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RISC-V: Das Potenzial der offenen Prozessorarchitektur

RISC-V steckt erst in wenigen Chips. Die Architektur eignet sich aber sowohl für Mikrocontroller als auch Supercomputer gut und verspricht mehr Sicherheit.

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(Bild: Albert Hulm)

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Das Interesse an RISC-V vereint so unterschiedliche Firmen und Institutionen wie Google, russische Waffenhersteller, die NSA, den chinesischen Geheimdienst, Blockchain-Chiphersteller, unterfinanzierte Unis und europäische Supercomputer-Forscher. Manche wollen Lizenzgebühren sparen, andere neuartige Prozessortechnik entwickeln, wieder andere suchen sichere Chips ohne Hintertüren. RISC-V verspricht, solche Anforderungen zu erfüllen und wird von CPU-Experten heiß diskutiert – obwohl es bisher erst sehr wenige RISC-V-Chips gibt. Der folgende Überblick zeigt, was die RISC-V-Technik so attraktiv macht und wo sie zum Einsatz kommen soll.

Anders als viele etablierte Prozessorfamilien ist RISC-V nicht für einen typischen Einsatzbereich optimiert – also etwa nur für große Server oder für winzige Mikrocontroller –, sondern extrem flexibel. Die einfachste 32-Bit-Implentierung RV32I kann mit wenigen Milliwatt auskommen für einen hochsicheren Smartcard-Controller, während die stärksten 64-Bit-Versionen in KI-Rechenbeschleunigern für Supercomputer stecken sollen. Außerdem lässt sich RISC-V besonders leicht erweitern und hat ein geschickt gewähltes Lizenzmodell auch für den kommerziellen Einsatz. Deshalb sind extrem finanzstarke Firmen auf den RISC-V-Zug aufgesprungen und geben ihm mächtig Schub: Cloud-Giganten wie Amazon, Google, Facebook, Microsoft und Alibaba entwickeln eigene Spezialchips. Sie können sich hochkarätige Entwicklerteams leisten, die rasch Resultate liefern.

Auch staatlich finanzierte Forscherteams aus Ländern wie China, Russland und Indien mischen bei RISC-V kräftig mit. Diese Länder wollen ihre Abhängigkeit von westlicher Chip-Technik reduzieren: einerseits aus wirtschaftlichen Gründen, andererseits um Hintertüren fremder Geheimdienste zu entgehen. Letzteres macht RISC-V aber auch für westliche Geheimdienste sowie den Einsatz in kritischen Infrastrukturen (KRITIS) und Waffensystemen interessant. Die potenziell höhere Sicherheit eines komplett offengelegten und somit "verifizierbaren" Chips ist zudem für Banken, Fintech-Firmen und die Entwickler von Blockchain-Hardware attraktiv.

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