Schneller Test auf neuen Corona-Erreger kommt schnell

Eines der Probleme bei der aktuellen Pandemie sind Analyse-Möglichkeiten. Der deutsche Biotech-Pionier Qiagen hat die Erkennung des Virus jetzt automatisiert.

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(Bild: Qiagen)

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In der Corona-Krise sind deutsche Biotech-Unternehmen gefragt. Mitte März wurde berichtet, Präsident Donald Trump habe versucht, den USA mit viel Geld exklusiv die Rechte an einem entstehenden Corona-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac zu sichern. Das stellte sich als übertrieben heraus, doch in einem anderen Fall wird Biotech-Kompetenz aus der Bundesrepublik wohl tatsächlich in US-Händen landen: Der Branchen-Pionier Qiagen hat einen molekularen Test auf den neuen Corona-Erreger entwickelt – und nahm kurz darauf ein Übernahmeangebot von Thermo Fisher Scientific an.

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Ob Corona-Test und Übernahme in einem kausalen Zusammenhang stehen, wollte ein Qiagen-Sprecher auf Anfrage nicht kommentieren, doch zumindest die zeitliche Nähe ist auffällig. Am 26. Februar machte Qiagen erstmals öffentlich auf die neue Test-Möglichkeit aufmerksam, am 3. März kam die Meldung, dass Qiagen-Vorstand und -Aufsichtsrat ein Übernahmeangebot von Thermo Fisher unterstützen. Für Aktionäre bedeute dies einen Aufschlag von rund 23 Prozent gegenüber dem Kurs vor dem Angebot.

Ob bald in US-Besitz oder nicht und unabhängig davon, was letztlich den Ausschlag für die Übernahmepläne gab: Der aus der Universität Düsseldorf ausgegründete Diagnostik-Spezialist Qiagen steht mit seinen Produkten mitten im Zentrum der aktuellen Coronavirus-Krise. Noch heute hat das Unternehmen laut dem Sprecher das Gebäude in Hilden, in das es bald nach den Anfängen in der Uni einzog. Mit weiteren Gebäuden und Anlagen in der Nähe des frühen Kerns sei Hilden heute der größte Produktionsstandort von Qiagen; die Holding-Gesellschaft hat ihren Sitz allerdings in den Niederlanden.

Nach Angaben des Sprechers wird in Hilden schon seit einigen Tagen "in drei Schichten rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche gearbeitet". Der Grund: Qiagen hat den molekularen Test auf das neuartige Coronavirus (in der Fachsprache SARS-CoV-2) nicht nur entwickelt, sondern auch in Rekordzeit zugelassen bekommen. Andere Anbieter entwickeln und verkaufen nach Aussagen des Qiagen-Sprechers ebenfalls Tests auf CoV-2, der eigene aber sei der erste, bei dem eine Probe gleichzeitig noch auf 21 weitere Erreger analysiert wird.

Denn schon seit 2018 verkauft das Unternehmen in Europa (und seit der Zulassung in den USA in 2019 auch dort) ein als QIAstat-Dx Analyzer bezeichnetes Gerät, das von außen an einen modernen Desktop-Computer mit aufgesetztem Touchscreen erinnert. In dieses können Test-Kartuschen wie in einen alten Videorekorder gesteckt werden, und schon beginnt im Inneren ein komplizierter Prozess mit massenhafter Vervielfältigung des Erbgutes in der Probe und dessen anschließender Analyse. Nach etwa einer Stunde wird auf dem Bildschirm das Ergebnis angezeigt.

Bislang umfasste diese Analyse nur 21 schon vorher relevante Erreger wie ältere Corona- und Grippe-Viren sowie drei Bakterien-Arten. Diese Test-Sammlung wurde bei Qiagen zu einem "Panel" in einer Kartusche zusammengefasst, mit dem 21 mögliche Auslöser für Atemwegserkrankungen in einem Durchgang identifiziert werden können. Als in diesem Januar die ersten DNA-Sequenzierungen des neuen Coronavirus eintrafen, konnte das Unternehmen auf dieser Grundlage Reagenzien entwickeln, die bei zwei spezifischen Genen dieses Erregers anschlagen.

Das Analysegerät selbst bleibt also unverändert. Aber die Test-Kartuschen, die Mediziner mit Patienten-Proben füllen, enthalten seit kurzem zusätzliche Stoffe. Somit testet das Qiagen-Panel jetzt nicht mehr nur auf 21 Erreger, sondern auf 22 einschließlich CoV-2. Alternativ kann das Gerät auch für die Überprüfung von Proben auf unterschiedliche Erreger bei Magen-Darm-Krankheiten verwendet werden – die gelieferten Kartuschen enthalten dann einfach andere, dazu passende Reagenzien.

Zur Genauigkeit des neuen Corona-Tests lagen dem Qiagen-Sprecher nach eigener Aussage keine exakten Angaben vor. Er verwies jedoch darauf, dass er bereits eine Sonderzulassung vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erhalten habe. Dies bedeute, dass klinische Erfahrungen mit dem Test ausgewertet und für hinreichend gut befunden wurden. Zudem verhindere die Art der Bedienung ohne viel menschliches Zutun Fehler, und mit den gentechnischen Methoden von Qiagen könne direkt nach Erbmaterial von Erregern gesucht werden statt beispielsweise nur nach Antikörpern, die als Reaktion auf sie ausgebildet werden.

Mehr als 1.000 seiner Analyzer-Maschinen hat das Unternehmen nach Angaben des Sprechers bis Ende 2019 verkauft, und auch deren Produktion werde jetzt erhöht. Zu finden seien sie in Laboren oder Notaufnahmen von großen Krankenhäusern – überall dort sind mit dem erweiterten Panel jetzt auch schnelle CoV-2-Tests möglich. Interessant dabei: Der Preis pro Testkartusche soll laut Qiagen trotz der Erweiterung um den neuen, derzeit überaus präsenten Corona-Erreger nicht höher sein als bisher; der Sprecher bezifferte ihn je nach Arrangement mit dem Kunden auf etwa 100 Dollar.

(sma)