Russland gehen offenbar die Datenspeicher aus

Steigender Bedarf und sinkendes Angebot an Speicherplatz könnte dazu führen, dass Entertainment-Dienste rationiert werden.

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(Bild: photomatika/Shutterstock.com)

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  • Gregor Honsel

Russland könnten durch den Ukraine-Krieg innerhalb von eineinhalb bis zwei Monaten die Datenspeicher ausgehen. Das meldet das US-Onlinemagazin Bleepingcomputer unter Berufung auf die russische Zeitung Kommersant.

Ursache dafür seien zwei sich verstärkende Entwicklungen: Zum einen haben sich zahlreiche westliche Cloud-Provider aus Russland zurückgezogen, zum anderen steigt der dortige Speicherbedarf. Kommersant zitiert Stanislav Mirin, Berater bei iKS-Consulting, mit der Schätzung, dass die staatliche Nachfrage nach Servern und Speichern in den vergangenen Jahren im Schnitt um mehr als 20 Prozent pro Jahr gestiegen ist. Ursache dafür seien unter anderem Smart-City-Projekte sowie extensive Videoüberwachung mit Gesichtserkennung.

Laut Kommersant brauchen die Betreiber von Rechenzentren Hilfe, weil die Preise für Speicher und Server um ein Vielfaches gestiegen seien, die Banken keine Kredite mehr vergeben und die Logistikkette gestört sei.

Ein Informant sagte laut Kommersant, dass "alle föderalen und regionalen Behörden nicht mehr in der Lage waren, Ausrüstung zu kaufen" (Übersetzungen: Deepl.com). Und ein Gesprächspartner eines großen IT-Unternehmens berichtet: "Zwei Lastwagenladungen mit Servern eines ausländischen Anbieters sind ins Land gekommen, aber sie weigern sich, sie uns zu übergeben, und berufen sich dabei auf Sanktionen."

Ein weiteres Problem sei schlicht der Zugang zu Geld, sagte Igor Dorofeev von der Data Center Industry Association gegenüber der russischen Zeitung. "Die Preise für Ausrüstungen sind in die Höhe geschnellt, die Lieferanten verlangen eine 100-prozentige Vorauszahlung, und die Banken zögern, Darlehen zu vergeben."

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Die russischen Behörden haben laut dem Bericht bereits die Ausfuhr von IT-Hardware aus Russland beschränkt, um zu verhindern, dass russische Unternehmen aus der Branche ins Ausland abwandern – und ausländische Firmen, die sich aus dem russischen Markt zurückziehen, ihre Ausrüstung mitnehmen.

Als erste Gegenmaßnahme hat das russische Digitalministerium nun ein Gesetz von 2016 revidiert, das Provider verpflichtet, ihren Speicherplatz für "Anti-Terror"-Überwachungsprojekte jedes Jahr um 15 Prozent zu erhöhen.

Über weitere Maßnahmen wird noch spekuliert: So könnte die Regierung allen verfügbaren heimischen Speicherplatz aufkaufen oder leasen oder die zurückgelassene Hardware von ausländischen Firmen, die sich aus Russland zurückgezogen haben, "übernehmen" – die Regierung war auch nicht davor zurückgeschreckt, ausländische Flugzeuge einzuziehen. Von einer "Beschlagnahmung", wie sie von Bleepingcomputer ins Spiel gebracht wird, ist in dem Kommersant-Artikel allerdings nicht explizit die Rede. Zudem wäre es eine Option, auf chinesische Hardware und Cloud-Provider auszuweichen. (Allerdings hat der chinesische Anbieter Huawei laut Quellen von Kommersant seinen Verkauf an Hardware nach Russland vorübergehend eingestellt.)

Sollte das nicht ausreichen, wäre auch denkbar, dass Provider verpflichtet werden, bestimmte Unterhaltungsdienste einzuschränken. Wenn sich am Speichermangel nichts ändere, könne dies zu "einem eingeschränkten Betrieb von Unterhaltungsdiensten wie Cloud-Gaming, Musik- und Videostreaming" führen, sagte ein Experte zu Kommersant.

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(grh)