Roboterhunde von Boston Dynamics finden bei Hyundai ein neues Herrchen

Nun gibt sich selbst der japanische Tech-Riese geschlagen: Softbank reicht Boston Dynamics, das von Google gekauft wurde, an Hyundai aus Korea weiter.

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Roboter Spot.

(Bild: Boston Dynamics)

Von
  • Martin Kölling

Die Roboterwesen von Boston Dynamics begeistern seit Jahren mit ihren Kunststücken auf YouTube die Welt. Das ein Jahr alte Video von Purzelbäumen und Sprüngen des gelenkigen Humanoiden Atlas wurde mehr als 12 Millionen mal angeklickt.

Die zwei Clips des gelben Vierbeiners Spot kommen auf eine ähnliche Zahl. Das Tierchen wird seit 2020 sogar verkauft, um beispielsweise in Fabriken auf Inspektion zu gehen. Doch dem derzeitigen Besitzer Softbank reichen die Kunststückchen nicht mehr: Der größte Technikinvestor der Welt verkauft 80 Prozent der Anteile an dem ewigen Hoffnungsträger an den koreanischen Autokonzern Hyundai Motor weiter.

Koreas Nachrichtenagentur Yonhap taxierte den Deal auf bis zu 900 Billionen Won, rund 680 Millionen Euro. Hyundai Motor und Hyundai Motors Chairman Chung Eui-sun werden 30 Prozent und 20 Prozent der Anteilen übernehmen, zwei Tochtergesellschaften des Konzern den Rest. "Der Anteilserwerb zielt darauf ab, das Robotik-Geschäft zu erweitern, um verwandte Branchen zu erschließen und Synergien mit zukünftigen Geschäften zu schaffen", begründete das Unternehmen den Kauf. Hyundai nennt dabei Logistik sowie Dienstleistungen und Pflege als mögliche Wachstumsfelder.

Das hört sich vielleicht gut an. Aber mit der erneuten Weiterverkauf erinnert die Geschichte der hoch gehypten Roboterentwickler immer mehr an die eines ungeliebten Ziehkinds, das von einer Pflegefamilie in die nächste weitergereicht wird, weil es dabei ertappt wurde, heimlich unheimlich viel Geld im Kamin zu verbrennen. Zuerst nahm 2013 die Google-Tochter Google X das Projekt als Teil seiner ambitionierten "Moonshot"-Vorhaben auf, mit denen man die Welt verändern wollte. Doch schon 2017 verglühte der Enthusiasmus des Internetkonzerns für richtige Roboter, da sich mit diesen kein Geld verdienen ließ.

Stattdessen setzte Google-Mutter Alphabet nun voll auf künstliche Intelligenz, die ohne teure Feinmechanik auskommt und sich – da sie aus Software besteht – profitmaximierend skalieren lässt. In Softbank-Chef Masayoshi Son fanden die Amerikaner dann einen dankbaren Abnehmer für Boston Dynamics. Denn der heute 63-jährige selbsternannte Internetrevolutionär hatte sich Ende 2011 in den Kopf gesetzt, Softbank zum weltgrößten Roboterkonzern aufzubauen.

Roboterhunde bei der Arbeit (5 Bilder)

(Bild: Ford)

Der Partnerroboter Pepper war Sons erster Streich. Und vielleicht suchte der Softbank-Gründer in den ersten Jahren danach noch nach Spielgefährten für sein maschinelles Kind und meinte, sie in den Geschöpfen von Boston Dynamics gefunden zu haben.

Doch inzwischen hat Son Softbank zum Technikinvestor weiterentwickelt, während sich seine Robotersparte auf Nutzwertroboter konzentriert: einen roboterisierten Staubsauger und einen Serviertisch, beispielsweise. Die amerikanischen Roboter passten da offenbar nicht mehr ins Profil, auch wenn inzwischen der Verkauf von Spot begonnen hat. Ein Grund mag der Preis des automatisierten Wachhunds zu sein: über 70.000 Dollar kostet das Tierchen.

  • Der Roboterhund Spot Mini auf der CeBIT 2018
(Quelle: heise online / jk)
(Quelle: heise online / Valerie Lux)

Der bekannte YouTuber NeoScribe kritisierte daher kürzlich, dass Boston Dynamics eher einem Hightechlabor gliche, dass wenig Wert auf Vermarktung legen würde. Er riet Softbank, eine neue Abteilung aufzubauen, die die Spitzentechnik nutzt, um verkäufliche Massenartikel zu entwickeln.

Softbank hat allerdings offensichtlich andere Pläne. Das Unternehmen habe Boston Dynamics bei der Verwandlung "von einer weltweit anerkannten Forschungs- und Entwicklungseinrichtung in ein führendes kommerzielles Unternehmen" unterstützt, teilte Softbank mit. Aber "im Zuge der regelmäßigen Überprüfung ihrer Portfoliounternehmen" haben die Japaner festgestellt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, "um die Hyundai Motor Group, eines der weltweit führenden Mobilitätsunternehmen, in die Partnerschaft aufzunehmen".

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Tokio.

So kann man seine Enttäuschung über unerfüllte Erwartungen auch ausdrücken. Softbank gibt sich nun offiziell überzeugt, dass Hyundai "den Weg zur Kommerzialisierung beschleunigt". Ganz aufgegeben hat Son allerdings sein Ziehkind nicht. Immerhin halten die Japaner weiterhin 20 Prozent der Firmenanteile.

Wenn die amerikanischen Roboterentwickler nun unter koreanischer Führung den Durchbruch schaffen, kann der Technikinvestor so immerhin noch ein bisschen profitieren. Und sollte das Roboterunternehmen endgültig scheitern, wurde immerhin die Höhe der Abschreibung minimiert. Die gute Nachricht: Die Fans von Boston Dynamics können so noch auf ein paar neue Roboter hoffen.

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(bsc)