Reverse Engineering: Fallblattanzeige mit Arduino

Fallblattanzeigen sind aus Bahnhöfen verschwunden. Um die Technik mit einem Arduino zum Leben zu erwecken, machten wir uns auf eine Reverse-Engineering-Reise.

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Von
  • Jan Mahn
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Drrrrrrrrrrrrrrrrr. Bis Anfang der 2000er-Jahre signalisierte dieses Geräusch in Flughäfen und Bahnhöfen: "Es gibt Neuigkeiten. Schauen Sie mal besser nach oben auf die Anzeigetafel." In Zeiten, in denen Bildschirme mit vielen Metern Diagonale technisch nicht möglich oder unbezahlbar waren, wiesen sogenannte Fallblattanzeigen Reisenden den Weg zu Bahnsteig oder Gate. Das Prinzip: An einer waagerechten Achse hängen Kunststofftafeln mit Buchstaben, Zahlen und gängigen Sonderzeichen, in der Mitte halbiert, damit sie beim Drehen der Achse umklappen.

Jedes Zeichen ist eine Baugruppe mit eigenem Motor und einer Platine zur Ansteuerung. Eine große Anzeige in einer Bahnhofshalle bestand aus hunderten solcher Module, und wenn mal ein Zeichen klemmte, mussten Techniker mit der Hubarbeitsbühne ausrücken und das Modul ersetzen. Doch so schön das Geräusch der klappernden Tafeln auch war, Bahn und Flughafenbetreibern wurde die Wartung der mechanisch aufwendigen Geräte irgendwann zu teuer – aktuell hängen große Monitore in den Wartehallen und die Fallblattmodule landeten bei Eisenbahnfans, in Museen und immer wieder auch mit dem Hinweis "für Bastler" in Kleinanzeigenportalen.

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In einem solchen erstanden auch wir ein Zehnerpaket Fallblattmodule mit 60 Millimetern Zeichenhöhe, die vor langer Zeit bei der Deutschen Bahn im Einsatz waren; der aufgedruckte Hersteller ADtranz operiert schon seit Anfang der 2000er nicht mehr unter dem Namen und auf dem Motor fanden wir mit dem Aufdruck "1996" ein Indiz für das Baujahr. Jedes Modul enthält Großbuchstaben, Kleinbuchstaben, deutsche Umlaute und eine Handvoll Sonderzeichen sowie Leerzeichen. Ideen für nützliche oder originelle Bastel- und Programmierprojekte hatten wir genug – von einer einfachen Uhr über einen YouTube-Abonnenten-Zähler bis hin zum Terminkalender ist alles möglich, was mit 10 Stellen auskommt. Der zweite Teil des Projekts ist klassisches Bastelhandwerk: Ein Raspberry Pi könnte mit etwas Python-Code die Daten über ein API abrufen, eine zehn Zeichen lange Zeichenkette erzeugen und diese an unsere zehn Buchstaben schicken. Aber vor diese vertrauten Aufgaben hatte uns der Hersteller ein Reverse-Engineering-Rätsel gestellt, das uns zu einem interessanten Verfahren aus den Anfangstagen der digitalen Signalübertragung führte: dem Gray-Code, benannt nach dem Physiker Frank Gray.