Präzises Operieren für 500 Dollar

Robotersysteme können bestimmte Eingriffe genauer vornehmen als Menschen, doch sie sind sehr teuer. Zwei Professoren haben jetzt eine einfache und preisgünstigere Alternative entwickelt.

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Von
  • Emily Mullin
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Forscher an der University of Michigan haben ein nur 500 Dollar teures Gerät entwickelt, das die bislang genutzten Werkzeuge für minimal invasive Chirurgie verbessert. Es könnte Chirurgen in kleinen und abgelegenen Krankenhäusern dabei helfen, bestimmte präzise Eingriffe vorzunehmen, für die derzeit zwei Millionen Dollar teure Robotersysteme in großen Medizinzentren verwendet werden.

Das Gerät, das von FlexDex Surgical kommerzialisiert wird, ist ein Handinstrument für kleine Einschnitte in den Körper und das Vernähen von Wunden. Es wird am Arm des Chirurgen befestigt und hat seinen Drehpunkt dort, wo sich das Handgelenk befindet, so dass es wie eine Verlängerung seines Armes funktioniert. Erstmals wurde es für eine Bauchoperation am Health System der University of Michigan eingesetzt. Laut seinen Erfindern eignet es sich auch für andere Operationen wie Leistenbruch-Reparaturen, Hysterektomien oder Prostata-Entfernungen.

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Entwickelt wurde das roboterartige Gerät von zwei Professoren an der Universität: Jim Geiger, einem Kinderchirurgen, und Shorya Awtar, einem Maschinenbauer. Es kommt ohne Motor und Computerchip aus. Laut den Erfindern kann es viele der Aufgaben übernehmen, die der Roboter Da Vinci, hergestellt von Intuitive Surgical, beherrscht.

Roboterchirurgie ist eine modernere Form der minimal invasiven Chirurgie, auch als Laparoskopie bezeichnet. Kleinere Schnitte bedeuten, dass die Wunden häufig schneller und mit wenigen Schmerzen verheilen. Traditionelle Laparoskopie-Werkzeuge aber schränken die Bewegungsfreiheit von Chirurgen ein. Außerdem sind sie schwer zu benutzen, weil sie sich in der entgegengesetzten Richtung zur Hand des Verwenders bewegen.

Das Da-Vinci-System wurde entwickelt, um diese Probleme zu lösen. Wie dieses bewegt sich die Spitze des FlexDex-Instruments in dieselbe Richtung wie der Arm des Operateurs, was ihm mehr Genauigkeit und Geschicklichkeit verleiht.

Da Vinci ist das einzige von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassene System für Roboterchirurgie, doch mit zwei Millionen Dollar ist es zu teuer für kleinere Krankenhäuser oder solche in Entwicklungsländern. Weltweit hat Intuitive Surgical bislang 3.803 seiner Roboter installiert, davon 2501 in den USA und 644 in Europa, wie der Website zu entnehmen ist.

Peter Janu, Chirurg beim Affinity Health System im ländlichen US-Bundesstaat Wisconsin, hat nach eigenen Angaben vor, das FlexDex-Gerät zu verwenden. Er arbeitet teils in einem größeren Gemeindekrankenhaus mit einem Da-Vinci-Roboter und teils in einem kleinen Medizinzentrum mit 25 Betten, das keinen Roboter hat. Wie Janu sagt, will er das neue Hand-Gerät für bestimmte Eingriffe nutzen, die er bislang mit konventionellen Laparoskopie-Werkzeugen erledigt hat.

Awtar und Geiger gehen nicht davon aus, dass ihr Gerät vorhandene Da-Vinci-Systeme aus Krankenhäusern und Kliniken verdrängen wird. Aber es soll minimal invasive Chirurgie in Teile der Welt bringen, in denen viele Operationen immer noch auf traditionelle Weise vorgenommen werden. "Ich glaube nicht, dass Roboterchirurgie keine Zukunft hat. Aber bei vielen Operationen braucht man einfach nicht alles, was der Roboter kann", erklärt Geiger.

(sma)