Post aus Japan: Fukushima soll strahlendes Wasser lassen

Ein Problem bei der Bewältigung der Atomkatastrophe von 2011 bleibt die Lagerung großer Mengen Tritium-haltiger Flüssigkeiten. Die Betreiber wollen sie ins Meer einleiten, doch es gibt Widerstand.

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Das AKW Fukushima 1.

Von
  • Martin Kölling

Es ist still geworden um die drei Kernschmelzen im Atomkraftwerk Fukushima 1. Unaufgeregt scheint Tepco, der Betreiber des havarierten AKWs, bisher die Bewältigung des Atomunfalls von 2011 zu managen. Doch im August wandte sich der Stromkonzern mit einer Warnung an die Öffentlichkeit: 2022 würden die bisher geplanten Speicherkapazitäten für strahlendes Kühlwasser ausgeschöpft sein.

Damit versuchte der Konzern den alten Vorschlag zu unterstreichen, das gespeicherte Wasser aus den Tanks verdünnt in den pazifischen Ozean zu pumpen. Die Idee wird von der Internationalen Atomenergiebehörde wie auch Japans atomarer Aufsichtsbehörde gestützt. Sie sehen im Ablassen des Wassers eine ökonomisch günstigste und vermeintlich ungefährliche Variante des Krisenmanagements.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Doch die Aufregung war nach Tepcos Vorstoß dennoch groß: Nicht nur die Fischer der Region protestierten, weil sie eine erneute Rufschädigung für Meeresfrüchte aus Fukushima befürchten. Selbst Südkoreas Regierung wurde aktiv. Sie bestellte Japans Botschafter ein, um der japanischen Seite verbal die Sorgen und Fragen über eine Einleitung des Abwassers ins heimische Meer zu übermitteln.

Der Streit dreht sich dabei um die Gefährdung, die von dem gespeicherten Kühlwasser ausgeht. Derzeit filtert Tepco die meisten radioaktiven Isotope aus dem Wasser – außer dem Tritium, einem radioaktiven Wasserstoffisotop. Daher hat Tepco bis Juli 2019 über 1,15 Millionen Tonnen Kühlwasser in 960 Tanks gespeichert, anstatt den Inhalt in den Ozean abzulassen.

Tepco selbst gibt zwar an, dass das Unternehmen noch auf dem Gelände des AKWs neue Tanks bauen könnte. Viele Atomexperten raten allerdings zur Entsorgung des flüssigen Mülls im großen Ozean. Denn nicht nur gilt Tritium als weniger gefährlich als andere radioaktive Elemente. In anderen Ländern kommt es daher vor, dass es verdünnt abgelassen wird. Auch die Lagerung derart riesiger Wassermengen, die täglich um etwa 150 Tonnen anschwellen, birgt Risiken.

Obwohl Tritium nur eine Halbwertzeit von knapp über zwölf Jahren hat, kann man bei der Bewältigung des Problems kaum auf den Faktor Zeit setzen. Laut einem Tepco-Experten strahlt das Wasser mit einer Million Becquerel pro Liter, während der Grenzwert 60.000 Becquerel pro Liter beträgt. Das betreffende Wasser müsste daher mehr als 50 Jahre gelagert werden, um nach heutigen Normen als unbedenklich zu gelten.

Zudem sind Tepcos Expansionsmöglichkeiten endlich. Das Unternehmen müsste Land außerhalb des AKWs kaufen, wenn das Gelände nicht mehr für neue Wasserspeicher reicht. Doch das könnte sich angesichts des lokalen Widerstands ebenfalls als schwierig erweisen.

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Wegen des zähen Protests der Fischer und Bauern drückt sich die Regierung bisher um eine Entscheidung herum. Die kontroverse Diskussion hat sie seit Jahren in eine Kommission ausgelagert, die eine Lösung im Interessenkonflikt finden soll.

Die Alternativen reichen von einer Verdunstung, einer Lagerung im Untergrund bis hin zu einem Ausbau der Wassertanks, um noch mehr verseuchtes Wasser zu speichern.

Die Hoffnung ist wohl, dass mit der Zeit auch der öffentliche Widerstand gegen die Einleitung des Tritiums ins Meer schwinden könnte. Noch ist allerdings offen, welche Position sich durchsetzen wird.

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