Post aus Norwegen: Bezahlen für Shoutouts und Follows

An Schulen in Skandinavien setzt sich ein ungewöhnlicher Trend durch: Jugendliche bezahlen andere, populärere Jugendliche, damit die ihnen auf Instagram & Co. ein besseres Image verschaffen.

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Image ist alles.

(Bild: dpa, Tobias Hase)

Von
  • Ben Schwan

Früher war es relativ einfach, auf dem Schulhof zu punkten. Man brauchte ein cooles Outfit, die passenden Turnschuhe, eine hippe Frisur und eine ausreichend große Klappe. Später dann mussten Teenager und Tweener mit dem richtigen Mobiltelefon ankommen, das Status versprach.

Post aus Norwegen

Norwegen ist ein Paradoxon: Die größte Öl- und Gasnation Europas ist gleichzeitig Klimaschoner Nummer Eins bei Stromerzeugung und Autoverkehr. An dieser Stelle berichtet Ben Schwan über Innovationen aus dem Land der Fjorde – und seine Eigenarten.

Doch inzwischen zählt etwas ganz anderes, um unter Jugendlichen wirklich populär zu sein: Kredibilität in sozialen Medien, Follower-Zahlen oder YouTube- und TikTok-Abonnenten. In Norwegen, wo digitale Technik schon immer frühzeitig von der Bevölkerung umarmt wurde, hat der Trend nun zu neuen Geschäftsmodellen geführt. Diese werden nicht etwa von cleveren Start-ups umgesetzt, sondern von den Betroffenen selbst: Den jungen Menschen.

Sind diese in sozialen Medien besonders populär, versuchen sie mittlerweile, direkt von diesem Wert zu profitieren. Dabei geht es nicht um übliche Wege wie etwa das Einwerben von Sponsoren für Instagram-Profile oder Snapchat-Stories – dafür sind sie oftmals noch zu klein. Stattdessen wird versucht, Social-Media-Erfolg an andere, weniger populäre Jugendliche zu veräußern.

So berichtet der norwegische Senderverbund "NRK" von einem jungen Mann aus Oslo, der sich von einem 13jährigen aus Bergen 200 Kronen, also um die 20 Euro, für einen einzigen sogenannten Shoutout auf Instagram bezahlen ließ. Dabei wurde der Teenager von dem älteren, der immerhin 20.000 Follower versammeln konnte, in seinem Feed bloß nur kurz erwähnt. Sinn der Übung: Durch die Nennung sollte der Jüngere selbst mehr Follower bekommen.

Die Bezahlung erfolgte über den in Norwegen beliebten Smartphone-Bezahldienst Vipps, womit man schnell kleinere bis mittlere Summen von Handy zu Handy überweisen kann. Die Banken, die hinter dem Dienst stecken, haben die junge Zielgruppe als attraktiven Markt entdeckt und eine Version der App kreiert, die Eltern Zugriff auf die Transaktionen der lieben Kleinen gibt – und diese einschränken kann. Trotzdem fallen viele von ihnen aus allen Wolken, wofür der Nachwuchs sein Taschengeld ausgibt.

In anderen Städten lassen sich populäre Mädchen von Jungen bezahlen, damit sie sie ebenfalls erwähnen. Zum Teil kommt es zu richtiggehenden Versteigerungen, in denen für Shoutouts, Follows oder Erwähnungen in Stories der meistbietende "gewinnt". Bei all dem geht es darum, den eigenen Status im Freundeskreis zu erhöhen, der selbst wiederum den ganzen Tag lang auf Social Media unterwegs ist.

Für Jugendliche ist die eigene SM-Betreuung mittlerweile ein Zweitjob neben der Schule. Wird auf neue Fotos und Stories vom Freundeskreis nicht sofort geantwortet, macht sich Nervosität und Angst breit, etwas Falsches geschrieben oder gepostet zu haben. Unter den Jugendlichen wird erwartet, dass eine bestimmte Anzahl von Antworten auf Instagram-Bilder erfolgt – ist dem nicht so, wird man sauer oder ist deprimiert.

Das Kaufen von Likes und Followern ist keine neue Entwicklung, findet allerdings eher in älteren Zielgruppen statt. Immer wieder gibt es Berichte, laut denen auch bekannte Social-Media-Persönlichkeiten oder sogar prominente Marken ihre Profile durch Spezialfirmen aufhübschen lassen.

In Norwegen interessieren sich mittlerweile die Verbraucherschutzbehörden für den Trend. Sollte ein Influencer Kinder direkt dazu auffordern, für Shoutouts Geld zu bezahlen, könnte dies illegal sein. Und der Bezahldienst Vipps könnte ebenfalls Probleme bekommen.

(bsc)