Schweden: Verkehr am Kabel

Der E-Highway soll für einen saubereren Gütertransport sorgen: Es gibt bereits eine Teststrecke auf der Europastraße 16 in der Nähe von Sandviken.

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Eigentlich ist die Technik 120 Jahre alt: elektrisch betriebene Lastwagen, die ihren Strom aus Oberleitungen beziehen. Seit Mitte Juni sind sie jedoch in Schweden wieder im Einsatz. Neu daran ist, dass die Laster nicht mehr auf ununterbrochene Stromzufuhr angewiesen sind: Die beiden auf dem Dach des Fahrerhauses montierten Stromabnehmer können sich bei voller Fahrt an- und abkoppeln.

So kann der Laster problemlos überholen oder auf Strecken ohne Oberleitung ausweichen. Ein Sensor erkennt, wenn das Fahrzeug einen mit Stromversorgung ausgestatteten Abschnitt erreicht und fährt die Abnehmer automatisch aus. Darüber hinaus speisen die Laster ihre Bremsenergie wieder in die Kabel ein. Ohne Oberleitungskontakt kommen die Laster mit Batteriestrom drei Kilometer weit. Dann schaltet sich – ebenfalls automatisch – ihr Dieselmotor zu.

Derzeit laufen die Tests. Lkw-Hersteller Scania liefert die Fahrzeuge, Siemens hat die Oberleitungen installiert. Nun donnern die 60-Tonner mit 70 bis 100 Stundenkilometern über ein zwei Kilometer langes Teilstück der Europastraße 16, 200 Kilometer nördlich von Stockholm in der Nähe des Städtchens Sandviken. Die rege befahrene Autobahn verbindet die Industrieregionen Dalarna und Gävleborg mit dem Containerhafen von Gävle. Wenn sich die Teststrecke in den kommenden zwei Jahren rentiert, soll die gesamte, mehr als 100 Kilometer lange Verkehrsverbindung zwischen der Ostsee und dem im Westen gelegenen Borlänge Oberleitungen erhalten.

Für die Finanzierung des "Elväg Gävle", wie die elektrische Autobahn genannt wird, hat sich der schwedische Staat ein besonderes Modell überlegt: Er bindet die Nutzer mit ein. Zu den Gesamtkosten der Teststrecke in Höhe von 115 Millionen schwedischen Kronen – 12 Millionen Euro – steuerte der Staat nur 75 Millionen Kronen bei. Den Rest brachten die regionalen Unternehmen auf, deren Produkte täglich über die Strecke transportiert werden. Denn sie sind angehalten, ihren Teil zum erklärten Staatsziel beizutragen: Ab 2030 soll Schwedens Autoverkehr ohne fossile Treibstoffe auskommen. Außerdem hoffen die Firmen, dass strombetriebene Lkws letztlich kostengünstiger sind.

Für die schwedische Verkehrsbehörde Trafikverket sind Oberleitungen nur eine Möglichkeit, den Güterverkehr zu elektrifizieren. Strom kann nämlich auch aus zwei Schienen bezogen werden, die in die Straßendecke eingelassen wurden. Die Stromabnehmer dafür sind unter den Fahrzeugen angebracht. Damit lassen sich nicht nur 60-Tonner, sondern auch Kleintransporter und sogar Personenwagen mit Strom versorgen, die an Oberleitungen nicht heranreichen können. Eine ebenfalls zwei Kilometer lange Teststrecke wird in den nächsten Monaten unter dem Namen "eRoadArlanda" den Stockholmer Flughafen mit den Logistikzentren im nahen Rosersberg verbinden. (bsc)