Schule digital: Erfahrungen und Tipps für den digital gestützten Unterricht

Mirek Hančl ist Lehrer und bereits Teil eines engagierten Kollegiums, das Digitalität in der Schule umsetzt. Er gibt Tipps für Weiterbildungen aus der Praxis.

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(Bild: fizkes/Shutterstock.com)

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  • Mirek Hančl
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Als ab dem Frühjahr 2020, bedingt durch den ersten Lockdown, Schulen mit Distanzunterricht herausgefordert wurden, zeigte sich quer über den ganzen Globus verteilt, was lebenslanges Lernen im Kontext von Digitalisierung und Digitalität konkret bedeutet und was dafür benötigt wird: Zeit und Raum, Werkzeuge und Konzepte, aber auch Kreativität, Haltung, Vertrauen und Vernetzung jedes und jeder einzelnen Lernenden. Eigentlich nichts Neues also. Nur, dass es uns Lehrkräfte genauso betrifft wie unsere Schülerinnen und Schüler.

An vielen symbolischen Treppen zugleich standen wir Lehrkräfte mit unseren Schülerinnen und Schülern auf einer Stufe, als es darum ging, ad hoc gemeinsam Unterricht im digitalen Raum stattfinden zu lassen. Wir hatten unsere Didaktik-Skills bisher überwiegend im Klassenraum geübt und gefestigt und waren nun – gedrängt durch die Pandemie – versucht und bemüht, unsere täglichen Routinen eins zu eins auf den mit Wucht stattfindenden Distanzunterricht, insbesondere den Videokonferenzen mit unseren Klassen, zu übertragen.

Doch wir Lehrkräfte wurden schnell eines Besseren belehrt. Aufmerksamkeitsspannen sind im digital gestützten Distanzunterricht anders lang, Unterrichtsgegenstände wahrzunehmen und Artefakte zu produzieren läuft anders ab, aktive Teilnahme am Unterricht nimmt andere Formen an und der ganze Technikfrust kommt erschwerend hinzu. Und dies sind nur einige wesentliche Punkte.

Mirek Hančl

Mirek Hančl unterrichtet Chemie und Informatik am Lessing-Gymnasium in Uelzen. Er ist Autor zahlreicher Artikel, Tutorials, freier Unterrichtsmaterialien und eines MOOCs zu Coding und Making im Unterricht. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Schulinformatik, Maker Education, AR/VR, Spielebasiertes Lernen und Connected Learning. Neben dem Unterrichten war er mehrere Jahre als medienpädagogischer Berater des Landes Niedersachsen und in der Arbeitsgruppe Didaktik der Informatik an der Universität Osnabrück tätig. Er hat einige seiner Unterrichtsprojekte auf www.hancl.de veröffentlicht und ist auf Twitter und YouTube als @infchem unterwegs.

Mittlerweile hat sich vielerorts gezeigt, dass blinder Aktionismus einerseits und von langer Hand geplante Medienbildungskonzepte andererseits, die oft nur auf das Lernen mit digitalen Medien im Schulgebäude abzielen, nicht konkret und nachhaltig genug im Distanzunterricht wirken. Und schon gar nicht im hybriden Wechselunterricht. Zudem können Schulöffnungen jederzeit wieder in den vollständigen Distanzunterricht zurückfallen. Diese Unsicherheit kann lähmen, oder als Chance verstanden werden.

In jedem Fall gilt: Mut und Vertrauen, Experimentierfreude und Fehlerkultur müssen Hand in Hand in der Lerngemeinschaft erwachsen und gelebt werden. Doch wo fängt man als Lehrkraft mit dem eigenen lebenslangen Lernen, nennen wir es beim Namen: der Weiterbildung zu Digitalisierung und Digitalität in der Schule, an? Welche Startmöglichkeiten gibt es? Wie, wo und mit wem lassen sich Kompetenzen ausbauen?

Artikelserie "Schule digital II"

Wie sollte die Digitalisierung in unseren Schulen umgesetzt werden? Wie beeinflusst die Coronavirus-Pandemie das Geschehen? Was wurde im Schuljahr 2020/2021 erreicht? Das möchte unsere Artikelserie beleuchten.

Sicherlich gibt es nicht nur seit Corona vielfältige Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte zu Bildung im Kontext der Digitalisierung (Stichwort: Digitalpakt). Seit dem ersten Lockdown werden diese Angebote aber nicht nur verstärkt angeboten, sondern auch deutlich mehr wahrgenommen. Der Grund liegt nicht an den zusätzlichen Flyern und Einladungsschreiben im Lehrerzimmer. Die Angebote erreichen uns auf dem Weg, den wir im Distanzunterricht eingeschlagen sind: Digital und online. Newsletter der Verlage, Webseiten der Händler, Threads in sozialen Medien, Mailverteiler staatlicher und privater Institutionen für Lehrkräftefortbildungen.

Wie drastisch die Weiterbildungsangebote zugenommen haben, zeigt sich beispielhaft am Veranstaltungsportfolio der Hopp Foundation in Weinheim: Waren es im Jahr 2019 noch insgesamt 160 Veranstaltungen durchgängig in Präsenz, so fanden im letzten Jahr schon 300 Fortbildungen statt. Bis März in Präsenz, ab Mitte April bis Mitte Juni alle digital. Danach bis Mitte Dezember teils online und teils in Präsenz. Und die Tendenz ist weiter steigend: Allein im ersten Quartal dieses Jahres wurden bereits knapp 200 Fortbildungen durchgeführt, komplett digital und online.

Die Angebote sind offensichtlich da, und insbesondere durch webbasierte Formate wie Videokonferenzen auch viel leichter zugänglich als vergleichbare Angebote in Präsenz. Die meisten Veranstaltungen können problemlos gebucht werden, Beschränkungen bei der Teilnehmerzahl einmal ausgenommen. Lediglich die Angebote der Länder selbst gestatten oft nur Lehrkräften im entsprechenden Landesdienst die Teilnahme. Doch verbindlich ist eine Teilnahme keineswegs.

Es gibt keine Dienstpflicht, auch nur im Ansatz irgendwelche oder bestimmte Digitalkompetenzen als Lehrkraft bis zu einem gewissen Datum zu erreichen. Das bedeutet im Umkehrschluss oft, dass motivierte und interessierte Lehrkräfte sich in ihrer unterrichtsfreien Zeit nach geeigneten Angeboten umschauen und auch dort an den Veranstaltungen teilnehmen müssen. Glücklicherweise gibt es immer mehr Schulleitungen, die das nachhaltige Potenzial der Weiterbildungsangebote zu Digitalisierung und Digitalität für das eigene Kollegium erkennen und ihre Lehrkräfte dafür vormittags vom Unterricht freistellen.