Energie: Japans Liebe zum schnellen Brüter

Aus machtstrategischen Gründen machen Nationen manchmal immer wieder dieselben wissenschaftlichen Fehler. Ein Beispiel aus Asien zeigt, wie das passiert.

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Im Kühlturm des Schnellen Brüters in Kalkar dreht sich mittlerweile ein Karussell.

(Bild: Dietmar Scherf/ Ullstein Bild)

Von
  • Martin Kölling
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An der Küste von Tsuruga wird ein Pfeiler des japanischen Traums vom nuklearen Brennstoffkreislauf abgetragen, der schnelle Brutreaktor Monju. Ende 2016 hat die Regierung den Rückbau des Prototyps beschlossen, mit dem Asiens älteste Industrienation beweisen wollte, was den Atommächten nicht gelang: Der einst als „Traumreaktor“ titulierte Meiler sollte nicht nur zuverlässig Strom ins Netz speisen, sondern dabei auch dauerhaft mehr spaltbares Material erzeugen, als er selbst verbrauchte. Doch nur drei Monate nach dem Start im Oktober 1995 begann der Hoffnungsträger zum Symbol einer gescheiterten Idee zu werden, mit der die Atomlobby seit den 1950er-Jahren eigentlich die Lösung aller Energieprobleme versprochen hatte.

Monju war fehleranfällig. Am 8. Dezember 1995 traten mehr als 600 Tonnen flüssiges Natrium, das als Kühlmittel eingesetzt wurde, durch ein Leck aus und gerieten beim Kontakt mit Luft in Brand. 2010 wurde der Neustart wegen Defekten und Unfällen zweimal abgebrochen. Den Todesstoß versetzten dann die verschärften Sicherheitsrichtlinien, die Japans Atomaufsicht nach der Atomkatastrophe von 2011 in Fukushima 1 erließ. Die konnte Monju nicht mehr erfüllen.

Doch wer geglaubt hatte, dass Japans Sonderweg mit dem Aus für den Traumreaktor am Ende sei, hat sich getäuscht. Zu wichtig ist die Technik immer noch aus energiepolitischen und machtstrategischen Überlegungen. Aus ähnlichen Beweggründen sind auch andere Länder wieder eingestiegen, darunter China, Russland und Indien.

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