Prognosen: Das Roulette-System, das funktioniert

Mit einem selbst gebauten Minicomputer konnte ein US-Physiker den Lauf der Roulette­kugel vorhersagen – und überlistete die Bank.

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(Bild: Shutterstock)

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Steif wie ein Storch stakste James D. Farmer ins „Golden Gate Casino“ in Las Vegas. Ungelenk nahm er am Roulettetisch Platz. Die ausgehöhlten Kreppsohlen seiner Halbschuhe waren mit Chips und Elektronik gefüllt und sein Körper mit Drähten behängt.

So ausstaffiert, wagte der US-Physiker eine raffiniert ausgeklügelte Casino-Abzocke, die Thomas Bass in seinem Buch „The Newtonian Casino“ beschreibt. Farmer errechnete die Roulette-Wahrscheinlichkeiten gut genug, um an diesem 10. Januar 1978 die Bank zu knacken – mit dem ersten tragbaren Computer der Welt. Dieser Kleinstrechner, den er selbst gebaut hatte, trug maßgeblich zum „Wearable Computing“ bei: den Fitnessmessuhren und anderen Gadgets mit Mini-PC.

Mit jugendlicher Unverfrorenheit hatte sich der 28-jährige Wissenschaftler von der University of California Ende der 1970er-Jahre an ein Problem herangewagt, das als unlösbar galt: Wie lässt sich beim Roulette eine Siegesserie erreichen? Seit es das Roulettespiel gibt, also seit etwa 200 Jahren, wollen Spieler den Zufall zähmen. Doch Versuche, hinter den Gewinnzahlen „Systeme“ oder „Regelmäßigkeiten“ zu erkennen, sind zum Scheitern verurteilt. Die Bank gewinnt immer, weil sie maximal den 35-fachen Gewinn ausschüttet, es aber 37 Felder gibt – bei der amerikanischen Variante sogar 38. Die Mathematik der Wahrscheinlichkeitsrechnung sagt klipp und klar: Es gibt keine mathematische Methode, das Roulette zu schlagen.

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