Preissturz bei Sonnenkollektoren?

Die Silizium-Knappheit, die unter anderem dafür sorgte, dass Solartechnik in den letzten Jahren so teuer war, könnte bald enden.

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Von
  • Kevin Bullis

Industrieanalysten sagen deutlich sinkende Marktpreise bei Solaranlagen voraus. Der Grund: Die Knappheit bei dem in den Kollektoren verwendeten Rohstoff Silizium soll sehr bald beendet sein. Dies könnte zu einem kräftigen Preisrückgang in den nächsten Jahren führen und die Sonnenenergie endlich vergleichbar günstig wie Strom aus klassischen fossilen Energieträgern machen.

Die hohe Nachfrage nach Solartechnologie, die auch durch hohe Subventionen in zahlreichen Ländern beflügelt wurde, traf in den vergangenen Jahren auf einen nur eingeschränkten Output an verarbeitetem Silizium. Das Resultat: Noch ist Solarstrom etwa in den USA drei Mal teurer als Energie aus konventioneller Quelle, wie das Marktforschungsunternehmen Solarbuzz im Auftrag des US-Energieministeriums ermittelt hat. Und die Kosten nahmen sogar noch zu: Anfang des Jahrhunderts lag der Preis bei 4 Dollar pro Watt. Aufgrund der Silizium-Knappheit, die 2005 begann, sind die Preise inzwischen bei mehr als 4 Dollar 80 gelandet.

Kristallines Silizium ist seit langem der Motor der Halbleiterindustrie. Das Material ist aber auch die aktive Komponente in den meisten Sonnenkollektoren und die zunehmende Nutzung des Solarstroms führte zu einer Verknappung. Das Wachstum der Silizium-Produktion konnte dementsprechend nicht mit dem Boom bei der Sonnenenergie Schritt halten. "Es dauert rund zwei bis drei Jahre, bis zusätzliche Kapazität geschaffen werden können", meint Travis Bradford, Industrieanalyst beim Fachinstitut Prometheus. Die Verknappung war groß genug, um den Silizium-Preis auf das Zehnfache des Normalniveaus zu bringen – 450 Dollar pro Kilogramm, wie Ted Sullivan, Branchenbeobachter bei Lux Research, sagt.

Die in den letzten Jahren aufgebauten, neuen Produktionskapazitäten sollen nun bald nutzbar sein. Während 2005 nur 15.000 Tonnen Silizium für die Verwendung in Solarzellen verfügbar waren, wird diese Zahl bis 2010 auf 123.000 Tonnen steigen, wie Sullivan glaubt. Das dürfte den bestehenden und noch im Aufbau befindlichen Sonnenkollektorfabriken genügend Rohmaterial liefern, um die Nachfrage sicherzustellen. "Praktisch heißt das, dass der Preis für Solarmodule in den nächsten zwei oder drei Jahren dramatisch sinken dürfte", sagt Bradford.

Aber nicht alle Experten glauben, dass es soweit kommt. Laut einem Untersuchung von Michael Rogol, Analyst bei Photon Consulting, wird die Nachfrage nach Sonnenkollektoren selbst bei geringen Preisreduktionen in Reaktion schnell weiter anziehen. So rechnet Rogol nur mit einer Verbilligung von unterm Strich 20 Prozent zwischen 2007 und 2010. Es könnte aber auch sein, dass die dann kostengünstigere Technologie nicht gleich reißenden Absatz findet – zumindest in bestimmten Märkten wie Deutschland oder Spanien, wo der Staat die Nachfrage dank Förderprogrammen kräftig anheizte. Solche Märkte haben eine natürliche Wachstumsgrenze, meinen Experten.

Egal wie es auf der Nachfrageseite auch aussehen wird – Bradford vom Prometheus Institute ist sich sicher, dass sich die Produktion der Sonnenkollektoren mindestens die nächsten Jahre über alle 12 Monate verdoppeln wird. In einer aktuellen Präsentation sagte er Preissenkungen um bis zu 50 Prozent zwischen 2006 und 2010 voraus. In Gebieten, in denen es viel Sonne gibt, würde das zu Solarstromkosten von 10 US-Cent pro Kilowattstunde führen, was dem Durchschnittspreis der regulären Energieversorgung in den Vereinigten Staaten entspricht. Das macht die Sonnenkraft preiswert und könnte den Markt enorm vergrößern. "Man kann sich noch kaum vorstellen, was das für einen Wandel auslösen würde", meint er. (bsc)