Shoppen per iPhone

In den USA testet eine Supermarktkette eine App, mit der reguläre Smartphones zum Produktescanner und Bezahlsystem werden.

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Von
  • Erica Naone

Ist das die Zukunft des Einkaufens? Eine neuartige iPhone-App, die in den USA in dieser Woche in eine Pilotphase gegangen ist, erlaubt Kunden einer Supermarktkette, Produkte direkt zu scannen und den Bezahlvorgang anschließend deutlich zu beschleunigen. In bis zu 375 Läden der Stop & Shop-Kette im Osten der USA soll die Anwendung in einigen Monaten einsetzbar sein.

Die App namens "Scan It!" stammt vom Anbieter Modiv Media aus Boston. Grundlage bilden Daten, die von einer Rabattkarte kommen, die der Nutzer zunächst mit dem iPhone abgleichen muss. Anschließend geht es in den Laden. Dort erfasst der Nutzer mit der Kamera des Smartphones den Barcode jedes Produktes, das er in seinen Einkaufswagen legt. Die App zeigt ständig den Gesamtpreis.

An der Kasse muss der "Scan It!"-User die einzelnen Produkte nicht mehr auf das Laufband legen. Die App sendet die Liste der gekauften Artikel direkt an das Abrechnungssystem des jeweiligen Ladens. Um den Kauf abzuschließen, muss der Kunde nur noch seine Rabattkarte einlesen lassen und erhält dann den aus der App übertragenen Preis angezeigt. Anschließend wird bar oder per Kreditkarte bei einem Kassierer bezahlt. Die gekauften Produkte werden nur noch stichprobenartig kontrolliert, um Missbrauch auszuschließen.

Da der Supermarkt den Nutzer über seine Rabattkarte "kennt", werden ihm außerdem regelmäßig neue Produkte vorgeschlagen – basierend auf früheren Einkäufen. Die App kann sogar Vorschläge anhand der aktuellen Position des Kunden im Supermarkt machen, denn die App weiß, wo sich ein soeben gescanntes Produkt befinden müsste. Ab und zu werden zur Kundenmotivation außerdem Spezialpreise offeriert, die über das gewohnte Rabattprogramm hinausgehen.

"Die Technik in dieser App erlaubt es dem Kunden, seinen Einkauf besser zu kontrollieren", sagt Modiv-Media-Marketingchef John Caron, der besonders stolz auf die Vereinfachung des Bezahlvorgangs ist. Die Firma habe zuvor schon mit ähnlichen Ideen experimentiert, doch erst die jüngste Smartphone-Generation besitze Kameras, die den Barcode verlässlich genug erfassen könnten. Unterstützt werden in diesem Fall iPhone 3GS und neuer – also die letzte und die vorletzte Generation des Apple-Handys.

Caron sieht einen großen Vorteil darin, dass die App auf dem Smartphone des Kunden und nicht auf einem Spezialgerät läuft. So kann der Kunde sie auch schon nutzen, wenn er sich zu Hause seine Einkaufsliste zusammenstellt.

Modiv Media hofft, mit der Anwendung sowohl Kunden als auch Ladenbesitzer zufriedenzustellen. Kunden erhalten Rabatte und personalisierte Angebote, während die Läden zielgerichtetere Werbekampagnen durchführen können und den Kassenprozess vereinfachen.

Die reine Smartphone-Option sei dabei besonders kostengünstig, weil nicht in viel spezialisierte Hardware investiert werden muss. "Das ist eine große Hürde, die dadurch einfach wegfällt", sagt Modiv-Media-Manager Paul Schaut. Zudem stehe die Technik erst am Anfang. Es sei durchaus möglich, den Einkauf künftig noch "sozialer" zu machen, indem Nutzer beispielsweise Einkaufslisten für Rezepte austauschten – von iPhone zu iPhone oder über Social Networks.

Zunächst will Modiv Media aber erst einmal die Grundfunktionalität so gut wie möglich gestalten. Scanning und Bezahlvorgang sollen möglichst reibungslos laufen. Erst nach dem erfolgreichen Aufbau dieser Infrastruktur sollen dann "Spielfunktionen" hinzukommen. "Wenn wir die Kunden erst einmal "haben", kann man sich einige spannender Szenarien ausdenken", sagt Schaut.

Mark Beccue, Analyst beim Mobilspezialisten ABI Research, lobt "Scan It!" aufgrund seiner Stabilität: "Für eine erste Version ist das schon einmal sehr gut." Modiv Media hatte allerdings genügend Zeit für Optimierungen: Die erste Version der Anwendung, die noch auf eigenen Geräten lief, startete 2007. Bereits 2009 erkannte die Firma, dass die Nutzer dieser Scanner im Schnitt 7 Dollar mehr ausgaben und einen Laden 10 Prozent häufiger besuchten.

Doch bei solchen Anwendungen liege der Teufel im Detail, glaubt Beccue. Es komme stets auf den ersten Eindruck an. "Der Kunde entscheidet anhand der Tatsache, ob eine solche App ihm Zeit spart und ob sie bequemer ist." Ein neues System werde einmal ausprobiert und dann, sollte es nicht funktionieren, nie wieder.

Damit sich "Scan It!" durchsetzt, muss Modiv Media nun genügend Retail-Kunden finden, die die Technik nutzen wollen. Nach Stop & Shop könnten das bald andere Ketten sein. Zunächst gilt es aber, die Pilotphase zu überstehen, die in Läden stattfindet, in denen bereits die alte Modiv-Hardware verwendet wurde. Ein allgemeiner Download für alle Stop & Shop-Filialen soll Ende Sommer freigegeben werden. Auch an einer Android-Version der App arbeitet Modiv Media. (bsc)