So sollten Sie laut Google ihre Firma leiten

Eric Schmidt und Jonathan Rosenberg erheben in ihrem Buch "How Google Works" den Managementstil des Internetgiganten zum Vorbild für alle Kreativfirmen.

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  • Brian Bergstein

Eric Schmidt und Jonathan Rosenberg erheben in ihrem Buch "How Google Works" den Managementstil des Internetgiganten zum Vorbild für alle Kreativfirmen.

Zu den Tipps der beiden Google-Manager übers Einstellen, Motivieren, Führen von Mitarbeitern gehört auch das Credo: keine Heimarbeit. Schmidt leitete Google früher als Geschäftsführer und steht heute dem Verwaltungsrat vor. Der langjährige Google-Manager Rosenberg war Leiter des Produkt-managements und ist jetzt Berater von Mitgründer Larry Page.

Technology Review: Der Öl-Tycoon J. Paul Getty soll einmal gesagt haben, die Formel für wirtschaftlichen Erfolg sei "Früh aufstehen, hart arbeiten, auf Öl stoßen".

Eric Schmidt: Ich denke, dass Google tatsächlich ein paar neue Managementwege erfunden hat. Wir glauben, dass sie sich sowohl in neuen Technologie-Unternehmen als auch in etablierten Firmen anwenden lassen.

TR: Google-Mitarbeiter können über 20 Prozent ihrer Arbeitszeit frei entscheiden. Ist das für Firmen mit schmalen Profitmargen denn kein unerreichbarer Luxus?

Jonathan Rosenberg: Ich denke nicht. Die meisten Unternehmen schätzen die Aufgaben, die zu erledigen sind, als zu anspruchsvoll ein. Sie denken nicht in Begriffen wie Information, Reichweite und Rechenleistung – sondern immer noch in Begriffen der industriellen Fertigung des 20. Jahrhunderts wie Input.

Wenn Sie sich die heutige Software anschauen, haben wir viel leistungsfähigere Programmierschnittstellen. Es ist sehr leicht, Informationen zusammenzustellen und mit wenigen Leuten etwas Signifikantes zu schaffen – so wie es zum Beispiel die Leute von der Navigations-App Waze oder von Uber gemacht haben.

TR: Sie schreiben in Ihrem Buch auch, Manager seien nicht dafür da, ihren Mitarbeitern eine 40-Stunden-Woche zu ermöglichen. Was spricht gegen die Work-Life-Balance?

Schmidt: Das klingt für mich wieder nach so einem Begriff aus dem Industriezeitalter. Ein erfolgreiches Leben ist nicht komplett ausbalanciert. Erfolgreiche Leute, die wie wir studiert haben, schaffen es, ein gutes Leben zu haben, eine gute Arbeit und all diese Dinge zu integrieren.

Wir arbeiten mit Frauen zusammen, die es in Start-ups ziemlich schwer haben: Die Arbeit ist intensiv, gleichzeitig leisten sie typischerweise auch den Großteil der Familienaufgaben. Aber irgendwie schaffen sie es. Wenn sie sich um die Familie kümmern, sind sie ein paar Stunden nicht erreichbar. Danach tauchen sie wieder auf, etwa um elf Uhr nachts, und arbeiten hart. Das sind wirklich beeindruckende Führungskräfte.

Rosenberg: Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat mal gesagt, Unmut entsteht, wenn einem gesagt wird, was man tun soll und wann. Man sollte den Leuten die Freiheit geben, dass sie sich ihre Zeit selbst einteilen können – angepasst an ihre Deadlines und ihren eigenen Rhythmus.

TR: Aber es ist okay, gesagt zu bekommen, wo man es tun soll? Denn Sie glauben ja laut Ihrem Buch nicht ans Home Office.

Schmidt: Es tut mir leid, aber mir gefällt Ihre Formulierung nicht. Wenn ich da also ein wenig dagegenhalten darf: In einem Unternehmen zu arbeiten ist freiwillig, und wir erwarten von den Leuten, dass sie die Firmenphilosophie annehmen. Ein Teil davon ist Teamwork. Wenn Sie eine großartige Firma wollen, müssen die Leute ziemlich leidenschaftlich sein und zur Arbeit erscheinen – wegen des Kaffeeküchen-Effekts.

Rosenberg: Es gibt Aufgaben, die lassen sich daheim erledigen, technische Dokumentation etwa. Aber wenn jemand zum Produktentwicklungs-zyklus beitragen soll, muss er auf Mitarbeiter treffen können (um neue Ideen austauschen und entwickeln zu können; Anm. der Redaktion). Wir haben viele Fernarbeitssysteme versucht, aber es funktioniert einfach nicht wirklich gut.

(bsc)