Post aus Japan: Toyota baut Brummis mit Wasserstoff

Tesla versucht, die Logistikbranche mit batterieelektrischen Trucks aufzumischen. Traditionelle Autohersteller setzen allerdings lieber auf die Brennstoffzelle.

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(Bild: Toyota)

Von
  • Martin Kölling

Bei Pkw ist Toyota bereits Marktführer in Sachen Brennstoffzellenautos, die ihren Strom aus der Fusion von Wasser- und Sauerstoff gewinnen. Selbst einen Brennstoffzellenbus und sogar ein Mondauto hat der Konzern bereits entworfen. Nun greift Japans größter Autohersteller auch im Gütertransport massiv an. Diesen Monat kündigte Toyota gleich zwei Brennstoffzellenbrummis und ein Zugprojekt an und stellte damit eines klar: Der Konzern will sich als wichtiger Motor der kommenden Wasserstoffwirtschaft etablieren.

In den USA will Toyota gemeinsam mit seiner LKW-Tochtergesellschaft Hino einen Schwerlaster auf die Straße bringen. Das erste Demonstrationsfahrzeug wird in den ersten sechs Monaten kommenden Jahres eintreffen. Die Ankündigung folgt Toyotas Brennstoffzellen-LKW-Tests im Hafen von Los Angeles, die 2017 begannen.

2022 folgen in Japan folgen Praxisphasen von Brennstoffzellenlastern mit mehreren Logistikunternehmen. Die Modelle sollen mit einer Tankfüllung Wasserstoff wenigstens 600 Kilometer weit fahren können. Die Unternehmen wollen damit beweisen, dass die Brennstoffzellenlaster wirtschaftlich sinnvoll sind, um die Verbreitung der Wasserstoffwirtschaft zu fördern.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Nicht nur Toyota setzt in dem Wettrennen um Elektrolaster auf einen Boom Brennstoffzellenbrummis. Der südkoreanische Rivale Hyundai hat bereits Wasserstofflaster in die Schweiz ausgeliefert. Andere Hersteller, darunter auch das Startup Nikola, treten mit Modellen in den USA und China an. Denn viele Hersteller glauben, dass sie Brennstoffzelle im Schwerlastverkehr Vorteile vor reinen batterieelektrischen Modellen wie Teslas LKW-Vorschlag hat.

Hyundai beispielsweise rechnete vor, dass sein Wasserstoffverstromer soviel Reichweite bietet wie ein Lastwagen mit einer 600 kWh-Batterie. Ein derartiger Energiespeicher würde fast vier Tonnen wiegen und damit nicht nur wertvolle Nutzlast reduzieren. Auch dauert die Betankung mit Wasserstoff deutlich kürzer als das Beladen von Batterien mit Strom.

Zwar ist die Wasserstoffinfrastruktur noch unterentwickelt. Aber die Befürworter von Wasserstoff setzen wie der internationale "Wasserstoffrat" darauf, zuerst an Knotenpunkten der Logistik wie Häfen oder Flughäfen Wasserstofftankstellen aufzubauen, die dann entlang wichtiger Transportrouten ausgebaut werden kann. Dort können dann die Megatrucks umweltfreundlicher Waren ausliefern.

Ein weiterer wichtiger Player ist der Zugverkehr. Auch dort gibt es global schon Beispiele für Wasserstoffzüge, zum Beispiel vom französischen Zughersteller Alstom. Nun will Toyota auch dort seine für PKWs entwickelte Brennstoffzellentechnik zweitverwerten, um global einer der Marktführer in einem möglichen Wachstumsmarkt zu werden.

Mit dem Zughersteller Hitachi will der Autobauer einen kleinen hybriden Versuchszug bauen, der wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen und Speicherbatterien als Stromquelle verwendet. Hitachi wird dabei den Zug samt Batterietechnik liefern, Toyota die Technologien, die durch die Entwicklung des Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugs Mirai und des SORA-Brennstoffzellenbusses erworben wurden.

Der Prototyp soll zwei Wagons umfassen, eine typische Konfiguration für kleine ländliche Bahnlinien in Japan. Unter einem Wagen wird dann die Batterie angebracht, unter dem anderen die Brennstoffzelle und die Wasserstofftanks.

Ab März 2022 sollen sie auf zwei Strecken der Bahngesellschaft JR East südlich von Tokio getestet werden. Das wachsende Interesse aus Japan ist ein gutes Zeichen für die Befürworter der Wasserstoffwirtschaft.

(bsc)