porsche Panamera Turbo erhöht Porsche auf 630. Aus dem Stand beschleunigt das Spitzenmodell in knapp unter vier Sekunden auf Tempo 100 und erreicht maximal 325 km/h.

Die Fahreindrücke zeigen bei den verschiedenen Panamera-Modellen der kommenden Generation die bekannten Qualitäten. Trotz fünf Metern Länge und deutlich mehr als zwei Tonnen Leergewicht bewegen sich die Luxus-Fahrzeuge derart wendig und agil auf den kurvenreichen Straßen des Schwarzwaldes, dass man meint, in einem ein oder zwei Klassen kleineren Auto zu sitzen.

Bremsen und Lenkung sind unverändert auf äußerst anspruchvollem Niveau. Das ohnehin bereits über alle Zweifel erhabenen Fahrwerk wurde bei aller Direktheit etwas komfortabler, um weiterhin als Konkurrent von Audi A8, BMW 7er und dem bald kommenden neuen S-Klasse-Modell von Mercedes bestehen zu können. Thomas Friemuth begründet den Aufwand mit den Worten: "Wir wollten den Spagat noch weiter spreizen und die großen Stärken des Panamera betonen. Deshalb haben wir das Auto sportlicher und zugleich komfortabler gemacht. Dafür haben wir den Fahrkomfort und die Kurvenstabilität durch die Optimierung aller Fahrwerksysteme spürbar erhöht."

Es galt nicht nur den Bereich zwischen sportlich und komfortabel zu erweitern, sondern auch die verschiedenen Modelle mit ihren unterschiedlichen Gewichtsverteilungen bis hin zu Langversion und Shooting Brake einzubeziehen. Die Verbindung aus Reisetauglichkeit und Dynamik war schon seit ihrem Erscheinen 2009 das Thema dieser Porsche-Baureihe. So eine weite Spreizung erreicht man nicht mehr allein mit Änderungen in den Geometrien, der Elastokinematik und den Dämpferraten. Heute entsteht der Komfortspielraum durch die Einbeziehung Modifikationen an der elektromechanischen Wankstabilisierung, geänderten Verstelldämpfern und einer neuen Lagerung von Motoren und Achsen.

(fpi)