Samsung zu TV-Trends, Chipknappheit und organischen Displays

Zu Weihnachten ein neues TV? Wollen viele kaufen, glaubt Leif Erik Lindner. Wir haben den Samsung-Manager zu aktuellen und kommenden Geräten befragt.

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Samsung-Fernseher im Wohnzimmer (Symbolbild)

(Bild: Samsung)

Von
  • Ulrike Kuhlmann

Weihnachten steht vor der Tür und damit auch die umsatzstärkste Zeit für die Unterhaltungselektronik-Branche. Wir sprachen mit Leif Erik Lindner, Samsungs Vice President Produktmarketing, über Produktneuheiten, ob die Chipknappheit auch die TV-Branche beeinträchtigt und welche Erwartungen er an das Weihnachtsgeschäft hat. Und natürlich, wann wir mit TVs mit OLED-Display von Samsung rechnen können.

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Für Samsung Konsumersparte sei das vergangene Jahr überragend gewesen und Lindner hofft nun, diesen Erfolg 2021 wiederholen zu können. Dass es in diesem Jahr keine IFA gab, hat nach Einschätzung des Produktmanagers keinen großen Einfluss auf das Jahresendgeschäft. Auch wenn er die Berliner Messe vermisst habe.

"Klar hat uns die IFA gefehlt"

Samsung setzt stark auf Lifestyle-Produkte wie The Frame und Serif, die es in neuen Größen und mit besseren Panels gibt. Mit seinen Neo-QLED-TVs, die Mini-LEDs fürs ausgefeilte Backlight-Dimming nutzen, habe man zudem einen großen Schritt getan. Hier hat Samsung seine eigene LED-Technik für besonders flache Mini-LEDs patentiert. Allerdings würden auch andere Hersteller gute LEDs produzieren, räumt Lindner ein.

Samsungs Design-Fernseher Serif und Frame fallen mit ihrem ungewönhnlichen Äußeren auf.

(Bild: Ulrike Kuhlmann, c't)

Mit Mikro-LED-TVs, deren Bildpunkte aus winzigen selbstleuchtenden LEDs bestehen, habe Samsung eine echte technische Neuerung. Bis 2027 will der koreanische Hersteller bis zu 10 Millionen Mikro-LED-Panels ausliefern. Dabei dürfte es sich aber nicht nur um TV-Panels handeln, sondern auch Panels für Smartphones oder Tablets gemeint sein. Pläne für neue TV-Formate mit Mikro-LEDs, etwa schmale Displaystreifen oder quadratische Kacheln, habe Samsung derzeit nicht – jedenfalls nicht für den Konsumer-Bereich, im industriellen Umfeld seien solche neuen Zuschnitte dagegen denkbar, sagt Lindner.

Mikro-LED-Displays mit ungewöhnlichen Seitenformaten, hier auf der CES 2021, wird Samsung erstmal nicht für Konsumenten anbieten.

(Bild: Ulrike Kuhlmann, c't)

Während früher die Bildqualität im Fokus stand, sei inzwischen auch die Bedienbarkeit der Geräte entscheidend. Software spiele bei Samsung deshalb eine sehr große Rolle. Für die Vernetzung der smarten Geräte im Haushalt empfiehlt Lindner Samsungs SmartThings-App. Laut Lindner sind über 90 Prozent aller Samsung-Fernseher mit dem Internet verbunden.

Das Mikrofon bleibt bei Samsung in der Fernbedienung: Laut Lindner ist es nicht geplant, es stattdessen direkt ins TV einzubauen, wie es einige andere Hersteller tun. Auch Webcams sollen extern angeschlossen statt eingebaut werden, etwa zum gemeinsamen Videotelefonat am TV-Display. Dafür gebe es Googles Duo-App, über die eine USB-Webcam den großen Schirm zum Videotelefon macht. Alternativ funktioniert das Videotelefonat beispielsweise auch mit einem per Apple Airplay oder HDMI-Adapter verbundenen iOS-Gerät in Facetime.

Videotelefonie am großen Fernsehschirm wurde erst im Laufe der Corona-Pandemie für viele TV-Besitzer interessant. Der Trend, es sich zu Haus gemütlich zu machen, setze sich auch 2021 fort, ist sich der Samsung-Manager sicher. In Zuge von Cocooning seien viele Konsumenten bereit, mehr fürs TV-Gerät auszugeben. So würden die Kunden von sich aus etwa 1200 Euro für einen neuen Fernseher einplanen – ausgeben tun sie allerdings deutlich weniger, nämlich nach GFK-Angaben 2020 im Mittel 583 Euro fürs neue TV. In diesem Jahr könnten laut GFK zwar etwas weniger Fernsehgeräte gekauft werden als 2020, doch schon jetzt zeichnet sich ein deutlich höherer Durchschnittspreis ab: Er lag von Januar bis Juni 2021 bei über 630 Euro und im dritten Quartal bereits bei über 700 Euro. Das dürfte auch den größeren Diagonalen geschuldet sein.

Der TV-Absatz hat 2020 sowohl bei der Anzahl der verkauften Geräte als auch beim Umsatz deutlich zugelegt.

(Bild: gfu)

55 Prozent aller aktuellen Fernsehgeräte kosten laut Lindner heute weniger als 1000 Euro. Das deckt sich mit dem Käuferverhalten. Dass die Hersteller dennoch auf teurere große TVs mit Diagonalen von 70 Zoll, also 1,80 Meter und mehr setzen, liege an der Nachfrage. Zwar machen solche Riesen-TVs nur 10 bis 12 Prozent aller verkauften Geräte aus, tragen aber mit 18 bis 20 Prozent zum Umsatz bei, erklärt Lindner. Dies bestätigen GfK-Erhebungen: TVs mit 65+ Diagonale machten im dritten Quartal 2021 nur gut 20 Prozent aller verkauften Geräte aus, trugen wertmäßig aber fast 40 Prozent zum Umsatz bei.

Je größer das Display ist, umso wichtiger sei auch die Anzahl der Bildpunkte, bringt Lindner die ultrahohe 8K-Auflösung ins Spiel. Dass es noch kaum echten 8K-Inhalte gibt, weiß auch Samsung. Deshalb unterstützt der Elektronikkonzern die Produktion der dritten Staffel des Sky Original "Das Boot" in 8K. Im ersten Halbjahr 2022 wird Sky die Serie exklusiv auf Samsung-TVs in 8K ausstrahlen. Für die Wiedergabe der bei TV-Sendungen und auf Blue-ray-Discs üblichen Full-HD- und 4K-Auflösungen nutzt Samsung am 8K-Fernseher spezielle Umrechnungstechniken mit einem dafür entwickelten Bildprozessor.

8K-Displays haben vier Mal so viele Pixel wie 4K-Displays. Vier Mal mehr Details zeigen sie allerdings nur, wenn die Inhalte tatsächlich mit 8K-Auflösung zugespielt werden.

Durch die derzeitige Chipknappheit fehlen laut Lindner aber die Prozessoren zur Bildverarbeitung und die KI-Chips zur Bildoptimierung; auch Paneltreiber sind teilweise knapp. Hinzu kommt: Samsung fertigt viele TVs in Malaysia und Vietnam – beide Länder waren lange im Lockdown oder sind es noch. Außerdem haben sich die Luftfrachtkosten im Zuge der Pandemie verdreifacht, berichtet der Manager. In der Folge konnte Samsung einige Kunden wie zum Beispiel Amazon im dritten Quartal nicht mit den gewünschten Mengen beliefern. Im vierten Quartal zeichnet sich aber eine deutliche Entspannung ab, sagt Lindner.

Bei der Gretchenfrage zu OLEDs hält sich der Manager bedeckt. Samsung sei aktuell der größte Hersteller von OLED-Panels – von solchen für Mobilgeräte. Für TVs verfolge Samsung derzeit eine andere Strategie, nämlich durch LCDs mit lokal dimmbarem Mini-LED-Backlight Alltagstauglichkeit mit Spitzenhelligkeit zu kombinieren. Letztere hält der Hersteller für relevanter als den satten Schwarzwert der OLEDs. Der Trend zu größeren Diagonalen spricht aus Lindners Sicht aus Preis- und Kapazitätsgründen gegen OLEDs. Auch der Einbrenneffekt hielt Samsung bisher davon ab, OLED-Displays in seine TV-Geräte einzubauen. Doch "selbstverständlich forscht Samsung als größter TV Hersteller ständig an neuen Technologien", erklärt Lindner. Die potenziellen OLED-Panels werden von Samsungs Displaysparte produziert, während Samsungs Elektroniksparte dort als TV-Hersteller nur einkauft.

Ob und wann wir mit OLED-TVs von Samsung Elektronik rechnen können, konnten wir dem Manager indes nicht entlocken. Auf der CES in Las Vegas stelle Samsung jedes Jahr seine neuesten Innovationen vor, deshalb sei die für Januar 2022 geplante CES ein guter Anlass, mutmaßt er. Darauf festlegen wollte sich Lindner in unserem Gespräch allerdings nicht. (uk)