So lange bleibt das Coronavirus in der Luft und auf Oberflächen ansteckend

Bis zu drei Tage überdauert der Erreger auf Stahl und Kunststoff, etwas weniger auf Kartons. Bestimmte Reinigungsmittel töten sie allerdings effektiv ab.

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(Bild: Maridav/Shutterstock.com)

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Eine große Frage beim Covid-19-Ausbruch mit mehr als 110.000 Infizierten ist, wie sich der Keim so leicht ausbreitet. Viren sind zwar streng wissenschaftlich gesehen keine Lebewesen, die Praxis zeigt jedoch: Sie können abgetötet werden – sind vom Leben also nicht allzu weit entfernt. Obwohl viele Viren und Keime auf gewöhnlichen Objekten "überleben" können, könnte es bei der Epidemie-Eindämmung helfen, wenn man genau wüsste, wie das neue Coronavirus auf verschiedenen Oberflächen ansteckend bleibt.

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US-Forscher sind dieser Frage nachgegangen. Wie Vincent Munsters Team vom National Institutes of Health in Hamilton, im Bundesstaat Montana, in einem MedRxiv-Vorabdruck schreibt, blieben die Keime mit drei Tagen auf Kunststoff und Edelstahl am längsten aktiv.

Einen endgültigen Beweis dafür, dass sich das Virus tatsächlich auch über leblose Objekte verbreitet, gibt es bisher noch nicht. "Wir wissen nicht, ob Sie Covid-19 zu diesem Zeitpunkt von kontaminierten Oberflächen oder leblosen Objekten aufnehmen können", sagt Marilyn Roberts, Mikrobiologin an der School of Public Health der University of Washington. Behandelnde Ärzte wissen bisher nur, dass das Virus in großen Mengen in den oberen Atemwegen der Patienten vorhanden ist. Das macht es wahrscheinlich, dass es sich beim Husten oder Niesen ausbreitet und dann in winzigen Tröpfchen und Aerosolen in die Luft und auf Oberflächen gesprüht wird.

"Die Virusstabilität in der Luft und auf Oberflächen kann sich direkt auf die Virusübertragung auswirken, da Viruspartikel lange genug 'lebensfähig' bleiben müssen, nachdem sie aus dem Wirt ausgestoßen wurden, um von einem neuartigen Wirt aufgenommen zu werden“, schreiben Munster und sein Team. Die Ausbreitung über die Luft erkläre wahrscheinlich sogenannte "Super Spreader"-Veranstaltungen, etwa eine Konferenz des Biotechnologieunternehmens Biogen in Boston, bei der sich vermutlich mehr als 70 Menschen infiziert haben.

Die Wissenschaftler untersuchten, wie lange das Virus auf verschiedenen Materialien ansteckend bleibt. Dafür wischten sie nach einigen Stunden und Tagen Test-Oberflächen ab und überprüften, ob sie noch Zellen in einer Petrischale infizieren konnten. Auf Edelstahl und Kunststoffen wie Handyhüllen fanden die Forscher auch nach drei Tagen noch infektiöse Keime. Auf Kartonverpackungen war das bis zu 24 Stunden lang der Fall. Kupfer mochte der Erreger am wenigsten, hier war er nach nur vier Stunden verschwunden. Wurden Viruspartikel in einer Testkammer in der Luft herumgewirbelt, blieben sie etwa drei Stunden lang aktiv.

Es werden detaillierte epidemiologische Studien erforderlich sein, um genau herauszufinden, wie sich das Virus verbreitet. Bei einigen Viren wie Influenza kann man durch das Berühren einer Oberfläche innerhalb von wenigen Sekunden Millionen von Viruspartikeln aufsammeln. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Menschen ihre Gesichter mehr als 20 Mal pro Stunde berühren. Darüber hinaus widerstanden Viren kalten Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit länger.

Um die Ausbreitung von Covid-19 zu bremsen, empfehlen Gesundheitsbehörden neben häufigem Händewaschen, Oberflächen mit Reinigungsmittel auf Alkoholbasis und verdünntem Wasserstoffperoxid zu desinfizieren. Damit seien die Erreger ziemlich leicht abzutöten.

Anfang Februar schrieben Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Greifswald in einem Übersichtsartikel im "Journal of Hospital Infection", dass sich durch eine Oberflächenreinigung die Zahl der Viren innerhalb einer Minute um vier logarithmische Stufen reduzieren lasse, also etwa von einer Million Viruspartikel auf 100.

Damit lasse sich wahrscheinlich das Infektionsrisiko verringern. Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, wie lange das Virus – je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit – in menschlichen Ausscheidungen wie Schleim, Speichel und Fäkalien überlebt.

Korrektur: 19.3.2020, 12.30 Uhr: Der Text wurde dahingehend verändert, dass die umgangssprachliche Definition von "lebenden" Viren korrigiert wurde. jle

Update, 20.3.2020, 11 Uhr: Wir möchten hiermit betonen, dass es sich bei der beschriebenen Studie von Vincent Munster um Versuche unter Laborbedingungen handelt. Die Übertragbarkeit auf den Alltag bezweifelt unter anderem der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Wie bei vielen anderen Themen ist eine einzige Untersuchung nicht der Weisheit letzter Schluss. Nichtsdestotrotz trägt das Paper zur Erforschung des Virus bei und gibt einen Einblick, wie es sich unter spezifischen Bedingungen verhält. jle

(vsz)