Smart Glasses: Forscher wollen die Datenbrillen mittels Lasern verbessern

Datenbrillen sind derzeit Nischenanwendungen, doch der Einsatz von Lasern erlaubt kleinere und leichtere Bauformen, die ihnen ein Comeback bescheren könnten.

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CeBIT 2016

Datenbrille müssen dringend besser werden. Hier: Angela Merkel mit einem Schweizer Politiker beim Test auf einer Messe.

(Bild: dpa, Ole Spata)

Von
  • Enno Park

Derzeit sind Datenbrillen eher schwer, haben eine grobe Auflösung und keine besonders hohe Akkulaufzeit. Das sind neben Datenschutzbedenken im Wesentlichen auch die Gründe, warum Google Glass vor einigen Jahren floppte. Designer von Datenbrillen haben nicht nur mit relativ klobigen Sensoren zu kämpfen, sondern müssen auch verschiedene Parameter beachten, die sich gegenseitig limitieren.

Ob eine Datenbrille lediglich dazu taugt, ein paar Infos im Sichtfeld einzublenden, oder eine hohe Immersion für Videos, Games und Augmented-Reality-Anwendungen erzeugen kann, hängt davon ab, wie groß der Feldwinkel ist, also die Breite des Blickfeldes der Projektion auf dem Brillenglas. Zugleich hängt die Qualität vom Abstand zwischen Auge und Projektionsfläche ab. Je besser beide Werte sind, desto höher ist die benötigte Auflösung, die ein Projektor erzielen muss, was wiederum größere Bauformen und einen höheren Energiebedarf bedeutet. Diese Parameter halbwegs sinnvoll auszutarieren, ergibt die mäßige Bildqualität der bisher bekannten Datenbrillen.

Diese Qualität ist ausreichend für Anwendungen im industriellen Bereich, in der Logistik oder manchmal sogar bei Polizeien und ähnlichen Berufen. Um jedoch für den Consumer-Markt interessant zu werden, benötigen die Datenbrillen eine bessere Bildqualität und müssen gleichzeitig so leicht und modisch werden wie normale Brillen zur Sehstärkenkorrektur.

Um diesen Ziel ein Stück näher zu kommen, arbeitet der europäische Konzern STElectronics an neuen kleineren Projektoren, die sich leichter in normale Brillengestelle einarbeiten lassen sollen. Als technische Basis dient ein kleiner Laser, dessen Strahl durch eine Anordnung vieler winziger Spiegel so aufs Brillenglas projiziert wird, dass dort ein Bild entsteht. Der Prototyp besteht aus zwei Teilen: einem optischen und einem elektronischen Modul, die an passenden Stellen ins Brillengestell eingebaut werden können.

Das optische Modul ist lediglich ungefähr 0,7 Kubikzentimeter groß und dementsprechend leicht. Es enthält eine Laser-Diode, eine Foto-Diode, die Mikrospiegel, die zugehörige Optik sowie einen Wärmesensor. Hinzu kommt noch eine Elektronik-Einheit, die unter anderem einen Treiber zur Ansteuerung der Mikrospiegel enthält, einen Treiber für die Laser-Diode, sowie einen Controller zur Verarbeitung von Bild- und Videodaten. Das System soll weniger als 1 Watt verbrauchen. Die neue Technik sollte es den Herstellern erleichtern, einen guten Kompromiss zwischen Feldwinkel, Glasabstand und Auflösung zu finden.

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Um die Entwicklung voran zu treiben, wurde unter dem Dach des Verbands IEEE die so genannte "LASaR Alliance" gegründet, zu der neben STElectronics auch Firmen wie Osram gehören. Sie wollen Standards in diesem Bereich erarbeiten. Die neue Technik muss allerdings erst noch beweisen, dass sie dieses mal ausgereift genug für den Consumer-Markt ist. Außerdem werden die alten Datenschutzdebatten wieder aufflammen.

Dessen unbeirrt haben einige Anbieter bereits Ankündigungen gemacht, die auf ein Comeback der Datenbrille schließen lassen. Xiaomi etwa möchte neue Smart Glasses mit LED-Display auf den Markt bringen. Und Google-Tochter North hat eine erste Datenbrille auf Basis der beschriebenen Laserprojektion in Arbeit. Nicht zuletzt Facebook mischt mit und hat kürzlich seine smarte Brille in einer Zusammenarbeit mit Ray-Ban vorgestellt.

Vielleicht erlebt bei dieser Umtriebigkeit nicht nur die Datenbrille ein Comeback, sondern auch das Schimpfwort "Glasshole".

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(bsc)