Post aus Japan: Nippon hat wieder den schnellsten Superrechner

Der Megacomputer Fugaku hat in der COVID-19-Krise schon halbfertig ausgeholfen. Nun stürmt die Anlage die weltweiten Rankings.

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(Bild: RIKEN)

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Bei Supercomputern ist Japan schon lange eine Großmacht. 2011 stand der japanische K an der Spitze der weltschnellsten Rechner. Diese Woche eroberte sein Nachfolger Fugaku die Weltspitze zurück. Schon zu Beginn der COVID-19-Pandemie schalteten die Entwickler den Rechner ein, um beim Virenkampf zu helfen. Mit 58 Prozent seiner Kapazität schlug er schon damals K um Längen. Im halbjährlichen Ranking des amerikanisch-europäischen Top500-Projekts übertraf er mit 415 Quadrillion Rechenoperationen pro Sekunden den bisherigen Spitzenreiter Summit System vom amerikanischen Oak Ridge National Laboraty um das 2,8-fache.

Doch damit nicht genug: Das Team aus Japans Forschungsinstitut Riken, dem Technikkonzern Fujitsu und dem britischen Chipdesigner Arm heimste zudem die Spitzenplätze für Industrieanwendungen, künstliche Intelligenz und Big-Data-Analyse ein. Riken-Präsident Satoshi Matsumoto sagte daraufhin: "Ich bin erleichtert und glücklich über diese brillanten Ergebnisse." Und Fujitsu-Chef Takahito Tokito, der in Lebensgröße als Videobild an der Pressekonferenz teilnahm, hob derweil den Beitrag zum Technologiestandort Japan hervor. "Wir konnten der Welt die Technologie Japans und die Stärke unserer verarbeitenden Industrie zeigen."

Besonders stolz waren die Japaner allerdings darauf, dass sie die rechnerische Höchstleistung bereits einen Monat nach der Fertigstellung von Fugaku erreichen konnte, erklärte der zuständige Fujitsu-Manager Naoki Shinjo. "Und dies sogar während der COVID-19-Krise." Er hofft, dass sich der Superrechner nun als effektiver Helfer beim Aufbau der vernetzten Gesellschaft beweisen kann. Oder wie das Team es ausdrückt: "Fugaku kann in einer solchen Gesellschaft als Informationsinfrastrukturtechnologie dazu beitragen, die Lösung sozialer Probleme mit Hilfe der Simulation zu beschleunigen und gleichzeitig die Entwicklung von KI-Technologien sowie von Technologien im Zusammenhang mit der Informationsverteilung und -verarbeitung voranzutreiben."

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Das System steht im Riken-Center for Computational Science und ersetzt nun den 2019 abgeschalteten einstigen Weltmeister K. Der neue Spitzenreiter bot für seine geprüfte Rechenleistung immerhin 396 Racks mit 152.064 Knoten auf, die etwa 95,6 Prozent des gesamten Systems entsprachen. Ab 2021 soll das Computing-Konglomerat den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Und ein britisches Unternehmen in japanischen Besitz hofft dann mitzukassieren.

Der Chipdesigner ARM, der als einer der wenigen unverkäuflichen Teile des japanischen Technikinvestors Softbank gilt, lieferte die Architektur für Fugaku. Dies ist nun schon die zweite Erfolgsmeldung der Briten in dieser Woche, die sich als Entwickler von energiesparenden Chips für Mobilgeräte einen Namen gemacht haben. Ebenfalls am Montag kündigte Apple an, dass seine Prozessoren künftig nicht mehr von Intel kommen werden, sondern auf einer ARM-Architektur aufbauen werden. Damit deckt ARM nun von Handys bis Superrechnern das gesamte Computing-Universum ab. Und langsam scheint sich zu bestätigen, was Softbank-Chef 2016 beim Kauf des britischen Unternehmens vorausgesagt hat. ARM könnte zu einem Hauptlieferanten für die Chips im vollvernetzten, maschinensmarten Zeitalter werden.

(bsc)