Post aus Japan: Per Roboter zur Abschlussfeier

In Asien passen sich Bildungseinrichtungen und Firmen dem Gebot sozialer Distanzierung kreativ an. In Nippon gibt's spezielle Corona-Stellvertreter.

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(Bild: BBT)

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Der Präsident der "Business-Breakthrough-Universität" in Tokio ist in Japan schon lange als Aufrührer bekannt. Kenichi Ohmae hat ein Leben lang als Vertreter neoliberaler Ideen am eher korporatistischen Kapitalismus seiner Heimat gerüttelt.

In der Coronavirus-Krise zeigt der 77-jährige Akademiker seinen japanischen Kollegen, dass Alter nicht vor technikaffinen Lösungen für das Problem der sozialen Distanzierung bei Abschlussfeiern schützt. Die als BBT-Universität bekannte Hochschule inszenierte die feierliche Übergabe der Abschlussdiplome mit Robotern, über die Ohmaes Jünger per Internet von ihren Schreibtischen tele-teilnehmen konnten.

Ohmae hat sich dafür einen ganz besonderen Roboter angeheuert: Newme von der japanischen Fluglinie All Nippon Airways (ANA). Das Unternehmen hatte den Roboter mit samt Teleshoppingdienst im Dezember 2019 vorgestellt. Die Idee war, dass Kunden über das Internet mit dem 150 Zentimeter großen Roboter durch reale Kaufhäuser flanieren können, um sich Waren von wirklichen Menschen zeigen zu lassen. Die Verkäufer und die Einkäufer kommunizieren dabei über ein Tablet, das das Gesicht des Kunden zeigt.

Post aus Japan

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Die Fluggesellschaft nutzt nun die Krise, neue Einsatzmöglichkeiten aufzuzeigen. Für Schulkinder führte ANA schon den Besuch eines Aquariums durch. Die Abschlussfeier an der kleinen Privatuni schuf eine weitere Möglichkeit, den Roboter telegen in Szene zu setzen. Dafür scheuten die Partner keine Mühen.

Zwei Robotern wurden Doktorhüte aufs Display gesetzt und die schwarz-blau-goldenen Talare angezogen. Dann rollten sie fernbeseelt vom Studenten zum Dekan, der die Diplome auf einer kleinen Stellfläche platzierte, gratulierte und dann für das Fotoalbum seine digital anwesenden Schützlinge ganz analog in den Arm nahm.

Diese roboterisierte Abschlussfeier passt zu Ohmaes Idee, dass "Wissensnetzwerke die Fähigkeit der Menschen ins Unendliche ausdehnen". Die BBT-Universität hat als erste japanische Master-Business-Administration-Schule im Jahr 2005 mit Online-Studiengängen begonnen. 2010 kam dann auch ein Online-Bachelor of Business Administration hinzu.

Die Veranstaltung wird den Teilnehmern sicherlich in Erinnerung bleiben. Und für die Universität und ANA war sie auf jeden Fall ein guter Marketinggag. Doch Technik löst auch anderswo Probleme, die durch die COVID-19-Epidemie entstehen. In Südkorea werden inzwischen immer mehr Bewerbungsgespräche Online durchgeführt, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren.

Für andere schwer digital ersetzbare Events wie die Masseneignungstests der Unternehmen haben kreative Personalmanager eines koreanischen Immobilienentwicklers allerdings eine Low-Tech-Lösung gefunden. Ansan Urban Development mietete kurzerhand ein Fußballstadion und verteilte etwa 100 Bewerber auf Stühlen mit Klapptischen in fünf Meter Abstand auf dem Grün. Natürlich trug jeder Prüfling auch noch eine Maske.

(bsc)