Post aus Japan: Geschlechtergerechtigkeit am Automaten

Mit Innovationen gegen die Krise: Ein japanischer Getränkekonzern will mit speziellen Automaten die berufliche Gleichstellung von Frauen fördern.

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Automat in Kyoto.

(Bild: Laura Thonne / Unsplash)

Von
  • Martin Kölling

"Leicht zu kaufen zur Unterstützung berufstätiger Frauen" – die Presseerklärung des japanischen Getränkekonzerns Dydo Drinco gab einem kleinen Test für einen neuen Dienst seiner Getränkeautomaten gleich große gesellschaftliche Reichweite. Gemeinsam mit dem Unterwäschekonzern Gunze bietet das Unternehmen als Versuch Damenstrumpfhosen für 500 Yen (rund vier Euro) in Getränkeautomaten an.

Die Innovationspartner erklären, dass sie mit der Idee einen konkreten Bedarf von berufstätigen Frauen befriedigen wollen. In einer Umfrage unter 600 Frauen wollen die Firmen herausgefunden haben, dass 90 Prozent der Teilnehmerinnen ihre Strumpfhosen am liebsten sofort wechseln wollten, wenn sich eine Laufmasche abzeichnet.

77 Prozent gaben zudem an, dass sie derartige in Bürogebäuden installierte Getränkeautomaten wenigstens gelegentlich frequentierten würden. Und so entwickelte Gunze für seine neue Linie Sabrina eine Verpackung, die sich auch in Getränkeautomaten verstauen lässt.

Der Versuch steht symbolisch für eine Automatenindustrie, die seit Jahrzehnten in der Krise steckt. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Getränke-, Lebensmittel und Kartenautomaten von weit über fünf auf 4,1 Millionen Stück Ende 2019 gesunken, berichtet der Industrieverband JVMA.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Darunter sind noch 2,4 Millionen Getränkeautomaten. Ansonsten werden auch Lebensmittel, Alltagsprodukte, Zeitungen und Spielzeug menschenfrei verkauft. 1,3 Millionen Münzschließfächer sowie Ticket- und Parkplatzautomaten runden den Markt ab.

Doch schon vor der Coronakrise wuchsen nur die Marktsegmente wie Bezahlautomaten bei Restaurants und an Parkplätzen, mit denen die Unternehmen ihren grassierenden Personalmangel lindern wollen. Besonders Restaurants reduzieren so die Arbeit des Personals.

Anhand der traditionellen lebensgroßen Nachbildung der Speisen im Schaufenster oder bunten Bildern wählen sich die Kunden ihr Menü per Knopfdruck am Automaten und bestellen sofort. Das Gerät spuckt dann einen kleinen Zettel mit der Bestellung aus, die man dann dem Personal übergibt.

Der Rest der Industrie schrumpft allerdings immer weiter. Der Technikkonzern Panasonic hat daher schon im Februar angekündigt, aus der Automatenproduktion auszustiegen und damit den Marktführern Fuji Electric und Sanden den Markt zu überlassen.

Die Hersteller und Betreiber versuchen nun wie DyDo, die Attraktivität der Automaten zu erhöhen. Nicht nur akzeptieren inzwischen viele Maschinen viele der konkurrierenden eCash-Systeme im Land. Die im ganzen Land Automaten werden teilweise mit Kameras ausgestattet. Und die Regierung wollte vor der Pandemie sogar den Verkauf zollfreier Artikel an Touristen über Automaten gestatten.

Auch auf die Coronakrise wird bereits reagiert. Unternehmen hat bereits mediale Aufmerksamkeit mit dem Verkauf gekühlter Gesichtsmasken erzeugt. Und die Getränkekonzerne Coca-Cola und Ito-En beschichten die Druckknöpfe von zigtausenden Automaten mit antiviralen Mitteln.

Der eingangs erwähnte Hersteller DyDo kümmert sich derweil auch darum, den Spontankauf gesundheitsbewusster Konsumenten anzuregen. Das Unternehmen testet einen Getränkeautomaten, der auf dem Schauglas nicht die Getränke abbildet, sondern eine Liste mit Kalorien und Inhaltsstoffen. (bsc)