Roboter sorgt für weniger Fisch-Stress

In der Zucht von Lachs und Co. wissen Farmer oft nicht, was unter Wasser passiert. Mit einer künstlichen Schildkröte soll sich das ändern.

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(Bild: Photo by Jannes Mingram on Unsplash)

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In der norwegischen Lachszucht geht es um Effizienz: Bis zu 200.000 der Lebewesen können in einer einzigen Fischfarm in einem einzigen Gehege schwimmen, das in Form eines gigantischen Netzes im Fjord hängt. Die Lachse befinden sich hier im Meerwasser und werden dort auch gefüttert. Diese Mengen an Tieren sorgen allerdings für verschiedene Probleme. So sind die Fische aufgrund der recht engen Verhältnisse oft aufgeregt und es kommt immer wieder zu Löchern im Netz, was ein Entkommen der Tiere ermöglichst – was wiederum die Naturlachsbestände gefährdet, die es in vielen norwegischen Flüssen noch gibt.

Deshalb müssen die Fischzuchtanlagen regelmäßig kontrolliert werden, was entweder durch fest installierte Kameras, Unterwasserfahrzeuge oder aber Taucher erfolgt. Die letzteren zwei Servicewege erweisen sich für das Wohlbefinden der Lachse allerdings als nicht förderlich: Sowohl Mensch als auch Maschine stressen die Tiere, sie schwimmen unruhig und versuchen zu fliehen. Das wiederum kann zu schlechterer Fleischqualität oder gar Todesfällen führen.

Forscher der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) in Trondheim wollen die Kontrollen und Serviceeinsätze nun mit ferngesteuerten Robotern schonender gestalten. Dazu haben sie umfangreiche tierpsychologische Experimente durchgeführt. Die Wissenschaftler vom Department of Engineering Cybernetics arbeiten bei dem Projekt mit der Technischen Universität Tallinn in Estland und der größten skandinavischen Forschungsorganisation SINTEF zusammen.

(Bild: NTNU)

Die Geräte hören auf den Namen U-CAT und waren in Tallinn ursprünglich für Unterwasserarchäologie entwickelt worden. Sie sollten Schiffswracks untersuchen und sind daher besonders klein und manövrierfähig. Auf den ersten Blick sehen die U-CATs aus wie eine Schildkröte – und sie bewegen sich auch wie ihre natürlichen Vorbilder: Vier Paddel sorgen für Vor-, Auf- und Abtrieb, eine Schiffschraube oder eine Turbine sind nicht notwendig.

Eine aufmontierte Kamera ermöglicht den U-CAT-Nutzern einen Blick auf das Livebild und ihren Rechnern eine computergestützte Bildanalysen. Damit lassen sich Löcher im Netz oder kranke Tiere schneller erkennen, aber auch andere Probleme im täglichen Betrieb. Eine regelmäßige Roboterüberprüfung bringt viele Vorteile: Wissen die Farmer besser Bescheid über den Zustand der Netze und ihrer Tiere, können sie bei Gefahren schneller eingreifen.

NTNU

Der Vorteil der U-CATs: Wie sich zeigte, stören sich die Fische an der Schildkrötenform weniger als an Tauchern. Dabei scheint ihnen die Form des Gefährts egal zu sein – wichtiger ist die Art der Fortbewegung. Aktuell ist der Schildkrötenroboter noch ein Prototyp. Kommerzielle Fischfarmen interessieren sich aber für die Technik. Getestet wurde das System im Forschungslabor ACE von SINTEF Ocean, in dem ein vollständiger Fischfarmbetrieb in Echtgröße nachgebaut wurde. Dieser wird vom Lachskonzern SalMar betrieben, die Europäische Union fördert das Projekt.

(bsc)