Segeln autonom ganz weit draußen

Wenn alles nach Plan verläuft, wird im April 2021 im britischen Plymouth das erste vollautomatische Schiff zu einer Atlantiküberquerung auslaufen.

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(Bild: IBM)

Von
  • Wolfgang Stieler

Die 15 Meter lange Mayflower ist ein Kooperationsprojekt von IBM und dem österreichischen Verein zur Förderung der Meeresforschung Promare. Der vollautomatische Trimaran soll in der Lage sein, den Horizont nach möglichen Gefahren zu scannen, eigenständig Entscheidungen zu treffen und seinen Kurs auf der Grundlage von Live-Daten zu ändern.

Während seiner Mission soll das Schiff zudem Daten über den Zustand des Meeres sammeln, berichtet Technology Review in seiner Januar-Ausgabe (ab dem 17.12. am Kiosk oder online bestellbar). Das Schiff ist mit 15 Solarpaneelen ausgestattet, die jeweils nur drei Millimeter dick sind und maximal etwa 2,5 Kilowatt elektrischer Leistung liefern.

Angetrieben wird das Schiff von einer Segelflosse, die das Boot auf eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von zehn Knoten (18,5 km/h) bringen soll. Zusätzlich können zwei 20-Kilowatt-Motoren die Mayflower rein elektrisch auf eine Geschwindigkeit von vier bis fünf Knoten bringen. Für IBM ist das Projekt vor allem eine Chance, technische Fähigkeiten beim Edge Computing zu demonstrieren – dem Betrieb von lokalen KI-Systemen.

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Lernende KI-Systeme haben zwar in den vergangenen Jahren beachtliche Fortschritte erzielt, die Verarbeitung von Daten – etwa von Sprache oder Videos – geschieht heute aber noch oft in der Cloud. Während seiner Fahrt wird das Schiff jedoch trotz Satellitenverbindung nicht immer online sein. Der KI-Kapitän muss eingehende Daten der Kameras, des Radars, des Tiefenmessers und die Positions- und Wetterdaten daher in Echtzeit direkt an Bord verarbeiten.

Dazu ist ein auf KI-Software optimierter Computer an Bord, der unter anderem mit Spezialrechnern von Nvidia ausgestattet ist. IBM ist jedoch nicht das einzige Unternehmen, das an autonomen Schiffen arbeitet.

Am weitesten ist derzeit der Schiffsausrüster Kongsberg. Ab 2021 will er das elektrische Containerschiff Yara Birkeland zwischen zwei Häfen entlang der norwegischen Küste pendeln lassen – zunächst bemannt, dann ferngesteuert und ab 2022 autonom. Wegen der Corona-Pandemie ruht das Projekt derzeit.

(bsc)