Probefahrt mit dem künftigen 4er BMW

Der BMW 4er soll sich künftig vor allem fahrdynamisch deutlich vom 3er unterscheiden. Wie sich das anfühlt, zeigte eine erste Testfahrt mit einem Vorserienauto.

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Probefahrt mit dem kommenden 4er BMW

BMWs 4er-Reihe soll bald noch mehr Fahrdynamik bieten. Die Probefahrt stimmt optimistisch.

(Bild: BMW)

Von
  • Wolfgang Gomoll

Mit dem 5er gehört der 3er zu den Kern-Modellreihen bei BMW. Der 4er sollte dann Coupé und Cabrio von Limousine und Kombi absetzen. Doch irgendwann verschwammen die Grenzen wieder: Die Limousine wurde immer coupéhafter und dynamischer. Mit dem neuen 4er sollen sich die Baureihen wieder deutlicher unterscheiden. Präziser und schärfer soll der Zweitürer sein – sowohl fahrdynamisch, als auch optisch.

Dazu legt BMW den 4er um 57 Millimeter tiefer als den 3er, die Spurweite hinten wächst um 23 Millimeter und der Schwerpunkt wandert um 21 Millimeter nach unten. Das ist die Basis für eine bessere Querdynamik. Der andere Faktor ist eine steifere Karosserie für ein transparenteres Handling. Dazu dienen zusätzliche Verstrebungen im Vorderwagen und an der Hinterachse. Den höheren Kurvengeschwindigkeiten trägt ein erhöhter Sturz an der Vorderachse Rechnung.

BMW 4er Prototyp (10 Bilder)

Der BMW 4er soll sich fahrdynamisch deutlicher vom 3er unterscheiden.

Zudem reduzierte BMW den Auftrieb des Hecks und baute beim Coupé mit konventionellem Fahrwerk auch an der Hinterachse hubabhängige Stoßdämpfer ein. Dank eines sogenannten hydraulischen Anschlags wächst dort mit zunehmendem Hub der Widerstand zugseitig. Hinten steigt die Dämpfkraft auf der Druckseite. Mit diesen Maßnahmen soll der Wagen vor allem das Aufschaukeln bei abrupten Richtungsänderungen vermindern und stabiler bleiben. Die Überdämfung im mittleren Bereich dagegen wird so verhindert, die Federung kann in ihrem Hauptarbeitsbereich weiterhin sensibel ansprechen. Das verbessert das Abtastverhalten und damit die Haftung.

Damit einher geht auch eine neue Abstimmung der Software und der Fahrmodi. Sie sollen dem Fahrer auf Wunsch mehr Freiheiten lassen. Diese Unterscheidung zum 3er sei durch ein gewachsenes Verständnis des gesamten Autos möglich geworden, die auch durch aufwendige Simulationen erreicht wurde, sagt man bei BMW.

Gewöhnungsbedürftig sind die neuen, sichelförmigen Anzeigen im virtuellen Cockpit – der Rest ist noch verborgen unter der Tarnung. Die Sitzposition ist schnell gefunden. Sie bietet auch großgewachsenen Fahrern haben genug Kopf- und Beinfreiheit. Zunächst probieren wir den 430i mit 190 kW / 258 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm. Auch wenn wir uns immer noch nicht ganz an die Tatsache gewöhnen können, dass hinter der Ziffer „30“ mittlerweile bei BMW ein Vierzylinder steckt, überzeugt dieses Auto. Das Stahlfahrwerk ist ausgewogen abgestimmt und der Motor macht das Beste aus seinen Möglichkeiten. Man hat nie das Gefühl untermotorisiert zu sein, doch die ganz große Stärke des 430i liegt im Kurventanz, bei dem sich die rund 200 Kilogramm weniger Gewicht gegenüber dem M 440i xDrive bemerkbar machen.

Vor allem beim Einlenken geht die Vorderachse leichter in die Kurve. Der Hinterradantrieb benimmt sich immer manierlich. Das liegt auch an dem Sperrdifferenzial, das beim 430i Option und beim M 440i Serie ist. Ein Lob für die elektromechanische Lenkung, bei der BMW von dem Irrglauben, dass hohe Rückstellkräfte mit Sportlichkeit gleichzusetzen sind, abgerückt ist. Sie gibt eindeutige Rückmeldung über Straßen- sowie Traktionszustand und setzt jeden Richtungsbefehl des Fahrers pflichtbewusst um, ohne dabei schon aus der Mittellage zu nervös anzusprechen.

Der M 440i xDrive ist schon leistungsmäßig ein anderes Kaliber: Die 275 kW des Reihensechszylinders werden von einem 8 kW-Elektromotor im Rahmen der milden 48 Volt-Hybridisierung unterstützt. Die E-Power wird nicht nur zur Unterstützung beim Beschleunigen genutzt, sondern halten den Zug auch beim Fahrstufenwechsel der Achtgangautomatik aufrecht. Schon nach wenigen Kilometern erfreut man sich an der herzhaften Kraft des M 440i, das Traktionsplus des Allradantriebs und dem kernigen Klang des Motors. In Kurven, und vor allem am Eingang, fällt allerdings das zusätzliche Gewicht des M 440i xDrive auf. Davon abgesehen zieht das Coupé auch dank des Fahrwerks mit den adaptiven Dämpfern souverän seine Bahn und macht genau das, was sich der Fahrer wünscht. Genau so, wie es im Lastenheft definiert wurde.

Wenn alles glatt läuft, soll das 4er Coupé im vierten Quartal dieses Jahres beim Händler stehen.

(fpi)