Post aus Japan: Zwischen sicherer Bank und KI

Die News auf Sonys Strategiekonferenz war die Übernahme der Sony Finanzholding. Doch die größere Zukunft hat ein Mini-Produkt, ein smarter Bildsensor.

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Sony rüstet sich für den schärferen Wettbewerb im Cloud-Gaming.

(Bild: dpa, -/kyodo/dpa)

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Sonys Strategiekonferenz fing mit 40 Minuten Verspätung an. Dahinter steckte die für den japanischen Elektronikriesen größte News des Tages, die vollständige Übernahme der bisher börsennotierten Sony Finanzholding. Die Anmeldungen hätten länger gedauert als geplant, begründete Konzernchef Kenichiro Yoshida die Wartezeit. Aber was machen ein paar Minuten aus, wenn es um eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen des Konzerns in Zeiten der Coronakrise geht.

Das Sonys Bank und Versicherungen auf einmal im Fokus bei einem der bekanntesten Elektronik- und Technikkonzerne der Welt im Fokus stehen und nicht Technologie, mag vielleicht auf den ersten Blick verwundern. Aber in einer Zeit, in der erst der Konsum und nun Arbeitsplätze weltweit in Rekordtempo schwinden, wird für Unternehmen ein anderer Faktor wichtiger als reine Innovationskraft: finanzielle Stabilität, um künftig überhaupt innovativ sein zu können. Und Sony will sich nun mit der Übernahme der Finanzholding besser absichern. Denn die Coronakrise wird Sonys Gewinn um mindestens 30 Prozent drücken, sagte der Konzern vorige Woche in seiner Jahresbilanz voraus.

Die Einverleibung des Finanzgeschäfts ist naheliegend, wenn man einmal auf Sonys eigene Krise zurückblickt. Vor wenigen Jahren, als der Konzern von Verlust zu Verlust eilte, wirkten die heimische Onlinebank und -versicherungen mit ihren stabilen Gewinnen bereits wie eine Lebensversicherung. Aktienanalysten schlugen damals sogar vor, Sony eher wie ein Finanzinstitut zu bewerten und nicht wie einen Technikkonzern.

Durch die Übernahme der ausstehenden 35 Prozent der Aktien an der Finanzholding und das folgende Delisting von der Börse will Sony den finanziellen Nutzen der eigenen Finanzinstitute nun noch erhöhen. Der Reingewinn würde durch diesen Schritt pro Jahr um 40 bis 50 Milliarden Yen (340 bis 420 Millionen Euro) steigen, versicherte Yoshida. Denn zum einen muss Sony nicht mehr Gewinne an andere Aktionäre abtreten, zum anderen steigen die steuerlichen Gestaltungsspielräume.

Außerdem hofft der Konzern, seine wachsende Expertise in einem anderen Feld besser in den Finanzinstituten nutzen zu können, wenn die nun fest zur Sony-Gruppe gehören: Sony investiert wie viele andere Konzerne massiv in künstliche Intelligenz (KI) und Sensorik, die teilweise auch schon für Finanzprodukte wie Autoversicherungen eingesetzt werden.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Auf der amerikanischen Elektronikmesse CES stellte Sony beispielsweise ein selbstfahrendes Elektroauto vor, das Sonys wachsendes Sensorarray und Fähigkeiten der Datenauswertung demonstrierte. Vorige Woche stellte Sony die nächste Hardware für die nächste Evolutionsstufe von KI vor: einen Bildsensor, der dank auf dem verbundenen Logikchip eingebauter KI selbst Bilder erkennen kann, ohne Daten zuerst in die Cloud oder einen nachgeschalteten Prozessor (wie bei einigen Smartphones) übertragen zu müssen.

Dies ist ein wichtiger Schritt für das sogenannte Edge-Computing, bei dem ein wichtiger Teil der Rechenoperationen bereits beim Sensor (also an der Kante zwischen digitaler und realer Welt) stattfindet. Damit müssen nicht nur weniger Daten übertragen werden. Zudem wird die Datenverarbeitung beschleunigt und der Schutz der Daten verbessert.

Sonys Chip ist mit einer Bildauflösung von 12,3 Megapixeln dabei zuerst für unternehmerische Anwendungen gedacht. Die von der KI aus Fotos oder Videos extrahierten Informationen werden als Metadaten ausgegeben oder in vielen, vom Nutzer wählbaren Formaten und Ausschnitten.

Außerdem soll das System hochpräsize Verfolgung von Objekten oder Personen in Videos erlauben. Als Beispiele für Anwendungen stellt Sony Zugangskontrolle, Menschenzählung, Bestandserfassung am Supermarktregal, Wärmebildkartierung oder Heatmaps zur Erfassung von Kundenströmen in Geschäften vor.

Am Dienstag folgte der nächste Coup: Sony und Microsoft dehnten ihre Zusammenarbeit auf den neuen Chip aus, der nun die Fähigkeiten von Microsofts Cloud-Computing-Plattform Azure mitnutzen kann. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen nun Anwendungen entwickeln. Und wer weiß, vielleicht erweitert der neue Chip ja auch bald die Funktionen von Smartphones und Kameras.

(bsc)