Softbank steckt 100 Milliarden Euro in KI

Masayoshi Son wettet eine gigantische Summe auf Firmen, die mit künstlicher Intelligenz Wirtschaft und Gesellschaft erneuern. Ihm geht es um Megatrends.

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Japan Softbank iPhone 5

Masayoshi Son – hier mit einem frühen iPhone.

(Bild: dpa, Everett Kennedy Brown)

Von
  • Ben Schwan
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Der Japaner Masayoshi Son ließe sich getrost als Kanarienvogel in der Welt künstlicher Intelligenz (KI) verstehen. Der Gründer von Softbank, dem inzwischen größten Technikinvestor der Welt, hat über drei Fonds bereits weit mehr als 100 Milliarden Euro in mehr als 140 Mega-Startups investiert, die seiner Meinung nach die KI-Revolution anführen werden.

Sons Besonderheit ist dabei, dass er in den USA genauso gut vernetzt ist wie in China oder Indien. Der Chef seines Investmentgeschäfts stammt selbst vom südasiatischen Subkontinent. Und in China ist Son bereits seit 1999 selbst aktiv, als er mit einer frühen Beteiligung am heutigen Onlinehandelsriesen Alibaba das große Los kaufte.

Noch heute machen Alibaba-Aktien den Großteil von Softbanks Firmenwert aus. Die Liste seiner Investitionen gibt damit eine gute Übersicht über die Machtverteilung in der KI-Welt. Dabei lassen sich einige klare Trends ablesen.

US-Unternehmen gaben in der Frühphase noch den Ton an. Softbank hat sich dabei über seinen 2017 gegründeten Softbank Vision Funds an vielen Internet-Stars in aller Welt beteiligt, die irgendwie KI für seine Geschäftszwecke zu nutzen versprachen. Aber die meisten sind in den USA beheimatet, darunter die Unternehmens-Chat-App Slack wie auch der Mitfahrvermittler Uber (Softbank ist auch an dessen chinesischen und südostasiatischen Rivalen beteiligt).

Nicht alle Investitionen waren erfolgreich. Der Kollaps von Sons Liebling WeWork, einem globalen Bürovermieter, hat ihm harte Kritik seiner arabischen Geldgeber für den ersten Vision Fund eingebracht, und seinen Ruf als Spürnase für Megastartups angekratzt. Aber die Börsengänge des ersten Vision Funds zeigen, dass die US-Szene am Finanzmarkt das größere Gewinnpotenzial besaß.

Diese Woche erklärte Son zur Vorstellung von Softbanks Quartalsbilanz, wie viel Geld Börsengänge seiner Wetten ihm bisher gemacht haben. Und da dominieren US-Werte.

Die Anteile an Uber schlugen sich Ende 2020 im Portfolio des Softbank Vision Fund mit 11,3 Milliarden Dollar nieder, dicht gefolgt von dem Auslieferungsriesen Doordash mit 9 Milliarden Dollar, dessen jüngster Börsengang den Wert von Softbanks Investment mehr als Verdreizehnfacht hat. Chinesische Börsengänger wie der Online-Doktor-Konzern "Ping An Good Doctor" stehen derweil mit weniger als einer Milliarde Dollar in der Liste.

China ist im Kommen: Beim zweiten Softbank Vision Fund, den die Japaner mangels neuer Partner seit 2019 bisher allein aufbauen, sieht die Lage anders aus. Chinesische Firmen machen einen größeren Teil der bald 39 Firmen aus Softbanks zweitem Portfolio aus. Und das ist auch kein Wunder: Mit seinem großen Markt und seinen wachsenden Internet- und Technikriesen ist China im Bereich KI zu einem wirklichen Herausforderer der USA aufgestiegen.

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Bei zwei der Unternehmen lässt sich sogar schon der Marktwert an der Börse messen. Der größte ist dabei der chinesische Online-Offline-Makler Beike, dessen Aktienbeteiligung mit einem Wert von 6,4 Milliarden Dollar bereits auf dem dritten Rang von Softbanks KI-Rangliste liegt. Dies spricht für die wachsende Finanzkraft der chinesischen Börsen.