Post aus Japan: Pepper goes global

Nippons Softbank investiert nicht nur massiv in Start-ups, der Konzern ist auch größter Hersteller von Partnerrobotern. Nun schickt er seinen Semi-Humanoiden in die USA.

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Post aus Japan: Pepper goes global

(Bild: Softbank)

Von
  • Martin Kölling

In Japan ist Softbanks Pepper schon lange Alltag. In Hochhauslobbys, an Flughäfen und in Geschäften "arbeitet" der semi-humanoide Roboter, der ein bisschen so aussieht wie eine übergroße Mensch-ärgere-dich-nicht-Figur. Das heißt, wenn ich ihn sehe, steht er meist nur recht einsam herum und wartet, dass er mit einem Menschen spielen kann. Aber die Ignoranz seiner Mitmenschen hält Softbank nicht davon ab, an Peppers Zukunft zu glauben und basteln. Diese Woche gab die Softbank-Gruppe bekannt, dass sie Schulen in Nordamerika 100 Peppers spendet.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Tokio.

Als erste Einsatzgebiete für ihren Expat hat sich die Gruppe die Technikhochburgen San Francisco und Boston ausgesucht. Aber dies werden wohl nicht die einzigen Orte bleiben, in denen Pepper nun auch in den USA pädagogisch wirken soll.

Pepper werde schon in Japan in Klassenräumen verwendet, um die Erziehung mit einem innovativen Mittel zu stärken, erklärte Rikiya Yamaguchi von Softbank in einer Presseerklärung des Konzerns. "Die Ausdehnung unseres Programms nach Nordamerika ist ein wichtiger Schritt in unserem Engagement, Schüler Computerwissenschaften und Robotik zu lehren." Außerdem wolle man so die Ausbildung in Wissenschaft, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik fördern.

In Japan hat Pepper seit dem Start des Programms im Jahr 2017 nun schon 2000 Pepper in die Schulen geschickt. In über 17.000 Klassen traten sie auf. Und von dem, was ich bisher gesehen habe, macht sich der Roboter dort gesellschaftlich nützlicher als bei der bei der Arbeit als Wegweiser oder Verkäufer.

Denn erstens nehmen Kinder sich seiner gerne an. Zweitens lässt er sich kinderleicht programmieren und kann damit den Nachwuchs spielerisch eine wichtige Kulturtechnik für das neue Zeitalter künstlicher Intelligenz und Robotik beibringen. Davon bin ich aus eigener Erfahrung fest überzeugt.

Seit Jahren führt Softbank Programmierworkshops durch. Und wie ich beim Besuch einer Schulung festgestellt habe, arbeiten die Programmierschnittstellen auch mit Drag&Drop. Damit lassen sich einfache Dialoge und Reaktionen codieren – oder auch komplexe Shows. Dazu kommt, dass das Programm auch wirklich an Schulen aktiv ist. Im Februar 2019 wird Softbanks Robotersparte Softbank Robotics ein Finale mit den besten Ergebnissen von Grund- und Mittelschulen durchführen. Das siegreiche Team wird von Softbank ins Silicon Valley eingeladen.

In der Zukunft könnte nicht nur Peppers Rolle in der Schule noch wichtiger werden. Das japanische Erziehungsministerium will ab 2020 Programmieren in den Lehrplan für die Grundschule aufnehmen. Da sind also Heerscharen an billigeren Geräten und vielleicht auch Robotern gefragt.

Ich könnte mir vorstellen, dass dann auch Sonys Roboterhund Aibo in Schulen bellt. Denn auch der Elektronikkonzern hat Kinder als Zielgruppe erkannt. So hat das Unternehmen diese Woche angekündigt, Aibo quasi als tiertherapeutisches Instrument für Kinder zu testen.

Der Versuch wird bis März 2021 am Nationalen Zentrum für Kindesgesundheit- und -entwicklung in Tokio durchgeführt. Da soll dann wissenschaftlich geprüft werden, ob die Kinder durch die Kommunikation mit Aibo Stress und Angst abbauen können. Und wer weiß, vielleicht gibt es in ein paar Jahren in Japan Roboter auf Rezept.

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