Raumfahrt: Ab 2023 sollen Raketen von der Nordsee ins All starten

Vom nördlichsten deutschen Seegebiet aus könnten künftig Raketen starten, die Satelliten auf polare und sonnensynchrone Umlaufbahnen bringen.

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(Bild: GOSA)

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  • Arne Grävemeyer
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Der einzige europäische Raumflughafen liegt derzeit in Kourou, Französisch Guayana, nahe am Äquator. Aber er soll nicht der einzige bleiben. Großbritannien, Norwegen, Schweden und Portugal planen den Aufbau europäischer Weltraumbahnhöfe für kleine und mittlere Trägerraketen. Mit einer neuartigen Technik mobiler Launch Pads auf der Nordsee will ein deutsches Konsortium schon in knapp zwei Jahren Weltraumstarts von deutschem Hoheitsgebiet aus anbieten.

Der dafür geplante und wahrscheinlich einzige umsetzbare deutsche Startplatz für Orbitalraketen liegt am äußersten Rand der ausschließlichen Wirtschaftszone der Bundesrepublik – weit nordwestlich in der Nordsee, etwa 400 Kilometer von Bremerhaven entfernt. Das Besondere: Die Raketenstarts sollen direkt vom Schiff aus erfolgen. Man will die bestehende Infrastruktur im Bereich des Industriehafens und bereits vorhandene Spezialschiffe nutzen, um schnell und kostengünstig Starts durchzuführen.

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"Wir verlagern den Weg der Rakete zur Startrampe", sagt Dr.-Ing. Andreas Stamminger von der OHB System AG, ein Systemhaus für Raumfahrt und Satellitentransporte und Partner des Konsortiums German Offshore Spaceport Alliance (GOSA). Das angestrebte Szenario sieht vor, dass die Raketenbauer ihre Microlauncher (bis etwa 150 Kilogramm Nutzlast) oder ihre Minilauncher (bis 500 oder sogar 1000 Kilogramm Nutzlast) in einer noch zu konstruierenden Launch Box installieren. Bereits an Land verbinden sie die Rakete horizontal mit der späteren Startrampe, bereiten die Versorgungsleitungen vor und integrieren die Nutzlast, in aller Regel Satelliten.