So unterschiedlich gehen Toyota und Honda bei ihren Elektroauto-Offensiven vor

Toyota will mehr Akkus bauen als geplant, verkneift sich aber bisher eine drastische Wette auf Elektroautos. Derweil drückt sich Honda offensiver aus.

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(Bild: Toyota)

Von
  • Martin Kölling

Japans Automobilhersteller Toyota sieht es offenbar nicht als seine vorrangige Aufgabe an, im Rennen um elektrifizierte Antriebe Schlagzeilen zu generieren. Während vorige Woche deutsche und chinesische Hersteller auf der IAA Mobility ihre Elektroautoinitiativen auffuhren, versteckte Toyota in Japan seine Neuigkeit in einem "Briefing zu Batterien und Karbonneutralität".

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Tokio.

Umgerechnet 11,5 Milliarden Euro wolle der Konzern bis 2030 in den Ausbau von Akkufabriken und die Entwicklung von Batterietechnik investieren, referierte Toyotas Technologiechef Masahiko Maeda kurz einen neuen Plan, den die Medien an diesem Tag prompt zur Schlagzeile machten. Denn gleichzeitig erhöhte Toyota das Produktionsziel für Akkus, das Maeda erst im Mai ausgegeben hatte, für das Ende des Jahrzehnts von bisher 180 GWh auf "mehr als 200 GWh".

Mit dieser versteckten Ankündigung wird eine zunehmende Kluft in der Selbstdarstellung der japanischen Hersteller deutlich, wenn es um ihre Elektroautostrategien geht. Mit der Revision des Produktionsziels deutete Toyota allenfalls eine beschleunigte Entwicklung von Elektroautos an. Offiziell betonte Toyota seine bisherige Strategie, die mittelfristig mehr auf Hybridautos als auf Elektroautos ausgerichtet ist, um die Kohlendioxidemissionen zu senken. Selbst Verbrennern sprechen die Japaner eine wichtige Rolle zu, zum Beispiel mit synthetischen Brennstoffen.

Der Rivale Honda setzt dagegen deutlicher auf Elektroautos. Zwar glaubt auch Hondas Management, dass Autos mit Hybrid- und Verbrennungsmotoren gerade in Schwellenländern länger nachgefragt werden dürften als beispielsweise in Europa. Aber der Toyota-Rivale hat mit dem Honda e bereits in einigen Märkten ein reines Elektroauto im Verkauf. Toyota wird erst noch folgen, unter anderem mit seiner neuen Elektroautomarke bZ (Beyond Zero).

Honda e auf der IAA 2019 (8 Bilder)

(Bild: heise online/spo)

Zudem betonte Hondas Präsident Toshihiro Mibe im Juli als erster Chef eines japanischen Herstellers nach dem neuen Vorstoß der Europäischen Kommission zur Emissionsreduzierungen, schneller als bisher auf Elektroautos umschwenken zu können. Hondas Übergang zum alleinigen Verkauf von elektrifizierten Fahrzeugen "könnte beschleunigt werden", sagte er. Toyota hat hingegen in den vergangenen Wochen mit seiner Lobbyarbeit gegen eine alleinige Wette auf Elektroautos Schlagzeilen als Öko-Bremser gemacht.

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Auch die jüngsten Entscheidungen von Honda zeigen, dass der Toyota-Rivale bereits stärker auf Elektroautos setzt. Toyota kündigte in seinem Briefing zusätzlich zum brennstoffzellenelektrischen Mirai zwei weitere Modelle an. Honda hingegen stoppte dieses Jahr die Produktion seiner Brennstoffzellenlimousine Clarity. Honda-Chef Mibe kündigte zwar an, weitere Modelle entwickeln zu wollen. Aber ohne konkrete Pläne muss das vorerst als Lippenbekenntnis gelten.

Toyota Mirai II Exterieur (5 Bilder)

Harmonische Formen statt Manga-Design: Der Toyota Mirai II sieht gefälliger aus als der Vorgänger. Auch aus technischer Perspektive hat es erhebliche Verbesserungen gegeben. Der Preis: Ab 63.900 Euro.
(Bild: Christoph M. Schwarzer )

Der Eindruck verstärkt sich somit: Honda fokussiert sich vorerst auf Elektroautos. Vorigen Monat berichtete dann die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei, dass die Japaner in China bis 2024 die Produktion von sogenannten "New-Energy-Vehicles" um 120.000 Stück erhöhen wollen. Auch Hondas Elektroauto-Offensive in den USA, die in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts richtig an Fahrt aufnehmen soll, nimmt Gestalt an.

Der Konzern kooperiert bereits seit 2017 mit dem amerikanischen Hersteller GM bei der Entwicklung von Brennstoffzellen und über eine Investition in GMs Startup Cruise bei autonomen Autos. Inzwischen haben die Partner ihre Zusammenarbeit auf Elektroautos ausgeweitet.

Pünktlich zur IAA sickerte nun durch, Honda plane, die Informationen für seine Plattform "e:Architectur" für kleine und mittelgroßes Elektroautos mit GM zu teilen. Die Amerikaner würden sich dafür mit der Plattform für große Stromer revanchieren. Damit würde der Anteil baugleicher Teile der Partner über 50 Prozent betragen, berichtet die Nikkei.

Toyota verfolgt zwar auch Allianzen mit den japanischen Herstellern Mazda, Suzuki und Subaru. Aber derart konkrete Pläne hat man von diesen Kooperationen noch nicht gehört. Toyota setzt damit bei Elektroautos noch immer auf eine vorsichtigere Strategie als Honda – von Volkswagen ganz zu schweigen.

(jle)