Post aus Norwegen: Gut kommunizieren in der Krise

Wie bringt man den Menschen nahe, wie sie sich am besten in einer Pandemie verhalten? Osloer Forscher haben sich die aktuelle Krisenkommunikation angesehen.

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Die norwegische Regierungschefin mit adäquatem Corona-Abstand.

(Bild: Norwegische Regierung)

Von
  • Ben Schwan

Panik schafft Aufmerksamkeit, aber auch Chaos. Während Regierungen erstere bei einer Bedrohung wie dem neuen Coronavirus sicherstellen müssen, gilt es Unruhen um jeden Preis zu vermeiden. Balance ist der Schlüssel zu einer konstruktiven und vertrauenswürdigen Kommunikation, die am ehesten aus der Krise leitet. Das sieht auch Harald Hornmoen so, Sozialwissenschaftler am Institut für Publizistik und Medienwissenschaften der Oslo Metropolitan University (OsloMet). Er stellt interessante Veränderung in der internationalen Krisenkommunikation fest.

Allein in den letzten 20 Jahren mussten Regierungen und Medien schwere Gesundheitskrisen an die Bevölkerung vermitteln, darunter SARS, H1N1 und Ebola. Hornmoen untersuchte, wie Norwegen und andere Länder den Ebola-Ausbruch im Jahr 2014/15 kommunizierten, auch die politischen Ansprachen und Berichterstattungen zur Schweinegrippe, ausgelöst durch das H1N1-Virus, analysierte er. Die damaligen Berichterstattungen seien häufig eindimensional gewesen, so der Befund. Das habe sich bei Corona vergleichsweise deutlich verbessert: "Damals gab es in den Medien nur wenig Raum für kritische Perspektiven", sagt er.

Die Sichtweise von Laien sei kaum einbezogen worden. "Jetzt sieht es so aus, als habe es eine Verschiebung gegeben zugunsten einer ausgewogeneren Kommunikationsweise", so Hornmoen. Die norwegische und internationale Presse versorge die Öffentlichkeit mit spezifischen Informationen zu den Gesundheitsrisiken des Virus und thematisiere die vielseitigen Konsequenzen des Lockdowns. Auch Unsicherheiten und Unwissen seitens der Entscheidungsträger würden offener zugegeben, während Mainstream-Medien kritischer hinterfragten und unterschiedlichen, wissenschaftlichen Stimmen eine Plattform böten.

Krisentypisch liegt der mediale Fokus häufig auf Angstmache, das belegen auch Hornmoens Untersuchungen zur H1N1-Berichterstattung. Die Studie beschreibt die journalistische Herausforderung, der Schreckensschlagzeile zu widerstehen – auch, wenn die typischerweise hilft, Artikel zu verkaufen. Während der Schweinegrippe wurde das Worst-Case-Szenario, also die schlimmstmögliche Entwicklung, noch häufig betont. Das habe sich bedeutend verändert. "Für die COVID-19-Berichterstattung trifft das zwar gewissermaßen auch zu, aber mit einer etwas nüchternen Sprache und einer größeren Palette an möglichen Szenarien. Die Medienberichterstattung und die Botschaften der Gesundheitsbehörden waren bislang alarmierend, aber nicht alarmistisch", erklärt Hornmoen.

Was rät der Experte? Idealerweise sollte die Bedrohung der Pandemie in klar verständlicher Sprache ernsthaft vermittelt werden. So würden Menschen zu den notwendigen Maßnahmen bewegt werden, wie etwa Social Distancing und das Tragen von Masken. Hornmoen empfiehlt außerdem, ehrlich zu bleiben, schwierige Entscheidungen transparent zu besprechen und verschiedene Szenarien stets realistisch zu thematisieren. Es müsse deutlich werden, dass Entscheidungsträger alles unternehmen, um den schlimmstmöglichen Ausgang zu verhindern.

Post aus Norwegen

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(bsc)