Segeln mit Sonnenkraft

Der Frachtschiffverkehr sorgt für einen enormen Spritverbrauch und entsprechend hohe CO2-Mengen. Neue Kombiantriebe könnten helfen.

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  • Kevin Bullis

Der Frachtschiffverkehr sorgt für einen enormen Spritverbrauch und entsprechend hohe CO2-Mengen. Neue Kombiantriebe könnten helfen.

Fahrzeuge mit Sonnenstromantrieb liegen im Trend, auch wenn sie nicht immer sonderlich praktisch sind. Das gilt, mit einigen Ausnahmen, beispielsweise für Solarautos oder Solarflugzeuge. Auch im Schiffsverkehr wäre die Technik mit Abstrichen denkbar, wie das weltgrößte solarbetriebene Schiff, der 100-Tonnen-Katamaran Turanor, demonstriert. Es konnte im letzten Jahr eine Weltumsegelung durchführen, bei der kein einziger Liter Treibstoff notwendig war. Aktuell wird das Schiff für wissenschaftliche Expeditionen verwendet – das ist praktisch, weil sich so Proben auf dem Meer sammeln lassen, ohne dass diese durch Abgase verschmutzt werden.

Vollständig sonnenstrombetriebene Schiffe mögen zwar nicht die Zukunft des Schwerlast-Frachtverkehrs sein, doch zusätzlicher Solarstrom könnte CO2-Emissionen reduzieren. Die Turanor (benannt nach den Büchern J.R.R. Tolkiens) erreicht eine Geschwindigkeit von immerhin fünf Knoten, benötigt dafür allerdings auch insgesamt 29.124 der effizientesten Silizium-Solarmodule, die derzeit verfügbar sind. Sie bedecken über Auskragungen große Teile der Schiffsoberfläche. Der Rumpf besteht aus teuren, leichtgewichtigen Verbundwerkstoffen. Zum Vergleich: Ein Containerschiff transportiert bis zu 150.000 Tonnen und ist in Knoten gemessen deutlich schneller.

Gerard D'Aboville, Kapitän der Turanor, glaubt selbst nicht daran, dass die Technik eines Tages kommerzialisiert werden kann. "Persönlich denke ich nicht, dass Solarenergie für große Schiffe und Frachtverkehr geeignet ist. Es wäre ein Traum, aber ein verrückter. Man würde nicht genug Leistung bekommen." Trotzdem sei es möglich, mit Sonnenstrom die Welt zu umsegeln. "Aber es ist nicht die Zukunft aller Schiffe. Es ist zunächst mehr eine symbolische Geste."

Doch auch wenn Sonnenstrom große Frachtschiffe mit auf fossilen Treibstoffen basierenden Antrieben nicht ersetzen werden, könnte sich die Technik für einige kleinere Schiffsarten eignen – und um den Verbrauch großer Frachter zu senken. D'Aboville glaubt etwa, dass sich die Technik mit den Solarmodulen für kleine Fähren eignet – die Firma SolarSailor betreibt bereits welche. Eine zusätzliche Option ist außerdem, Sonnen- und Windenergie zu kombinieren.

Ein aktuelles Demonstrationsprojekt zeigt, dass Solarmodule bis zu 10 Prozent der Elektrizität eines Frachtschiffs erzeugen könnten, was die Emissionen durch den schmutzigen Treibstoff wie Schiffsdiesel, der derzeit verwendet wird, reduzieren würde. Die Spritpreise sind mittlerweile so in die Höhe geschossen, dass manche Reederei ihre Schiffe bewusst langsamer fahren lässt – gemächlicher, als das Segelschiffe einmal waren. Das wiederum könnte eine Chance für windbetriebene Fahrzeuge eröffnen – zumindest für einige Anwendungsbereiche. (bsc)