SARS-CoV-2: Abstand und Masken wirken, erstes Antikörper-Medikament in Studie

Laut einer Analyse verhindern Distanz und Gesichtsschutz wirksam Infektionen. In den USA begann zudem ein klinischer Therapie-Test gegen das neue Coronavirus.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 856 Beiträge

(Bild: Miguel Alegre / Shutterstock.com)

Von

Ein Abstand von zwei Metern zwischen Menschen ist zur Verringerung des Risikos von Coronavirus-Infektionen weitaus effektiver als nur ein Meter. Das geht aus einer neuen Analyse in The Lancet hervor. Und in den USA haben Tests mit einem ersten Antikörper-Medikament gegen SARS-CoV-2 begonnen.

Mehr Infos rund um das Coronavirus

Für die Abstand-Studie haben Forscher mit statistischen Analysen 172 Beobachtungsstudien aus 16 Ländern ausgewertet, um zu Einschätzungen für das Infektionsrisiko zu kommen. Nach ihren Modellen für die neun wichtigsten Studien betrug das Übertragungsrisiko bei mindestens einem Meter Abstand rund 3 Prozent, darunter stieg es auf etwa 13 Prozent. Mit jedem Zusatz-Meter Abstand und bis zu ingesamt drei Metern Distanz aber verringerte sich die Ansteckungsgefahr um etwa die Hälfte.

Ebenfalls stellten die Forscher fest, dass sowohl Gesichtsbedeckungen als auch Augenschutz die Gefahr einer Weiterverbreitung des Virus deutlich reduzieren. Laut den ausgewerteten Studien verringern Masken das Risiko von 17 Prozent auf 3 Prozent, Schutzbrillen von 16 Prozent auf 6 Prozent. Andere Faktoren wie die Dauer des Kontakts zwischen Personen wurden dabei nicht berücksichtigt, weil sie in den Basis-Daten nicht enthalten waren.

Regierungen weltweit diskutieren, wie die Gesundheit ihrer Bürger geschützt werden kann, während Corona-Einschränkungen gelockert werden. Die von Fachkollegen überprüfte neue Lancet-Studie macht vor diesem Hintergrund deutlich, dass den Kern jeder vernünftigen Strategie der Versuch bilden muss, Menschen physisch so weit auseinander zu halten wie möglich. Ebenso interessant sind die Ergebnisse für Arbeitgeber, Restaurants, Bars oder Kino, die ebenfalls überlegen, wie sie wieder öffnen und dabei Ansteckungen mit SARS-CoV-2 verhindern können.

Die Distanz-Empfehlungen unterscheiden sich von Land zu Land. In Großbritannien lautet sie derzeit 2 Meter, aber es gibt Druck, sie zu senken. In den USA empfehlen die CDC 6 Fuß Abstand, also rund 1,8 Meter. In Deutschland und Australien gelten 1,5 Meter, in Frankreich offiziell nur 1 Meter, was auch der Empfehlung der WHO entspricht.

Unterdessen haben erste Patienten in den USA das erste Antikörper-Medikament bekommen, das gezielt zur Behandlung gegen SARS-CoV-2 entwickelt wurde. Es wird in verschiedenen Dosierungen an 32 Personen in US-Krankenhäusern getestet. Wenn sich der als LY-CoV555 bezeichnete Wirkstoff als sicher erweist, soll er in diesem Sommer an Coronavirus-Patienten außerhalb von Krankenhäusern erprobt werden.

Das Medikament wurde innerhalb von nur drei Monaten entwickelt. Dazu verwendeten die Forscher Blut von einem frühen US-Überlebenden von SARS-CoV-2 im Februar, in dem die Antikörper für das Einfangen und Neutralisieren des Virus enthalten waren. Aus der erfolgreichen Immun-Antwort einer einzelnen Person soll also ein Medikament werden, das jedem helfen kann. Dabei handelt es sich nicht um einen Impfstoff, sodass es nicht dauerhaft immun macht. Es soll aber nach einer Verabreichung wochen- oder monatelang schützen. Wenn die aktuelle Studie gut verläuft, könnte sie eine der ersten Therapien gegen SARS-CoV-2 bringen, im Idealfall noch vor Ende dieses Jahres.

Entwickelt wurde das Medikament in einer Kooperation zwischen dem Pharmariesen Eli Lilly und der Biotech-Fimra AbCellera aus Kanada. Aber auch andere arbeiten an Antikörper-Therapien. Sowohl Regeneron als auch eine Partnerschaft zwischen GlaxoSmithKline und Vir Biotechnology dürften bald mit Tests eigener Kandidaten beginnen.

Auch solche Medikamente werden keine magische Kugel sein. Noch immer ist das neuartige Coronavirus nicht vollständig verstanden, was die Behandlung komplizierter macht. Antikörper-Cocktails könnten manche kranken Menschen noch kränker machen. Und selbst wenn sie wie erhofft funktionieren, würden sie zunächst nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen; also müssten Ärzte entscheiden, wer zuerst behandelt wird. Die gute Nachricht aber lautet: Die aktuelle Antikörper-Studie ist nur eine von hunderten klinischen Studien, in denen derzeit verschiedene Ansätzen für Corona-Therapien erforscht werden. Sie reichen von neu eingesetzten Medikamenten gegen ähnliche Krankheiten bis zu komplett neuen Impfstoffen gegen SARS-CoV-2. (sma)