Probleme bei VW: Vertrauensleute der IG Metall „massiv besorgt”

Die Gewerkschaftler empfinden den Kurs der Firmenleitung angesichts der Probleme bei Technik und Marketing inzwischen als so erratisch, dass sie Alarm schlagen.

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Probleme bei VW: Vertrauensleute der IG Metall „massiv besorgt”

VW-Chef Diess (links) kämpft gerade mit diversen Anlaufproblemen beim VW Golf und dem VW ID.3 (rechts). Die Gewerkschaft findet, man sollte geschickter kommunizieren.

(Bild: Volkswagen)

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  • dpa

Die einflussreichen obersten Vertrauensleute der IG Metall bei Volkswagen gehen die Konzernspitze wegen des öffentlichen Eindrucks durch sich häufende Probleme offen an. Man sei „zunehmend massiv besorgt über die vielen vom Vorstand zu verantwortenden negativen Presseberichte über unser Unternehmen”, hieß es am Donnerstag (28. Mai 2020) auf der Internet-Seite der Gewerkschaft bei VW. „Dieses schlechte Bild in der Öffentlichkeit zerstört das über Jahrzehnte gewachsene Kundenvertrauen und gefährdet so unsere Arbeitsplätze.”

Die Vertrauenskörper-Leitungen der deutschen VW-Werke, die eine Art Scharnier zwischen dem Betriebsrat und den in der IG Metall organisierten Belegschaftsmitgliedern sind, nannten das von vielen als rassistisch empfundene Werbevideo auf Instagram und die Anlaufprobleme beim VW Golf 8 oder dem Elektroauto VW ID.3 als Beispiele. „Für uns ist das Maß inzwischen unerträglich”, erklärten sie. „Mittlerweile ist ein Zustand erreicht, in dem sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen für ihren Arbeitgeber schämen und ihn teilweise sogar verleugnen.”

Der Umgang mit solchen Themen sei kommunikativ ein „Desaster”. Es gebe „eine ganze Kette von Managementfehlern, die uns viel Geld kosten, unsere Imagewerte weiter nach unten ziehen und die bei den Beschäftigten den Eindruck hinterlassen, dass dem aktuellen Vorstand von Volkswagen die Dinge zunehmend entgleiten”.

Die Führung wurde aufgefordert, nun klar Stellung zu beziehen: „Wer von Ihnen trägt hier die Verantwortung dafür, dass wir Technik und Marketing wieder in den Griff bekommen? Wer übernimmt die Verantwortung für das Produktdesaster unserer aktuellen Modellpalette?”

Am Nachmittag trafen sich die Mitglieder des VW-Aufsichtsrats in Wolfsburg. Dabei sollte es dem Vernehmen nach auch um die anhaltenden Probleme beim VW Golf 8 gehen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte zu dem heftig umstrittenen Werbevideo gesagt: „Dieses Thema wird sicher noch ein Nachspiel in den Gremien haben.”

Die IG-Metall-Vertrauensleute erklärten: „Wir fürchten um den Kern unserer DNA, wonach Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung gleichrangige Unternehmensziele sind.” Die aktuelle Generation des Golf mit ihren Software-Probleme „versagt auf ganzer Linie”.

(fpi)