Post aus Japan: Geschichten mit H

Ostasien bleibt der Motor der Wasserstoffwirtschaft. Ein koreanische Autobauer will massiv in den Bau von Brennstoffzellenfabriken investieren. Doch dies ist nicht die einzige Initiative solcher Pioniere, die auch aus Japan kommen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen

(Bild: Hyundai Motor)

Von
  • Martin Kölling

Die Öffentlichkeit starrte bisher wie gebannt auf den Wettbewerb zwischen Tesla, Nissan, GM und deutschen Herstellern, mit Elektroautos die Autowelt aufzumischen. Die Ankündigung, in der Europäischen Union den CO2-Ausstoß von Autos bis 2030 um 37 Prozent zu senken, verstärkt den Hype noch. Da ist es um so erfrischender, dass Koreas Autogruppe Hyundai Motor mal eine andere Art des elektrifizierten Antriebs in die Schlagzeilen bringt: Brennstoffzellen, die Strom aus Wasserstoff gewinnen.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Mitte Dezember hat der Konzern seine Brennstoffzellenstrategie vorgestellt. Die FCEV Vision 2030 verspricht, dass der Konzern bis 2030 pro Jahr 500 000 Fahrzeuge für Automobile und 200 000 mobile Stromkraftwerke für Schiffe, Gabelstapler und andere Nutzfahrzeuge bauen will. Vizekonzernchef Chung Eui Sun setzte derweil ambitionierte Ziele: "Die Hyundai-Motor-Gruppe wird die Wasserstoffgesellschaft anführen."

Dafür ist er auch bereit, viel Kapital zu investieren. Innerhalb der kommenden zwölf Jahre will Hyundai sechs Milliarden Euro in die technologische Entwicklung und den Ausbau von Brennstoffzellenfabriken stecken. Auch das Timing der Ausgaben ist schon vorausgeplant. Zuerst wird in den kommenden zwei Jahren für umgerechnet 230 Millionen Euro eine neue Kraftwerksfabrik für seine Tochtergesellschaft Hyundai Mobis gebaut. Damit soll die Produktionskapazität von 3000 auf 11.000 Brennstoffzellen jährlich getrieben werden. Zwei Jahre später sollen es bereits 40.000 und 2025 130.000 Brennstoffzellen sein.

Vor allem wollen die Koreaner damit Nachschub für ihre eigene Brennstoffzellenoffensive sichern. Mit Toyota mit seinem Mirai und Honda mit dem Clarity zählen die Koreaner zu den Pionieren der Technik. Nach dem SUV Tucson (iX35 in Deutschland) brachten die Koreaner den Nexo auf den Markt. Aber der Konzern will seine mobilen Stromkraftwerke auch an Unternehmen in anderen Industrien vertreiben.

So sieht Hyundai daher neben einer Nachfrage nach Brennstoffzellensystemen für Passagier- und vor allem Nutzfahrzeuge auch Absatzmöglichkeiten in der Schifffahrt, dem Schienenverkehr und beispielsweise Gabelstaplern. Darüber hinaus will das Unternehmen auch kleine stationäre Wasserstoffkraftwerke für kleine Häuser oder größere Gebäude erstellen.

Die Koreaner sind dabei nicht die einzigen mit Wasserstoffambitionen. Beim Nachbarn Japan ist der Aufbau einer Wasserstoffbasierten Gesellschaft noch mehr Teil der Staatsdoktrin. Und viele Unternehmen folgen. Der Autohersteller Nissan ist zwar defacto aus der nationalen Wasserstoffallianz ausgeschert, weil er Elektroautos im Pkw-Segment die größeren Chancen einräumt. Aber Toyota hat schon im Frühjahr angekündigt, seine Brennstoffzellenproduktion auf 30 000 Stück pro Jahr auszubauen. Überhaupt ist Japans größter Autokonzern auch der lauteste Fürsprecher für den Wasserstoff. So baut Toyota nun auch Brennstoffzellenbusse.

Japans Technikkonzerne wie Panasonic oder Toshiba oder Energieunternehmen wie Tokyo Gas wiederum konzentrieren sich auf "Energiefarmen" für den Hausgebrauch. Deren Brennstoffzellen liefern bereits Strom und heißes Wasser. Noch leiden sie allerdings daran, dass der Wasserstoff aus Erdgas abgespalten wird. Doch Panasonic kündigte dieses Jahr für das Jahr 2021 die Markteinführung einer Brennstoffzelle an, die reinen Wasserstoff verarbeitet.

Zu Beginn wird es sich auf Fünf-Kilowatt-Anlagen konzentrieren, die an Wasserstofftankstellen und Geschäftsgebäuden eingesetzt werden könnten. Darüber hinaus wird Panasonics neue Brennstoffzellengeneration wohl nach den olympischen Sommerspielen 2020 bei der Umgestaltung des olympischen Athletendorfs eingesetzt werden.

Auch an der Entwicklung einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette wird in lokalen Projekten gearbeitet. Im Juni kündigte ein Konsortium aus akademischen Forschungseinrichtungen, lokalen Regierungen und Unternehmen unter Führung des Baukonzerns Taisei, auf Hokkaido mit Strom aus Windanlagen Wasserstoff aus Wasser zu gewinnen. Das Produkt wird mit relativ niedrigem Druck in einer Transportkassette gespeichert und an ein öffentliches Badehaus geliefert.

In der Präfektur Miyagi wiederum hat ein Konsortium aus der Stadt Tomiya, dem Technikkonzern Hitachi, dem Handelshaus Marubeni und der Miyagi Coop im August den Test eines anderen Systems aufgenommen. Mit Strom aus einem Solarkraftwerk wird der Wasserstoff aus Wasser gewonnen, in Transportkassetten gepumpt und Testhaushalte ausgeliefert.

Diese Auslieferung wirkt dabei vielleicht nur in Deutschland veraltet, in Japan ist sie ein gewohntes Bild. Selbst in Metropolen wie Tokio oder Yokohama werden noch heute viele ältere Einfamilienhäuser mit großen Gasflaschen beliefert, weil sie nicht ans öffentliche Gasnetz angeschlossen sind (oder es in der Region keines gibt). Die Beispiele zeigen, dass gerade die beiden ostasiatischen Nachbarn mit Eifer am Traum arbeiten, das flüchtige Element Wasserstoff zu einem massenfähigen Energieträger zu machen. Nur rechnen selbst die Pioniere der Technik bei dieser Aufgabe nicht in Jahren, sondern Jahrzehnten.

()