Robotersteuer: Viele Fragen, eine Antwort

Eine Robotersteuer soll die Folgen des Arbeitsplatzabbaus mildern. Dabei gäbe es eine viel bessere Maßnahme, kommentiert TR-Redakteur Gregor Honsel.

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  • Gregor Honsel

Sollten Unternehmen eine Robotersteuer zahlen, um die Folgen des Arbeitsplatzabbaus zu mildern – etwa durch ein bedingungsloses Grundeinkommen? Bill Gates hält die Robotersteuer für eine gute Idee, der Weltroboterverband IFR – wenig überraschend – für eine schlechte. Er argumentiert, Roboter würden eher Arbeitsplätze schaffen statt zu vernichten.

Ob das in Zukunft so bleiben wird, wenn Künstliche Intelligenz zunehmend auch klassische Büro-Jobs, Ärzte oder Anwälte überflüssig macht, sei dahingestellt. Trotzdem finde ich das Konzept einer Robotersteuer seltsam. Konsequent zu Ende gedacht würde es bedeuten, dass alles besteuert wird, was die Arbeit produktiver macht – also auch Computer, Bagger, Mähdrescher, Akkuschrauber. Jobs künstlich zu erhalten, obwohl eine Maschine sie besser machen könnte, ist menschenunwürdig – so als würde man Leute dafür bezahlen, mit Schaufel und Spaten einen Graben auszuheben, um ihn anschließend wieder zuzuschütten.

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Der Roboterverband argumentiert ganz richtig, dass ja schließlich bereits die durch die Automatisierung erzielten höheren Gewinne besteuert würden. (Dass dies oft nicht ausreichend funktioniert, ist kein Gegenargument. Als Konsequenz daraus sollte die Politik ihre Energie darauf verwenden, die ganzen Steuerschlupflöcher zu schließen, statt eine neue Steuer einzuführen, die dann möglicherweise wieder nicht konsequent eingetrieben wird.)

Außerdem profitieren wir alle bereits durch eine andere Form der Automatisierungsrendite: Smartphones, Fernseher, Autos, Flugreisen, frisches Obst, Wohnungen mit Zentralheizung und Warmwasser, Krankenhäuser, Medikamente – unser gesamter Wohlstand basiert darauf, dass hochkomplexe Produkte durch die Automatisierung erschwinglich werden. Und diese Rendite ist demokratisch, weil alle Bevölkerungsschichten, auch in den Schwellenländern, in den Genuss günstiger Produkte kommen.

Der Roboter Sawyer soll mit einem Software-Update Arbeiter in der Industrie besser unterstützen.

(Bild: Courtesy of Rethink Robotics, Inc.)

Trotzdem bleiben drei Fragen bestehen: Wie lässt sich verhindern, dass der Konsum dieser billigen Waren die Umwelt zu stark belastet? Wie lassen sich sinnvolle neue Jobs schaffen, die nicht der nächsten Rationalisierungswelle zum Opfer fallen? Und wie lässt sich das Ganze finanzieren?

Alle drei Fragen ließen sich mit einer einzigen Maßnahme angehen: Den Ressourcenverbrauch stärker besteuern und die Arbeit weniger. Das würde erstens die hirnlose Massenproduktion von Wegwerfgütern bremsen, in deren Folge manche Menschen sich beispielsweise Klamotten kaufen, die sie nur ein einziges Mal tragen – einfach, weil sie es können. Zweitens würde es die Arbeit vergünstigen, wodurch neue Dienstleistungen entstehen, die sich heute nicht rechnen – etwa das Reparieren oder Maßanfertigen von langlebigen Produkten. Drittens ließe sich das System so austarieren, dass die Automatisierung nicht automatisch Löcher in die Sozialkassen reißt.

Die Arbeit wird uns jedenfalls so schnell nicht ausgehen. Man denke da nur an die Alten- und Krankenpflege, wo kaum noch Personal zu finden ist. Kein Wunder: Die Arbeit ist hart und schlecht bezahlt. Doch statt nun über Pflegeroboter nachzusinnen, könnte man auch darüber nachdenken, wie man diese Berufe wieder attraktiver macht. Hier wäre die Automatisierungsrendite besser untergebracht als bei einem bedingungslosen Grundeinkommen.

(grh)